Wisst ihr, was mir gerade aufgefallen ist? Ihr kennt Schoki noch gar nicht. Dabei hat sie doch einen so wunderbar prominenten Platz auf dem Buchcover! Für den neuen Textschnipsel habe ich mir deshalb eine Szene ausgesucht, die mit der süßen Labradorhündin beginnt und in der ihr sie dann auch zusammen mit Melanie erleben dürft. Na ja, und ein bisschen weiter geht das Ganze dann auch noch. Ein paar bereits bekannte Gesichter aus Alexanders Familie werdet ihr auch treffen.

Diesmal ist das Ganze schon lektoriert, aber noch nicht fahnenkorrigiert.

Viel Spaß bei diesem Textschnipsel aus dem 7. Kapitel!

Stöhnend reckte Melanie sich ein wenig im Autositz, bevor sie ausstieg und den Kofferraum öffnete, um ihre Einkäufe herauszuheben. Zumindest gab es am Südrand von Lichterhaven ein ganz ordentliches Gewerbegebiet, in dem auch ein großer Supermarkt und mehrere Discounter angesiedelt waren. So hatte sie problemlos ihre Einkäufe für die nächsten Tage erledigen können. Inzwischen ging es bereits auf halb sieben zu und in ihrem Hinterkopf trieb sich Christinas Stimme herum, die sie drängte, an dem Grillfest ihrer Familie teilzunehmen. Aber das würde sie nicht tun. Sie war viel zu erschöpft, redete sie sich ein. Ihre Kräfte würden gerade noch reichen, um die Lebensmittel ins Haus und die Speisekammer, oder den Kühlschrank zu verfrachten. Danach würde sie sich ein heißes Bad gönnen und sich mit einem Buch auf der Couch zusammenrollen.
Hallo Mel, schön, dass du endlich hier bist. Ich warte schon ganz schrecklich lange auf dich. Jedenfalls hat es sich ganz lange angefühlt, aber jetzt bist du ja da. Was hast du denn da mitgebracht? In den Körben riecht es sehr lecker. Hm, frisches Brot und Wurst und irgendwas mit … Schokolade!
„Ach du liebe Zeit!“ Erschrocken wich Melanie zurück, als Schoki von der Haustür aus auf sie zu gerannt kam und sie überschwänglich begrüßte. „Was machst du denn hier? Christina?“ Suchend sah sie sich um, konnte aber niemanden entdecken.
Chris ist nicht hier. Ich bin alleine gekommen, um dich zu besuchen. Freust du dich?
Aufgeregt sprang Schoki um Melanie herum und wedelte wie verrückt mit dem Schwanz.
„Bist du etwa allein hergekommen?“
Sieht man doch.
„Was willst du denn hier?“
Na, dich sehen, was sonst? So schwer ist das doch nicht zu verstehen. Ich wohne hier. Oder habe hier gewohnt. Darf ich wieder hier einziehen?
Ratlos blickte Melanie auf die Hündin hinab. „Bist du Christina ausgebüxt?“
So was in der Art, ja. Wenn man es genau nimmt.
„O Mann, was mache ich denn jetzt?“
Wie wäre es, wenn du mir eins von diesen süßen Brötchen geben würdest? Oder ein Stück Schokolade. Oder von der Wurst, da sage ich auch nicht nein.
„He he, das ist nicht für dich!“ Erschrocken hob Melanie den Korb mit der Wurst und dem Brot etwas höher, als Schoki vorwitzig versuchte mit der Schnauze hineinzukommen.
Bist du sicher? Da ist doch so viel, das reicht auch für uns beide.
„Ich rufe jetzt Christina an und sage ihr, dass sie dich abholen soll.“ Eilig trug Melanie ihre Einkäufe in die Küche und stellte sie sicherheitshalber auf dem Tisch ab um Schoki nicht erst in Versuchung zu bringen. Dann zog sie ihr Handy aus der Tasche. Mist, sie hatte gar nicht Christinas Nummer. Also schnappte sie sich ihr Tablet und suchte im Online-Telefonbuch nach dem entsprechenden Eintrag. Sie fand die Nummer der Hundeschule, jedoch keinen Eintrag einer privaten Nummer.
