Ich bin mein größter Fan!

Es ist schon so lange her, dass ich gar nicht mehr genau sagen kann, wann ich mir meine erste Geschichte ausgedacht habe. Vielleicht schon in der Grundschule, ganz sicher aber nicht viel später. Es muss in etwa um die Zeit herum gewesen sein, als ich anfing, viel zu lesen. Und mit viel meine ich RICHTIG VIEL. Marke Bücherwurm. Meine Bücherei hat es gefreut, dort war ich fortan Stammbesucherin. Den Geldbeutel meiner Eltern hat es vermutlich auch recht strapaziert.

Wenn man (oder frau oder kind) allerdings so außerordentlich viel liest, kommt auch irgendwann mal eine Grenze, eine Flaute, in der einfach kein passendes Buch mehr zu finden ist. Dann kann die Lösung sein, sich in andere Genres einzulesen, einfach mal einen Themenwechsel zu wagen.

Been there, done that.

Trotzdem gab es immer wieder Zeiten, zu denen es mir einfach nicht genügend Geschichten gab, die mir wirklich gut gefielen. Die ich gerne und vielleicht sogar immer wieder lesen wollte. Die exakt in mein Leseuniversum passten.

Das führte übrigens auch dazu, dass ich bei Büchern, die mir gehörten und die nicht so endeten, wie ich das gerne gehabt hätte, alternative Enden hinten hineingekritzelt habe. Ja, wirklich! Ein Happyend war nicht happy oder ausführlich genug? Ich habe die entsprechenden Zeilen einfach hinzugefügt. Irgendwas war mir nicht schlüssig? Ich habe die Auflösung dazugeschrieben. Bücher mit traurigem Ende? Okay, die habe ich meistens gleich in die Ecke gepfeffert und nie wieder mit dem A****, äh Popo, angesehen.

Ganz automatisch habe ich mich dann natürlich gefragt, warum denn die Autorinnen oder Autoren nicht mehr Bücher schreiben, die mir persönlich gefallen. Geschichten, die sich genau so entwickeln, wie ich mir das vorstellte und wünschte.

Ihr merkt, worauf ich hinaus will.

Der nächste Schritt war ganz natürlich. Ich fing an, mir entsprechende Stories selbst auszudenken. Schon mit zwölf, dreizehn, vierzehn habe ich leere Schulhefte handschriftlich mit Geschichten gefüllt. Ich erinnere mich besonders an eine Internatsserie (gemischtes Internat, ja ja), die von Hanni & Nanni, Dolly und so weiter inspiriert war, aber auch von meiner damaligen Begeisterung für Tanzfilme, die zu jener Zeit aktuelle Popmusik (früher 90er Jahre Dancefloor vor allen Dingen) und für amerikanische Fernsehserien. Ich weiß noch, dass die Kids in meiner Serie unter anderem eine eigene Tanzgruppe ins Leben gerufen haben. Und eine Liebesgeschichte gab es natürlich auch, zumindest eine sich anbahnende, zwischen der weiblichen Hauptfigur und dem amerikanischen Jungen, der neu ins Internat aufgenommen worden war … Vielleicht sollte ich unseren Dachboden mal nach dem Manuskript durchforsten.

Über die Jahre habe ich so einige kurze und etwas längere Geschichten verfasst, außerdem viel und regelmäßig Tagebuch geschrieben und sogar eine Kolumne in der Schülerzeitung erhalten. Während des Abiturs, meine derzeitige Lesevorliebe erstreckte sich auf alles, was sich um das späte Mittelalter drehte, hauptsächlich Sachbücher, begann ich dann, meinen ersten historischen Roman zu schreiben. Wie es dazu kam und was aus diesem Roman wurde, habe ich vor Jahren bereits in einem Blogartikel erzählt.

Auch bereits berichtet habe ich, wie es zu meiner ersten Romanveröffentlichung kam. Deshalb soll dies hier gar nicht das Thema sein, sondern schlicht und ergreifend, warum ich anfing, Bücher zu schreiben und wie es dazu kam, dass ich mein größter Fan wurde.

