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Es ist schon einige Monate her, dass ich in meiner Facebook-Gruppe Spionin wider Willen Fangeplauder und Leserunden mit Mila Roth/Petra Schier um Fragen gebeten habe, die die Leserinnen und Leser den beiden Hauptfiguren der Serie stellen durften. Janna Berg habe ich recht schnell zu einem vorweihnachtlichen Interview auf meine Couch einladen können, doch Markus Neumann, typisch Geheimagent, hat sich recht lange geziert. Natürlich war er auch ständig sehr beschäftigt, sodass ich ihn erst heute überreden konnte, sich der „Inquisition“ zu stellen.

 

Achtung: Dieses Interview enthält Spoiler zur 1. Staffel!

 

Petra Schier: Guten Abend, Markus. Ich darf doch hoffentlich Markus und du sagen? So redet es sich viel leichter.

Markus Neumann: Ja, klar, warum nicht? Danke für deine Einladung. (sieht sich eingehend in meinem Wohnzimmer um) Ein bisschen karg eingerichtet seid ihr hier.

PS: (ich lache) Ja, nun, da du dir mit deiner Zusage für das Interview so viel Zeit gelassen hast, blieb mir nichts anderes übrig, als dich mitten in unseren Renovierungsarbeiten hierher einzuladen. Deshalb fehlen momentan neben den Tapeten an den Wänden auch fast alle Möbel. Ich hoffe, das stört dicht nicht.

MN: Nö, gar nicht. Zumindest gibt es auf diese Weise auch keine Möglichkeit, irgendwo ein Abhörgerät zu verstecken. (grinst)

PS: So etwas würde ich niemals tun! Oder fürchtest du etwa, jemand hätte dich bis hierher verfolgt, um dich zu belauschen?

MN: Möglich ist alles, aber vermutlich bin ich nur ein bisschen paranoid. Berufskrankheit, du weißt schon.

PS: Bisher kamst du mir gar nicht so überbesorgt vor, sondern ganz relaxt.

 

Miles Davis

 

MN: Wie gesagt, so was kommt mit dem Beruf … Aber sag mal, hast du die Musik extra für mich aufgelegt?

PS: Miles Davis. Soweit ich mich erinnere, magst du seine Musik besonders gern.

MN: Stimmt. (reibt sich übers Kinn, dann grinst er wieder) Ist schon irgendwie unheimlich, dass mich jemand so gut kennt.

PS: (zwinkere ihm zu) Immerhin habe ich dich erfunden, da werde ich wohl auch über deine Musikvorlieben Bescheid wissen. Möchtest du eigentlich etwas trinken? Ich habe Bier, Radler, beides alkoholfrei, Cola, Limo, Wasser …

MN: Ein Radler 0,0 nehme ich gerne, wenn es schön kalt ist.

PS: Direkt aus dem Kühlschrank!

MN: Danke dir. (nimmt die Stubbi-Flasche und öffnet sie mit dem Öffner auf dem Couchtisch, während ich mir ein Glas Wasser einschenke)

 

Ich sehe nicht ein, was mein Innenleben andere Leute angeht.

 

PS: Ich sehe dir an, dass dir nicht ganz wohl zumute ist. Hat Walter dir arg zugesetzt, bis du zu diesem Interview bereit warst?

MN: Ziemlich. (zuckt mit den Achseln) Er hat von Public Relations gesprochen, die dieser Tage sogar für Geheimdienste wichtig sei, von denen offiziell niemand etwas weiß. Bisschen paradox, aber so ist das wohl heutzutage.

PS: Janna war auch ganz überrascht, dass eure Chefetage diesen Interviews so bereitwillig zugestimmt hat. Aber ganz ehrlich: Sie hat das toll gemacht. Die Leserinnen und Leser waren begeistert von ihrer fröhlichen, offenen Art.

MN: Kann ich mir vorstellen. (Hier glaube ich, ein fast unmerkliches Lächeln um seine Mundwinkel herum wahrzunehmen.)

PS: Du bist aber entschlossen, nicht zu viel von dir preiszugeben, oder?

MN: Ich sehe nicht ein, was mein Innenleben andere Leute angeht. Ganz zu schweigen davon, dass ich über Berufliches auch so gut wie gar nicht sprechen darf, weil ich der zweithöchsten Geheimhaltungsstufe im Institut angehöre.

PS: Alles top secret, ich weiß. Aber um Staatsgeheimnisse wird es heute auch gar nicht gehen. Meine Leserinnen und Leser möchten viel lieber etwas über Markus Neumann, den Menschen, erfahren.

MN: Als hätte ich es geahnt …

PS: Es wird schon nicht so schlimm werden. Möchtest du ein paar Kekse zur Stärkung? (schiebe ihm eine Platte mit Cookies rüber)

 

MN: Mal sehen, ob ich die im Lauf des Abends brauchen werde. Sind die selbstgebacken?

PS: Na, aber sicher!

MN: (lächelt nur)

 

… ziemlich … außergewöhnlich.

 

PS: Also gut, dann lass uns mal loslegen. Die ersten Fragen drehen sich im Grunde gar nicht so sehr um dich, sondern um Janna.