Unter der Geschäftsnummer meldete sich nur der Anrufbeantworter. Melanie sprach eine kurze Nachricht darauf, vermutete aber, dass Christina längst auf der Suche nach Schoki war. Falls sie schon bemerkt hatte, dass die Hündin ausgerissen war. Während sie überlegte, was sie jetzt am besten tun sollte, packte sie rasch ihre Einkäufe aus und verteilte sie auf Kühl- und Vorratsschrank.
Vielleicht war es am besten, wenn sie Schoki zur Hundeschule brachte. Vielleicht war dort jemand, der sie in Empfang nehmen konnte. Oder sie hatte Glück und traf dort oder unterwegs auf Christina. Aber wie sollte sie es anstellen, dass die Hündin mit ihr kam? Ob sie ihr gehorchen würde?
„Hör mal, Schoki …“
Ja, Mel? Sollen wir spielen?
„Oh, nein, bitte nicht anspringen!“ Hastig wehrte sie die Hündin ab, die mit freundlichem Bellen um sie herumhüpfte. Zumindest hoffte sie, dass das Gebell friedfertig war. Es hörte sich nicht bösartig an. „Du musst zurück nach Hause.“
Ich wäre gerne wieder hier zu Hause.
„Ähm, kommst du mit mir mit, wenn ich rüber zum Auto gehe?“
Was meinst du denn? Soll ich mitkommen? Gerne! Oh, fahren wir Auto? Das mag ich.
Kaum hatte Melanie die Tür geöffnet und den Fahrersitz nach vorne geklappt, als Schoki auch schon mit einem Satz auf die Rückbank sprang. Sie atmete auf und warf rasch die Autotür zu. Dann ging sie noch einmal zurück ins Haus und schnappte sich ihr Handy, das sie beinahe vergessen hätte. Sie schloss die Tür ab und setzte sich hinter das Steuer ihres Wagens. Sofort erschien über ihrer rechten Schulter Schokis Kopf. Die kalte Nase der Hündin streifte ihr Ohr, dann spürte sie eine nasse Zunge an ihrer Schläfe.
„Igitt, stopp, aufhören! Komm ja nicht auf die Idee, über den Sitz nach vorne zu klettern. Und gewaschen hatte ich mich eigentlich schon.“
Ich wollte dir nur mal ein Küsschen geben. Christina findet das immer ganz toll.
Da Schoki offenbar nicht vorhatte, durch das Auto zu toben, startete Melanie den Motor und fuhr langsam an. Sie wusste nicht genau, wo die Hundeschule sich befand, doch Alex hatte ihr den Weg vergangenes Wochenende beschrieben, also versuchte sie ihr Glück in der Richtung, in der sie sie vermutete. Schwierig war es tatsächlich nicht, das Gelände zu finden. Das Gebäude, in dem sich neben dem Büro wohl auch Seminarräume befanden, war jedoch abgeschlossen. Anscheinend war Christina schon aufgebrochen, um Schoki zu suchen. Fragte sich nur, wohin sie gegangen oder gefahren sein könnte.
Melanie entschied, dass sie den Hund am besten zu Christinas Eltern brachte. Die hatten sicher auch eine Handynummer, unter der ihre Tochter erreichbar war. Vielleicht begegnete sie ihr auch auf dem Weg dorthin. Also gab Melanie rasch die Adresse in ihr Navigationsgerät ein und fuhr die kurze Strecke durch den Ort bis zur Waldstraße. Als sie in den Weg einbog, der zum Haus der Familie Messner führte, entdeckte sie Christina, die heftig gestikulierend mit einer älteren Frau sprach, die dem Aussehen nach nur ihre Mutter sein konnte. Zumindest sahen sich die beiden Frauen von den Gesichtszügen her sehr ähnlich.
Als Schoki Christina sah, bellte sie und sprang aufgeregt auf der Rückbank hin und her.
Da ist ja Chris! Darf ich raus und sie begrüßen?
