Banner Stay. Oder: Wie ein Song meinen Roman fand

 

Es kommt häufiger vor, ganz besonders in meinen Weihnachtsromanen, dass darin Filme oder Lieder für eine oder mehrere Figuren einen ganz besonderen Stellenwert besitzen. Bei Kleines Hundeherz sucht großes Glück war es zum Beispiel das wunderschöne Lied Walking in the air aus dem 1982er Zeichentrickfilm Der Schneemann.

Auch in Vier Pfoten retten Weihnachten werden mehrere Lieder erwähnt, die wichtig für die Hauptfiguren sind, und in Vier Pfoten für ein Weihnachtswunder wird immer wieder auf den Zeichentrickfilm In einem Land vor unserer Zeit und dessen Titelmusik If we hold on together angespielt – und auch daraus zitiert.

Gerade dieses Lied passt so unglaublich gut zu der Hauptfigur Laura und ihrer Vorgeschichte und aktuellen Situation, dass es mir direkt eine Gänsehaut verursacht. Dabei hatte ich eigentlich nur nach einem schönen Kinderfilm gesucht, der für die Protagonistin eine wichtige Rolle spielt und sie mit ihren verstorbenen Eltern verbindet.

Natürlich kannte ich den Film längst, ich habe ihn schon unzählige Male angeschaut, aber was genau Diana Ross in der Titelmusik singt, darauf habe ich nie so genau geachtet. Bis ich eben genau auf diesen Film stieß, weil mir einfiel, dass darin Littlefoot, der kleine Langhals, ebenfalls seine Eltern verliert. Ganz plötzlich trat der Liedtext für mich in den Vordergrund und … Genau da bekam ich schon die erste Gänsehaut. So sehr übrigens, dass ich meine Lektorin fragte, ob ich die ersten beiden Strophen dem Buch als Leittext voranstellen dürfe. Sie hat sich daraufhin nach der rechtlichen Seite erkundigt, doch leider stellte sich heraus, dass dieses vorangestellte Zitat nur sehr kompliziert rechtlich abzusichern sei und evtl. sogar ziemlich teuer werden könnte.

Deshalb entschied ich mich, einen anderen Weg zu gehen. Im Buch werden immer mal wieder einzelne Liedzeilen im Erzähltext oder im Dialog/Monolog zitiert, sodass sie inhaltlich in einen neuen Kontext (Lauras Geschichte und ihre Gefühle) gesetzt werden. Dies ist rechtlich erlaubt (wenn man nicht gleich ganze Strophen oder das gesamte Lied auf diese Weise zitiert). Das fällt also unters Zitatrecht, aber natürlich nur, wenn die Liedzeilen innerhalb eines neuen Kontexts zur Verdeutlichung einer Aussage herangezogen werden.

 

Im Buch sieht das dann so aus (ACHTUNG, MEGA-SPOILER):

»Ich sitze hier und bemitleide mich, und dabei … Ich bin so …« Laura fehlten die Worte. »Bescheuert!« Energisch stand sie auf und trat vor den Spiegel, der im Eingangsbereich an der Garderobe hing, und legte sich die Kette um den Hals.
Lizzy war ihr wie immer hinterhergelaufen und wuselte jetzt um ihrer Füße herum.
Nein, bist du gar nicht. Du bist lieb! Wau!
»Nein, nicht du, Süße. Ich! Ich bin total kaputt. Kein Wunder, dass Justus ausgerastet ist und mich weggeschickt hat.«
Als sie wieder in ihr ehemaliges Wohnzimmer zurückkam, kam es ihr vor, als sehe sie alles zum ersten Mal und in ganz neuen Farben. In diesem Moment drang die Schlussmelodie des Zeichentrickfilms an ihr Ohr. Diana Ross sang mit ihrer glasklaren Stimme »Don’t lose your way, with each passing day …« Laura lief ein Schauer über den Rücken, doch diesmal war er nicht unangenehm, nicht beängstigend; die Angst war plötzlich verschwunden. »You’ve come so far, don’t throw it away.«
Am liebsten hätte sie sich sofort ins Auto gesetzt und wäre nach Hause gefahren. Kurz zuckte sie zusammen, als sie bemerkte, dass das Blockhaus in den wenigen Wochen viel mehr zu einem Zuhause geworden war, als diese Wohnung es während der letzten Jahre hatte werden können. Aber auch das fühlte sich jetzt nur noch gut an. Doch es war gerade halb fünf in der Früh, und ein kräftiger Wind wehte Regen und Graupel gegen die Fenster. Außerdem hatte sie eine feste Regel, und die würde sie unbedingt einhalten.
»Live believing, dreams are for weaving.« Laura erschauerte leicht, als sie die Bedeutung der Worte für ihr eigenes Leben begriff. Leise summte sie mit: »Wonders are waiting to start …«
»Lizzy, ich glaube, wir schlafen noch eine Runde, was meinst du?«
Hab nichts dagegen. Lizzy wedelte leicht mit der Rute.
»Noch ist es dunkel und fast Nacht«, erklärte sie der Hündin. »Nachts soll man keine Entscheidungen treffen.«