MN: Ach?

PS: Immerhin ist es schon ungewöhnlich, wie ihr zusammengefunden habt. (auf sein ruckartiges Heben des Kopfes hin lächle ich) Als Partner im Institut meine ich.

MN: Mh, ja, stimmt, das war ziemlich … außergewöhnlich.

PS: Das kannst du laut sagen. Hast du eigentlich vor Janna auch schon Zivilisten in deine Ermittlungen einbezogen?

MN: Nein, nicht derart oft und intensiv. Ich habe eine Menge ziviler Informanten, männlich wie weiblich, das gebe ich zu. Anders kann wohl kaum ein Agent effektiv arbeiten. Das Bild des einsamen Wolfes, der à la James Bond alles allein regelt, gehört ins Land der Märchen. Aber auf eine Partnerschaft ist es noch nie hinausgelaufen.

PS: Ja, genau, du hast bisher nie mit einem festen Partner gearbeitet. Aber du gibst zu, dass du hin und wieder auch mal Hilfe benötigst.

MN: Hilfe von Informanten oder Kolleginnen und Kollegen, die man zur Verstärkung ruft, ist etwas gänzlich anderes als permanent mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenzuarbeiten.

PS: Ganz ohne Frage ist das ein Unterschied. Wie findest du Janna als zivile Partnerin?

MN: (zögert)

PS: Lass mich ein wenig präziser werden: Sie ist nach wie vor Zivilistin, aber trotzdem hast du zugestimmt und dich zuletzt sogar vehement dafür eingesetzt, dass sie deine Partnerin wird und als solche in alle Belange deiner Einsätze eingeweiht wird. Warum?

MN: (mit finsterer Miene) Und wie ich das habe. Was Dr. Schwartz sich da kürzlich geleistet hat, ist wirklich unter aller Kanone. Ich kann ja verstehen, dass er eine neue Mitarbeiterin testen muss. Wir sind alle durch eine harte Schule gegangen. Aber seine Vorgehensweise während meines Undercover-Einsatzes war einfach nur der nackte Irrsinn. Ich bin fast wahnsinnig geworden, weil ich Janna nichts sagen durfte. Dass man sie derart leiden lassen würde – und meine übrigen Kollegen ebenfalls – hätte ich nie gedacht.

PS: Du warst drauf und dran zu kündigen.

MN: Allerdings. Und die Sache ist auch noch nicht vom Tisch.

PS: Dr. Schwartz hat aber nun eine Menge Zugeständnisse gemacht.

MN: (wütend) Aber eine aufrichtige Entschuldigung hat keiner von uns bisher gehört. (hebt die Schultern) Was soll’s. Wolltest du nicht noch weitere Fragen stellen?

PS: Die dir nicht gefallen werden? Aber ja! (ich lache) Aber du hast die letzte noch nicht beantwortet.

MN: (seufzt) Warum ich Janna als Partnerin akzeptiert habe? Weil wir gut zusammenarbeiten. Ich weiß nicht, wie das gekommen ist, denn sie ist ja so gar nicht für den Job ausgebildet, aber es funktioniert. Ich kann ihr vertrauen.

PS: Das ist in deinem Metier bestimmt mit das Wichtigste. Aber ich bohre noch ein bisschen weiter: Wie ist es für dich, mit Janna zusammenzuarbeiten? Wie schätzt du sie ein? Das ist vielleicht ein bisschen konkreter als Wie findest du sie.

 

Wenn sie jetzt noch mal so schnell wie ein Wasserfall redet, dann steht aus irgendeinem Grund die Alarmstufe auf Rot.

 

MN: Wie soll es sein? (zögert) Kompliziert. Obwohl das am Anfang noch schlimmer war, weil sie ja überhaupt nicht Bescheid wusste, wie es im Institut zugeht und was wir da machen. Ehrlich gesagt habe ich ihr anfangs auch nicht allzu viel zugetraut. Nicht, dass ich sie für dumm hielt, aber sie wirkte halt ein bisschen unbedarft auf mich. Und viel zu hektisch, vor allem, wenn sie mit ihrem Gequassel ohne Punkt und Komma losgelegt hat. In der ersten Zeit hat mich das total kirre gemacht.

PS: Inzwischen hast du dich aber daran gewöhnt?

MN: Ja, irgendwie habe ich jetzt den Dreh heraus, aus den vielen Wörtern die wichtigsten und den Sinn der Aussage herauszufiltern. Ist vermutlich normal, wenn man eine Weile mit jemandem zusammenarbeitet und entsprechend viel Zeit miteinander verbringt.

PS: So schlimm ist es aber doch auch gar nicht, oder?

MN: In letzter Zeit ist es besser geworden. Oder sie hat gelernt, in aufregenden Situationen besser die Nerven zu behalten. Wenn sie jetzt noch mal so schnell wie ein Wasserfall redet, dann steht aus irgendeinem Grund die Alarmstufe auf Rot. Entweder hat sie Angst oder ist aus einem anderen Grund extrem aufgeregt oder nervös.

PS: Inzwischen seid ihr ein richtig gutes Team geworden.