Melanie bremste vorsichtig und fuhr rechts an den Straßenrand. Dann stieg sie rasch aus und ließ die Hündin aus dem Auto, bevor sie noch etwas kaputtmachte. Mit Freudengebell raste Schoki auf Christina zu, die ihr überrascht entgegenblickte und sie dann sichtlich erleichtert in Empfang nahm und streichelte. Als Melanie näherkam, richtete sie sich wieder auf. „Mel! Mensch, das hätte ich mir ja denken können, dass Schoki zu dir läuft. Oder hast du sie irgendwo aufgelesen?“
„Nein, sie stand vor meiner Tür, als ich vorhin vom Einkaufen kam.“
„Klar, sie hält das Haus immer noch für ihr Revier. Ich war total erschrocken, als sie plötzlich verschwunden war.“ Kopfschüttelnd blickte Christina auf den Hund hinab. „Du bist mir vielleicht eine!“
Was denn? Ich war doch nur mal kurz bei Mel zu Besuch.
„Ich dachte erst, dass sie runter an den Strand gelaufen ist. Sie liebt nämlich den Hundestrand und das Wasser. Sybilla hat sie da immer laufen und spielen lassen. Als ich sie dort nicht gefunden habe, bin ich hierhergekommen. Schoki weiß, dass Zora und Benni hier wohnen und es hätte auch sein können, dass sie die beiden sucht. Aber auf das Offensichtliche bin ich nicht gekommen.“ Lachend schlug sie sich gegen die Stirn. „Dabei war es so naheliegend.“
„Sie sind also Melanie Brenner? Freut mich.“ Christinas Mutter war nähergekommen und streckte Melanie die rechte Hand entgegen. „Erinnern Sie sich noch an mich? Ich bin Christinas Mutter.“
„Ja, ganz dunkel. Freut mich, Frau Messner.“ Melanie schüttelte kurz ihre Hand.
„Nennen Sie mich bitte Anke, das tun alle. Wir sind hier nicht so förmlich. Danke, dass Sie Schoki hergebracht haben. Mein armes Mädchen war schon ganz außer sich.“ Liebevoll legte Anke ihrer Tochter einen Arm um die Hüfte und drückte sie an sich. „Dabei kennt jeder hier im Ort Schoki und hätte sie schon wieder sicher zurückgebracht.“
„Nicht jeder, Mama!“
„Na, wie auch immer, es ist ja noch mal gutgegangen. Und nun kommen Sie, Melanie. Die Männer haben den Grill bereits angeschmissen und bis auf Onkel Bernd und Tante Therese sind schon alle da.“
„Die beiden sind doch immer zu spät.“ Christina grinste.
Melanie wehrte rasch ab. „Nein, nein, ich wollte nur den Hund zurückbringen. Ich fahre gleich wieder …“
„Aber nicht doch! Christina hat mir schon erzählt, dass sie Sie eingeladen hat. Ich finde die Idee ganz toll. So kriegen Sie gleich ein bisschen Familienanschluss und fühlen sich nicht so einsam hier in Lichterhaven.“
„Aber …“
„Komm schon, alle sind bereits ganz wild darauf, dich kennenzulernen, Mel.“
Auch das noch. Melanie stöhnte innerlich auf, doch Christina hatte sich bereits bei ihr untergehakt und zog sie einfach mit sich auf ihr Elternhaus zu. Sie betraten es allerdings nicht, sondern gingen rechts auf einem Natursteinweg bis hinter das Haus, wo sich ein großer Garten mit Blumen- und Gemüsebeeten rund um eine fast quadratische Rasenfläche befand. Tische und Bänke waren aufgebaut worden und einige davon bereits besetzt. Doch die meisten Gäste, es schienen fast dreißig Personen zu sein, standen oder liefen noch herum. Einige Frauen waren dabei, Besteck und Servietten auf den Tischen zu verteilen. An dem großen Holzkohlegrill standen mehrere hochgewachsene Männer verschiedenen Alters. Einer von ihnen war Alex, heute in lässigen Bluejeans, dunkelgrauen Sneakers und einem schwarzen T-Shirt, das keinen Zweifel über seinen muskulösen Oberkörper aufkommen ließ. Er trug eine graue Schürze mit dem leuchtendroten Aufdruck Hohepriester des Grills. Das hätte lächerlich wirken können, war aber im Gegenteil so sexy, dass Melanie rasch wegschaute, bevor er auf sie aufmerksam wurde.