Einen Teil der Antwort wisst ihr nun: Es gab einfach nicht genügend Bücher, die genau meinen Lesegeschmack getroffen haben. Gibt es immer noch nicht, und das, obwohl ich viele sehr gute Autorinnen und Autoren kenne und schon unzählige wunderbare Romane gelesen habe.

Bücher von Petra Schier und Mila RothNeben der Ansicht Das kann ich auch und mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser!, die, wenn sie ehrlich sind, sicherlich sehr viele Kolleginnen und Kollegen antreibt, wollte und will ich mit meinen Geschichten immer schon vor allen Dingen eines: Meine eigene Lesevorlieben befriedigen. Ganz gleich, ob ich als Petra Schier historische Romane, Weihnachtsromane oder Liebesromane verfasse oder als Mila Roth Krimis oder Action-Thriller in Serie schreibe oder zukünftig vielleicht unter einem von beiden Namen (oder einem ganz anderen) noch weitere Genres für mich erobere – ich schreibe jedes Buch, jede einzelne Geschichte zuallererst für eine ganz bestimmte Person: für mich.

Wer mich kennt, weiß, dass ich grundsätzlich angehenden Autorinnen und Autoren rate, ihre Zielgruppe genau zu kennen oder zumindest zu versuchen, sie kennenzulernen. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die sind anderer Ansicht, aber wenn man oder frau Unterhaltungsliteratur schreibt, dann im Regelfall immer für eine Zielgruppe. Je besser man diese kennt, desto zielgerichteter kann man deren Ansprüche befriedigen.

Isso. Hab ich mir nicht ausgedacht. So funktioniert der Buchmarkt.

Aber.

Ja, genau, es gibt immer ein Aber. Auch das wisst ihr, wenn ihr mich kennt bzw. meinen Blog verfolgt.

Warum sollte ich selbst nicht Teil meiner Zielgruppe(n) sein? Oder gar ihre Anführerin? Ihr Prototyp?

Ich schreibe, wie ihr wisst, in vielen, sehr verschiedenen Genres, ganz einfach, weil ich mich nicht gerne festlegen lasse. Schon gar nicht auf eine Sorte Geschichten. Dazu sprudelt meine Phantasie viel zu überschäumend. Doch eines haben alle meine Geschichten gemeinsam: Ich habe sie geschrieben, weil sie mir gefallen. MIR! Es sind Romane (oder Kurzromane), die exakt so erzählt sind, wie ich es mir wünsche und vorstelle. Niemand redet mir da hinein, auch nicht die Verlage. Dort wird höchstens am Stil gefeilt, selten einmal eine Szene umgebaut oder verschoben (oder gar gestrichen). Darum geht es auch gar nicht. Ein Lektorat ist wichtig und unerlässlich, um aus einer guten Geschichte eine richtig, richtig gute, runde, stilistisch genießbare Geschichte zu machen, an der die (Leser-)Welt ihre Freude haben kann. Niemand jedoch schreibt mir vor, was ich wann und warum oder in welcher Form und mit welchen Figuren, Wendungen oder mit welchem Ende schreiben soll.

Meine Ideen, meine Figuren, meine Plots (zu Deutsch: Handlungsverläufe).

Alles meins. Anfang, Mittelteil und Schluss und alles drumherum, innen wie außen.

Der Verlag gibt dem Ganzen dann noch ein Gesicht (Cover), einen Klappentext, das Lektorat und eben alles, was ein Verlag so macht. Marketing, Werbung, Vertrieb und so weiter. Als Mila Roth übernehme ich diese Sparten sogar ebenfalls komplett selbst, weil alles, was bisher unter diesem Pseudonym von mir geschrieben wurde, verlagsunabhängig erscheint.

Zurück zur Zielgruppe und deren Prototyp.

Ich würde niemals eine Geschichte schreiben, die nicht aus mir selbst herauskommt, die nicht “ich” bin. Erkennen kann man das sicherlich an meinem Schreibstil, der, wenn er auch sprachlich jeweils ans Genre angepasst, so doch überall wiedererkennbar ist. Hoffe ich jedenfalls.