 

Wer sich für den gesamten Liedtext interessiert, kann in übrigens unter anderem HIER nachlesen.

Und wer ihn sich einfach anhören und darin schwelgen möchte, kann das mit dem folgenden Video tun.

If We Hold On Together

Dieses Video stellt erst eine Verbindung zu YouTube her, wenn du es startest. Vorher werden keinerlei Daten übertragen. Weitere Informationen hierzu findest du in meiner Datenschutzerklärung.

 


 

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Stay. Noch so ein Lied, das meinen Roman gefunden hat.

Dieses Jahr gibt es, wie ihr sicherlich inzwischen wisst, zwei Weihnachtsromane von mir, und auch in Ein Weihnachtshund auf Glücksmission gibt es – man höre und staune! – ebenfalls ein ganz wichtiges Liebeslied.

Ich weiß nicht, wie es immer wieder passiert, dass die Musik zum Buch mich findet. In diesem Fall war es so, dass ich, um in Schreibstimmung zu kommen und nicht ununterbrochen nur Weihnachtsmusik zu hören (es war immerhin mitten im Sommer), auf YouTube einen Mix der schönsten Lovesongs und Filmmusiken aller Zeiten (so hieß das glaube ich) angehört habe. Ich schrieb also und schrieb und schrieb eine Szene, und plötzlich lief da Stay von Bonnie Bianco und Pierre Cosso. Ja genau, dieses wunderschöne Lied aus dem Film Cinderella 80 (oder Cinderella 87, wie er bei uns auch hieß).

Tja, was soll ich sagen? Ich liebe dieses Lied schon seit Ewigkeiten, aber dass der Text so unglaublich perfekt zu meinen Hauptfiguren passen würde, hat mir die nächste Gänsehautattacke beschert. Wieder hätte ich gerne die Lyrics dem Buch vorangestellt, doch diesmal hatte ich gleich im Gefühl, dass das wieder nicht funktionieren wird. Also baute ich auch hier ein paar der Liedzeilen in die Geschichte ein.

 

So wie hier (ACHTUNG, NOCH EIN MEGA-SPOILER):

