Oder: Warum ich ein Serienjunkie bin

Seid ihr schon mal in eine ganz neue Stadt, Region oder gar ein fremdes Land gezogen? Habt vollkommen neu angefangen? Kanntet dort niemanden oder vielleicht höchstens eine oder zwei Leute. Vielleicht ein Familienmitglied, einen Freund, eine Bekannte oder einen Arbeitskollegen? Oder eben gar keine Menschenseele.

Wohl oder übel habt ihr euch Schritt für Schritt mit eurer neuen Umgebung bekanntgemacht, erste Bekanntschaften geschlossen, von denen einige oberflächlich blieben und andere sich allmählich zu Freundschaften entwickelten. Auch die Örtlichkeiten wurden euch langsam aber sicher immer vertrauter. Ihr fandet vielleicht Stellen, die euch besonders gut gefallen. Ein Restaurant vielleicht, ein Wanderweg mit schöner Aussicht, ein Museum oder eine Ruhebank inmitten der belebten Einkaufspassage.

Allmählich fühltet ihr euch nicht mehr fremd, sondern habt dazugehört. Irgendwie. Die Nachbarin hält jetzt gerne ein Schwätzchen mit euch, die Bäckersfrau packt euch schon mal ein kostenloses Extrabrötchen in die Tüte, auf der Straße werdet ihr gegrüßt, in eurem Lieblingscafé mit Vornamen angeredet. Ihr seid angekommen. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem ihr diesen ursprünglich so fremden, neuen Ort nicht mehr missen und noch viel weniger jemals wieder verlassen wollt. Er ist euer Zuhause geworden.

Foto Regentropfen

Zuhause ist, wo das Herz wohnt. Bei jedem Wetter …

Wer das so oder so ähnlich schon mal erlebt hat, weiß, warum ich so gerne Trilogien, Reihen und Serien schreibe. Denn mit ihnen ist es im Grunde genauso wie im wahren Leben.

Beginne ich einen Roman, von dem ich weiß, dass er das Potenzial für weitere Bände (ob nun Serie oder Reihe ist mal nebensächlich) besitzt, dann betrete ich auch erst einmal komplettes Neuland. Ich komme in einen mehr oder weniger unbekannten Ort (manchmal sogar eine andere Zeit). Da muss ich mich erst mal orientieren und zurechtfinden. Was ist wo zu finden und wie komme ich da hin? Wie sehen die Häuser, die Straßen und Plätze, die gesamte Umgebung und die Natur aus? All diese Dinge formen sich nach und nach, wie ein Mosaik, zu einem Bild zusammen.

Ebenso ist es mit den Figuren. Selbst wenn ich noch so gut geplottet, noch so viele Stunden an den Charakteren gefeilt habe, sind mir all diese Personen zunächst einmal fremd. Ich begegne ihnen zum ersten Mal, wenn ich die ersten Worte über sie schreibe. Wie im wahren Leben kann der erste Eindruck der richtige sein oder auch nicht. Überraschungen gibt es grundsätzlich immer. Je häufiger sie auftreten, desto lebendiger werden die Figuren. Sie übernehmen die Regie. Darüber habe ich in anderen Artikeln schon einiges geschrieben.

Ich lerne meine Figuren also nach und nach kennen, ihre Eigenarten, ihre Ecken und Kanten, ihre Vorlieben und Abneigungen. Ihren Humor. Ihre Freizeitgewohnheiten und ihr Lieblingsessen. Einfach alles. Manche von ihnen sind wirklich sympathisch, sogar der eine oder andere Bösewicht hat es mir durchaus angetan. Andere sind ziemlich nervig oder sogar die sprichwörtlichen Kotzbrocken. Wie im echten Leben eben.

Die überwiegende Zahl dieser Figuren, vor allem, wenn es sich um Hauptfiguren handelt, aber auch ganz viele interessante Nebenakteure, werden zu meinen Freunden. Und das meine ich jetzt wörtlich. Freunde. Wie die aus Fleisch und Blut. Ich bin gerne mit ihnen zusammen, nehme an ihrem Leben teil, freue mich jedesmal, wenn ich zu ihnen ins Haus komme, sie begleite, ihre Abenteuer und Erlebnisse schildere.