Ich schreibe all die Geschichten, die es da draußen noch nicht gibt. Jedenfalls nicht so, wie ich sie haben will. Deshalb kann ich auch nicht verstehen, wie jemand auf den Gedanken verfallen kann, sich bei anderen Autorinnen oder Autoren zu bedienen und deren Werke abzukupfern oder gleich ganz als die eigenen auszugeben. Okay, das ist ein anderes Thema und ein heißes Eisen, aber sehr wichtig, wenn man sich ansieht, warum SchriftstellerInnen SchriftstellerInnen sind. Ich bin es, weil ich nicht anders kann. Die Geschichten sind in mir und wollen, nein müssen erzählt werden. Auf meine Weise, in meinem Worten, mit meinem Herzblut.

Sicherlich kommt es immer wieder vor, dass sich zwei Bücher vom Thema her ähneln. Manche Kolleginnen und Kollegen werden von ihren Verlagen sogar gebeten, doch mal eine Geschichte zu schreiben, die genauso ist wie die von XY, weil die doch so erfolgreich war. Das ist mir noch nicht passiert, vielleicht, weil ich von Anfang an klargestellt habe, dass ich auf solche Züge oder Dampfer nicht aufzuspringen bereit bin.

Entweder meine Geschichten oder keine.

Und warum? Klar, weil ich mein allergrößter Fan bin. Und den allergrößten Fan will ich doch wohl nicht enttäuschen!

Tatsächlich kann ich in Abständen immer wieder meine eigenen Bücher aus dem Regal ziehen und mit Genuss lesen.

Klingt seltsam? Ich weiß doch schon, was drin vorkommt?

Ja, sicher, das weiß ich. Obwohl man, ehrlich gesagt, viele kleine Details mit der Zeit vergisst und dann tatsächlich wiederentdecken kann, auch in den ureigenen Geschichten. Das Wichtigste jedoch ist, dass ich mich in meinen Büchern samt und sonders wohl und geborgen fühle. Sie sind mein persönliches Leseuniversum, ähnlich dem, das alle meine übrigen LieblingsautorInnen für mich erschaffen. Nur dass meine eingene Bücher mir und meinem Herzen noch viel näher stehen, fast so wie eigene Kinder. Sie sind meine von mir selbst geschaffenen Parallelwelten, die voll und ganz meinen Vorlieben und Erwartungen entsprechen. Wer meine Bücher alle kennt, wird deshalb auch ganz genau wissen, was das für Vorlieben und Erwartungen sind. Wer mir also mal ein Buch schenken möchte, kann sich genau daran orientieren. ;-)

Ich bin mein größter Fan.

Ich bin mein größter Fan!Das klingt vielleicht sogar für die einen ein wenig arrogant, ist aber überhaupt nicht so gemeint. Es bedeutet nur, dass ich die erste und einzige Person bin, die wirklich einhundertfünfzigprozentig glücklich mit dem sein muss, was ich schreibe, ganz gleich, um was für eine Story es sich handelt. Denn seien wir mal ehrlich, selbst wenn man eine Zielgruppe gut kennt, kann es trotzdem sein, dass es darin einige Leserinnen und Leser gibt, die mit einer Geschichte trotzdem nichts anfangen können. Und wenn man mit diversen Genres ebenso viele Zielgruppen bedient, die sich manchmal überschneiden, manchmal aber auch nicht, wird die Wahrscheinlichkeit, dass nicht jedem jedes Buch gefallen kann, noch viel größer. Das ist vollkommen normal, denn Geschmäcker sind nun einmal verschieden und darüber lässt sich auch nicht streiten. Ich kann damit leben, wenn mir jemand sagt, dass ihr oder ihm dieses oder jenes Buch aus meiner Feder mehr, das andere weniger oder gar nicht gefallen hat.

 

Womit ich nicht leben könnte, wäre, wenn mein größter Fan – ich – mir eines Tages sagen müsste, dass mir eine meiner Geschichten so gar nicht gefällt. Dass sie mich enttäuscht. Dass darin nicht “ich” bin.

 

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