Kinder und Teenager wuselten lachend und kreischend umher und lieferten sich eine Schlacht mit furchteinflößend aussehenden Wasserpistolen. Dazwischen sprangen und rannten mehrere Hunde umher: ein Dackel, Benni und Zora, die beiden Golden Retriever, ein Schäferhund und eine struppige kniehohe Promenadenmischung. Schoki stürzte sich mit begeistertem Gebell in die Menge.
Wau, toll, alle meine Freunde sind hier. Lasst uns spielen!
Melanie nahm alles etwas atemlos in sich auf. Die einzigen Festlichkeiten, die sie pflichtgemäß alljährlich aufsuchte, waren die Betriebsfeiern bei Brungsdahl, und da ging es weit förmlicher zu als hier. Sie war noch nie ein Partytier gewesen und fühlte sich sofort fehl am Platz.
Christina schien das entweder nicht zu bemerken oder einfach zu ignorieren. Sie ergriff Melanies Hand und zog sie einfach mit sich. „Komm, du musst meinen Vater kennenlernen und den Rest der Familie. Ach, und da sind ja auch Tante Therese und Onkel Bernd. Vor Therese musst du dich in Acht nehmen. Sie wird dir das Ohr abkauen wegen ihrer Häkelarbeiten und dich beknien, sie im Laden zu verkaufen. Aber im Vertrauen: Sybilla hatte gute Gründe, sich immer wieder neue Ausreden einfallen zu lassen.“ Sie zwinkerte Melanie vielsagend zu.
Schon waren sie beim Grill angekommen, dem Ort, den Melanie eigentlich hatte meiden wollen. Christina umarmte einen grauhaarigen Mann mit Brille, der ebenso hochgewachsen und breitschultrig wie Alex war. So wie Christina ihrer Mutter, war Alex seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. „Hallo Papa, habt ihr schon ein paar Steaks zu Steinkohle verbrannt?“
Arno Messner lachte und drückte seine Tochter an sich. „Warum schmiert mir das nur jeder immer wieder aufs Brot? Das ist nur ein einziges Mal passiert – vor fünf Jahren.“
„Vor sechs.“ Christina wandte sich Melanie zu. „Papa, das ist Melanie Brenner, Sybillas Großnichte. Melanie, an meinen Vater erinnerst du dich vielleicht auch noch.“
„Nicht wirklich.“ Melanie schüttelte die große Hand des noch immer attraktiven Mannes. „Ich bin Ihnen nicht sehr oft begegnet, oder?“
„Nein, damals habe ich viel Zeit in der Kanzlei verbracht. Nett, Sie kennenzulernen. Möchten Sie lieber ein Steak oder ein Würstchen? Oder gehören Sie etwa zur Fischfraktion?“
„Ich weiß nicht.“ Sollte sie zugeben, dass sie zuletzt während ihrer Schulzeit an einem Grillfest teilgenommen hatte?

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Über Fragen, Kommentare, Anregungen usw. würde ich mich wie immer sehr freuen.

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Erscheint am 10. Juni 2016

Eis, Sandburgen, Wattwanderungen – Melanie verbindet nur die schönsten Erinnerungen mit den Nordseeferien bei ihrer Tante. Trotzdem ist sie überrascht, dass diese ihr nach ihrem Tod ihren gesamten Besitz vermacht. Dazu gehören nicht nur das Haus und die Kunsthandlung, sondern auch der quirlige Welpe Schoki. Nun muss Melanie sich entscheiden: Will sie wirklich ihr vertrautes Leben zurücklassen, um für immer in diesem Küstennest leben? Einen Sommer will sie sich Zeit nehmen, diese Entscheidung zu treffen. Doch dabei haben der gut aussehende Nachlassverwalter Alex und das vierbeinige Temperamentsbündel auch ein Wörtchen mitzureden …

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