Und so, nach und nach, entwickelt sich ein neues Zuhause, ein literarisches Zuhause. Eine eigene kleine Welt, in der ich mich wohlfühle und über die ich gerne immer wieder aufs Neue schreibe.

Häufig lese ich in Rezensionen zu meinen Büchern, dass die Leserinnen und Leser sich schon auf den ersten Seiten fühlen, als würden sie “nach Hause kommen”, “alte Freunde besuchen”. Deshalb möchten sie zum Beispiel, dass die Reihe um Adelina unbedingt weitergeht, dass Janna und Markus noch möglichst lange miteinander Fälle lösen (und so einiges mehr), dass es vielleicht doch noch eine Geschichte zu Palmiro (aus Die Bastardtochter) gibt, um die lieb gewonnenen Figuren aus der Kreuz-Trilogie noch einmal zu treffen und zu sehen, wie es ihnen ergangen ist. Deshalb kommen auch so viele Leserinnen und Leser jedes Jahr zuverlässig zu Weihnachten “nach Hause” in jene kleine, namentlich nicht genannte Stadt im Rheinland, in der Santa Claus und seine Elfen mit Hilfe von vierbeinigen Freunden so manches Paar auf den Pfad der Liebe führen.

Dieses Jahr gibt es ein weiteres solches neues Zuhause. Für euch. Für mich.
Foto Parkbank an der Nordsee

Solche romantische Fleckchen findet man in Lichterhaven ganz oft.

Lichterhaven heißt die fiktive kleine Touristenstadt an der Nordseeküste. Anfangs fühlte ich mich auch hier wie nach einem Umzug in einen fremden Ort. Etwas seltsam, teilweise sogar unwohl. Würde ich mich hier wohlfühlen? Neue Freunde finden? Glücklich werden?

Die Antwort lautet ganz eindeutig: Ja!

Es hat ein bisschen gedauert, vor allem ganz zu Anfang, bis ich mit der neuen Umgebung und den Menschen warm geworden bin. Das ist ganz normal, würde ich sagen. Selbst, wenn man relativ leicht neue Bekanntschaften schließt, braucht es doch meist eine Weile, bis man sich wirklich heimisch fühlt. Auf halber Strecke des Manuskripts wurde es allmählich leichter und als ich das letzte Wort geschrieben hatte, war ich fast ein bisschen traurig, Lichterhaven und seine Einwohner verlassen zu müssen. Glücklicherweise ist es nur ein Abschied auf (kurze) Zeit. Schon beim Schreiben dieser ersten Geschichte sind mir so viele Ideen für weitere gekommen, dass ich auf Jahre hinaus beschäftigt sein werde. Natürlich nur, wenn auch ihr euch in Lichterhaven wie zuhause fühlen werdet. Ich hoffe es sehr, denn es ist eine wirklich entzückende kleine Stadt mit ganz vielen romantischen Ecken, netten Nachbarn und auch einigen kauzigen Zeitgenossen.

Bald schon kommt dann noch eine weitere literarisches Heimat hinzu, dann sogar wieder eine historische. Für alle, die sich Sorgen machen, dass sie Adelina ganz schrecklich vermissen werden. Auch da bin ich schon sehr gespannt, wie mir die neue Welt, das (Achtung: Neudeutsch) Setting gelingen wird. Ob ich mich heimisch fühlen werde. Ich gehe mal davon aus, dass es so sein wird. Es war ja bisher auch immer so.

Zwischendurch kann ich auch immer wieder Abstecher und Zwischenstopps in einer meiner anderen Serien machen. Ob Spionin wider Willen oder Codename E.L.I.A.S. 

Foto Los Angeles

Los Angeles ist meine erste literarische Heimat in Übersee. Auch hier habe ich bereits Freunde gefunden.

Überall treffe ich liebe Bekannte und gute Freunde wieder. Überall fühle ich mich wie daheim.

Zuhause bei Freunden.

Deshalb bin ich ein Serienjunkie. Und ihr? Auch?

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