Derzeit komme ich kaum richtig zum Bloggen, wie ihr sicher bereits bemerkt habt. Hauptsächlich die Montagsfotos poste ich regelmäßig. Damit ihr aber auch noch andere Inhalte zu lesen bekommt, habe ich euch heute noch mal einen Textschnipsel aus dem kommenden Weihnachtsroman Plätzchen gesucht – Liebe gefunden herausgesucht. Diesmal ohne Naila, dafür aber mit Ricarda, von der sich ja so viele von euch gewünscht hatten, dass ich ihre Geschichte erzähle. Viel Spaß!

3. Kapitel

»Wir sollten diese Fotosession hinter uns bringen, solange das Wetter noch so schön ist.« Laura Sternbach legte die Tasche mit ihrer Fotoausrüstung auf einem der niedrigen Tische in der Lounge des Sternbach Wellnessresorts ab und strich sich ihr welliges rotes Haar hinters Ohr. »Diese Mischung aus Hochnebel und diesiger Sonne, die versucht, sich ihren Weg zu bahnen, wird fantastisches Licht liefern. Herbststimmung pur.«

»Ja, und frostig kalt.« Angelique, Lauras Schwägerin und beste Freundin, schüttelte sich, lachte dabei jedoch. Mit einer Hand zog sie das silberne Haargummi aus ihren langen rabenschwarzen Locken und fasste sie neu zusammen. »Da wünsche ich euch viel Vergnügen beim Bibbern. Ich würde ja mitkommen, aber ich muss gleich wieder zurück an meinen Arbeitsplatz. Patrick hat noch eine knappe Stunde Bürozeit, bevor er wieder rüber zur Baustelle fährt, und bis dahin muss ich unseren Sohnemann wieder übernommen haben.« Sie schielte auf die Uhr. »Mit ein bisschen Glück macht Jakob jetzt sein Vormittags-Nickerchen, aber darauf schwören würde ich nicht. Er findet es immer ganz toll, wenn Papa auf ihn aufpasst. Nur dass Patrick dann immer nur die Hälfte schafft, weil er sich natürlich immer wieder ablenken lässt.«

»Kannst du es ihm verdenken?« Julia lächelte und streichelte dabei gedankenverloren über ihren kleinen Babybauch. »Jakob ist so was von schnucklig! Ich weiß gar nicht, wie ihr beide überhaupt noch irgendeine Arbeit fertigbekommt, wenn er ständig bei euch ist. Ich würde ihn ohne Unterbrechung knutschen.«

Angelique lachte. »Er ist schon ein kleiner Charmeur, da hast du recht, aber man gewöhnt sich auch daran. Außerdem darf man ihm nicht alles durchgehen lassen, sonst glaubt er am Ende, die Welt würde sich nur um ihn drehen.« Grinsend drehte sie ihr Zopfende um den Finger. »Okay, ich gebe es zu, mir fällt es auch schwer, mich in seiner Gegenwart zu konzentrieren, aber eine muss es ja tun, sonst läuft der Laden nicht so, wie er soll.«

»Patrick hat wirklich Glück, dass du so ein Organisationstalent bist.«

Angelique grinste breit »Ja, und dass ich das Zepter fest in der Hand habe. Daran wird sich Jakob auch tunlichst gewöhnen müssen.«

»Stimmt.« Laura kicherte. »Und an dein gefährliches Temperament.«

»Aber hallo! Das hat er schon mit der Muttermilch aufgesaugt. Sag mal, wo bleibt denn Ricarda? Ich dachte, ihr wolltet zusammen rüber zum Campingplatz, um die Fotos für den Hotelblog zu schießen.«