»Versuch macht klug.« Heiter zwinkerte Klaus ihr zu, hob aber, als das nächste Lied begann, leicht ungehalten den Kopf. »Na, was ist denn das schon wieder? Das Lied eben war schon nicht in meiner Playlist und dieses hier ganz sicher auch nicht. Was ist nur mit dem Computer los, dass er dauernd solche Aussetzer hat?« Schon wollte er zum Schaltpult eilen, doch Annalena hielt ihn am Arm zurück. »Warte, Klaus.« Mit einem eigenartigen Gefühl in der Magengrube lauschte sie der Melodie. »Das ist Stay von Bonnie Bianco und Pierre Cosso.«
»Ich weiß. Das gehört in die Abend-Playlist, nicht in die für die Kinderfahrten.«
»Wärst du so nett, es laufen zu lassen? Ich mag das Lied so gerne.«
Überrascht sah Klaus sie an, nickte dann aber gutmütig. »Na gut, wie du meinst. Willst du dich setzen?« Er deutete auf die Stufen vor dem Karussell.
Sie ließen sich nebeneinander nieder, und Asco drückte sich an Annalenas Beine. Schweigend kraulte sie ihn hinter den Ohren und lauschte auf das Lied. Dabei wanderten ihre Gedanken erneut zu der Weihnachtsfeier zurück, zu dem Tanz, dem innigen Moment, den sie genau zu diesem Lied mit Christian gemeinsam erlebt hatte. »Well remembered dreams«, summte sie leise mit und musste plötzlich an jenen Abend vor dreizehn Jahren denken, »of a foolish parade …« Ihr wurde ganz seltsam zumute, als die Bilder von damals in ihr aufstiegen. »Didn’t need to persuade you …« Ein heißer und zugleich kalter Schauder rieselte ihr Rückgrat hinab, denn ihr wurde plötzlich bewusst, wie sehr diese Worte ihre Geschichte und Beziehung mit Christian widerspiegelten. Warum war ihr das nie zuvor aufgefallen? Stay war immer schon eines ihrer Lieblingslieder gewesen, aber noch nie hatte sie die Worte so deutlich wahrgenommen und dass sie nicht nur auf fast unheimliche Weise wiedergaben, was mit ihnen beiden geschehen war, sondern auch, was sie empfand. When I see you, there’s a glow from the stars above … Sie schluckte hart, denn jetzt schien wieder dieses seltsame Glitzern und Flirren in der Luft zu liegen. Guess they know that I’m so in love …
»Schönes Lied«, murmelte Klaus neben ihr. »Sehr romantisch. Meine Frau ist auch ganz vernarrt in den Film. Cinderella irgendwas.«
»Cinderella ‘80.« Noch einmal musste Annalena schlucken. Der Film hatte rein gar nichts mit ihr und Christian zu tun, aber dieser Song … Es war ihr direkt unheimlich.

Auch hierzu könnt ihr den Liedtext komplett nachlesen, und zwar HIER.

Oder ihr hört euch das Lied einfach im folgenden Video an, seufzt vielleicht ein bisschen (so wie ich) und freut euch darauf, das Buch zu lesen. ;-)

Bonnie Bianco & Pierre Cosso – Stay

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Walther von der Vogelweide

© gnagi – stock.adobe.com

Tatsächlich funktioniert das mit “die Musik findet mich” sogar über die Jahrhunderte hinweg und für meine historischen Romane. In Die Eifelgräfin findet ihr (diesmal allerdings vorangestellt, weil inzwischen gemeinfrei) ein Minnelied von Walther von der Vogelweide: Wol mich der Stunde

Ich hatte den Roman bereits fertiggestellt, und wenn ich mich recht entsinne, lag er sogar schon im Lektorat oder war zumindest auf dem besten Weg dorthin. Ich hatte mich gerade sehr für mittelalterliche Musik erwärmt und las ein wenig über Minnesänger, als mir in einem Buch dazu dieses Lied begegnete.

Ihr werdet es euch vermutlich schon denken: Gänsehaut-Alarm!

Es war einfach unglaublich (vielleicht sogar ein wenig unheimlich) wie genau dieser Dichter vor über 800 Jahren genau die Prämisse und den Tenor meines Romans mit seinem Lied erfasst hat. Oder war es vielleicht umgekehrt? Dabei kannte ich das Lied bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht. Wenn ihr es lesen und auch anhören möchtet, klickt bitte HIER, denn ich habe es in Adelinas Welt bereits (mit einigen anderen Liedern des Dichters) für euch zur Verfügung gestellt.

Dies sind jetzt drei Beispiele dafür, dass die Musik zum Roman mich auf die eine oder andere Weise findet bzw gefunden hat. Natürlich suche ich auch schon mal ganz aktiv nach der passenden Musik, so wie zum Beispiel die R.E.M-Songs in meiner Agentenkrimiserie Spionin wider Willen, die ja für beide Hauptfiguren eine sehr wichtige Rolle spielen.

Allerdings ist es aber oft auch so, dass ich zuerst ein Lied höre und dann davon inspiriert werde, eine Geschichte dazu zu schreiben. Doch das ist wieder ein neues Thema, über das ich bei Gelegenheit etwas ausführlicher bloggen werde.

 

Wie empfindet ihr solche Querverbindungen von Musik (und Film) zu und in Romanen? Mögt ihr es, wenn Liedtexte zitiert werden oder einfach eine große Rolle für die Romanfiguren spielen? Ich würde mich freuen, eure Meinung und Sichtweise dazu zu lesen. Wenn ihr mögt, hinterlasst also einfach einen Kommentar. :-)

 

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