»Keine Ahnung.« Suchend blickte Laura sich um und dann auf ihre Armbanduhr. »Sie wollte längst hier sein. Vielleicht … Ach, da kommt sie ja!« Sie deutete in Richtung der Aufzüge. Aus dem linken trat gerade Ricarda Sternbach, die Zwillingsschwester von Angeliques Mann Patrick, und eilte auf ihre beiden Schwägerinnen zu. Sie trug Bluejeans, einen cremefarbenen Wollpullover mit modischem Stehkragen und feste, mit Plüsch gefütterte Wanderschuhe. Im Arm hielt sie einen dunkelblauen Steppkurzmantel und einen weißblauen Schal. Ihr brünettes, etwas mehr als schulterlanges, glattes Haar hatte sie mit zwei einfachen Kämmchen an den Schläfen zurückgenommen. »Entschuldige bitte, Laura.« Als sie die beiden Frauen erreichte, nahm sie ihre modische, dunkel gerahmte Brille ab und hielt sie prüfend gegen das Licht, dann setzte sie sie wieder auf. »Ich bin aufgehalten worden. Die Frau vom Finanzamt wollte unbedingt noch ein Schwätzchen am Telefon halten, weil wir bei der letzten Prüfung unserer Bücher so gut miteinander ausgekommen sind. Jetzt kenne ich, glaube ich, die Namen all ihrer Kinder, Nichten, Neffen, Nachbarn und was weiß ich noch.« Amüsiert verdrehte sie die Augen. »Und dann musste ich mich natürlich noch schnell umziehen. In Bluse und Stoffhose hätte ich bestimmt fürchterlich gefroren.«

»Das ist gut möglich.« Laura lächelte ihr zu und zupfte an ihrem eigenen dunkelbraunen Wollpulli herum. »Die Gelegenheit ist aber heute einfach zu günstig mit dem Wetter. Gut, dass du Sachen zum Wechseln hier hattest.«

»Ich bin gerne auf alles vorbereitet.« Ricarda legte den Schal neben Lauras Tasche auf den Tisch und schüttelte kurz den Mantel aus. »Man kann schließlich nie wissen, was über den Tag hinweg alles …« Als ihr Blick auf den Eingangsbereich mit der großen gläsernen Automatikschiebetür fiel, brach sie abrupt ab.

Laura folgte ihrem Blick. »Ricarda? Stimmt etwas …?« Erschrocken zuckte sie zusammen, als Ricarda ein wildes Kreischen ausstieß, die Jacke fallen ließ und quer durch das Foyer rannte. »Was ist denn jetzt los?« Verblüfft beobachtete sie, wie Ricarda auf einen hochgewachsenen Mann im grauen Businessanzug und passendem Cashmere-Mantel zustürmte. Er sah gut aus mit seinem blonden, leicht unordentlich wirkenden Haar und dem sehr kurz geschorenen Kinn- und Oberlippenbart. Irgendwie kam er Laura bekannt vor.

Ricarda kreischte noch einmal und sprang dem Mann geradewegs in die Arme, schlang ihre Beine um seine Hüften und ließ sich von ihm einmal im Kreis drehen. Der Anblick verblüffte Laura derart, dass sie hustete. »Was ist das denn?«

Angelique kräuselte die Lippen. »Nicht was, sondern wer. Ich glaube, das ist Frank. Du weißt schon …«

»Patricks Trauzeuge!« Laura stieß einen leisen Pfiff aus. »Haben die beiden sich auf eurer Hochzeit auch so begrüßt?« »Weiß ich nicht, ich war nicht dabei.« Angelique tippte sich gegen die Unterlippe. »Aber wow, so habe ich unsere Queen der eisigen Schulter noch nie gesehen, das steht fest.«

Liebe, Glück und Weihnachtsplätzchen

Nach langer Zeit im Ausland kehrt Frank in seinen Heimatort zurück, um die Kanzlei seiner Eltern zu übernehmen und sich um die junge Pudeldame Naila zu kümmern. Am meisten freut er sich allerdings auf Ricarda, seine beste Freundin aus Kindheitstagen, das Mädchen, in das er unsterblich verliebt war. Jahrelang hat er versucht, seine Gefühle für sie zu vergessen, doch als er ihr jetzt gegenübersteht, wird ihm klar, dass sie noch immer so stark sind wie damals. Aber Frank weiß auch, dass es nicht leicht sein wird, Ricarda zu überzeugen, dass Liebe nicht das Ende ihrer Freundschaft bedeuten muss.

Plätzchen gesucht, Liebe gefunden

Petra Schier

HarperCollins, Taschenbuch
12,5 x 18,7 cm, ca. 400 Seiten
Erscheint am am 21.09.2021
ISBN 978-3749901-53-1
11,00 € / eBook  8,99 €

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