MN: Ich staune, wie gesagt, immer wieder darüber, wie gut das mit uns funktioniert. (räuspert sich) Kann sein, dass ich sie anfangs falsch eingeschätzt hat. Sie ist klug, mutig und ziemlich einfallsreich.

PS: Hast du dir das auch schon mal gesagt?

MN: (hüstelt nur)

PS: Schon gut. Du wirfst nicht gerne mit Komplimenten um dich.

MN: (hüstelt noch einmal) Wenn ich sie nicht als fähig einschätzen würde, hätte ich sie als Partnerin rundheraus abgelehnt.

PS: Sie ist natürlich trotzdem noch eine Anfängerin in diesem Metier. Was müsste sie deiner Meinung nach unbedingt noch lernen?

MN: Wenn ich das alles aufzählen soll, sitzen wir morgen noch hier. (lacht) Nein, im Ernst, ich weiß nicht, wo ich da anfangen soll. Ihr fehlen allein schon die Grundlagen. Walter hat ihr inzwischen ein paar Kurse und Seminare bewilligt, damit sie zumindest die theoretischen Defizite nach und nach ausgleichen kann.

PS: Und wie ich hörte, auch einen Kurs in Selbstverteidigung und Nahkampf.

MN: Unerlässlich für jede Person, die im Institut arbeitet. Allerdings gibt es bei uns nur Kurse für Fortgeschrittene, deshalb trainiert Melanie mit Janna, bis der reguläre Unterricht beginnt.

PS: (ich kichere) Melanie und Janna? Ob das gutgeht?

MN: Warum?

PS: Na, die besten Freundinnen sind die beiden ja nun nicht gerade.

MN: Ach so, das. Melanie ist manchmal ein bisschen schwierig, aber ich glaube schon, dass das passt. Sie ist ein Profi und kann Janna vieles zeigen und beibringen.

 

Als Agent komme ich oft mir seltsamen Menschen zusammen, auch ziemlich kapriziösen Lebensstilen. Dabei vergisst man manchmal, dass es so einfache Dinge gibt wie ein Glas selbstgemachte Limonade oder einen Sonnenuntergang oder ein Gespräch mit dem netten Nachbarn.

 

PS: Von dir kann Janna auch viel lernen.

MN: Hoffentlich …

PS: Und wie sieht es umgekehrt aus? Was kannst du von ihr lernen?

MN: Ich von Janna? (wirkt verblüfft)

PS: Sie hat doch bestimmt ein paar Eigenschaften, die dir völlig abgehen.

MN: Das schon, ja … Aber lernen? (denkt eine Weile nach) Vielleicht die einfachen Dinge mehr zu genießen. Als Agent komme ich oft mir seltsamen Menschen zusammen, auch ziemlich kapriziösen Lebensstilen. Dabei vergisst man manchmal, dass es so einfache Dinge gibt wie ein Glas selbstgemachte Limonade oder einen Sonnenuntergang oder ein Gespräch mit dem netten Nachbarn. Janna weiß diese kleinen Dinge zu schätzen. Mir entgehen sie meistens.

PS: Du könntest also mehr Achtsamkeit von ihr lernen?

MN: Wenn du es so ausdrücken willst.

PS: Kannst du dir Janna als klassische Agentin vorstellen? Was muss hierzu noch getan werden?

MN: Du meinst, als Agentin wie Alexa oder Melanie? Nein. Oder … Nein. Nicht wirklich. Ich meine, natürlich kann Janna noch eine Menge lernen, aber … Weißt du, vielleicht irritiert mich diese Frage ein bisschen, weil es die klassische Agentin oder den klassischen Agenten nicht gibt. Die meisten Menschen stellen sich dabei nur James Bond vor oder Jason Bourne. Das sind aber nichts anderes als fiktive Gestalten. Wir Agenten sind extrem verschieden. Von ganz normalen Leuten von nebenan bis hin zu verkappten Serienkillern, die nur zufällig auf der richtigen Seite des Gesetzes stehen. Dazwischen gibt es unendlich viele Abstufungen. Ich weiß zwar, was du mit deiner Frage meinst, aber wie gesagt, die klassische Agentin gibt es eher nicht. Was Janna wahrscheinlich fehlt, um, sagen wir mal so ähnlich zu werden wie Melanie oder Alexa, ist der Killerinstinkt. Oder doch zumindest eine gewisse Abgebrühtheit.

 

Eine Familie zu gründen, ist nicht dumm.

 

PS: Glaubst du denn, dass sie die auf Dauer brauchen wird, wenn sie in den Rängen des Instituts aufsteigen will?

MN: (denkt wieder eine ganze Weile nach) Gerlinde Bernstein hat auch als zivile Mitarbeiterin angefangen. Sie hat zwar eine komplette Ausbildung durchlaufen, aber sie gehört ebenfalls nicht zu den Frauen, die ich mit zum Beispiel Melanie oder Alexa gleichsetzen würde. Wie ich schon sagte: Agenten sind nicht gleich Agenten.

PS: Die Menschen sind eben verschieden. (Ich halte einen Moment inne.) Entschuldige, wenn ich jetzt noch etwas persönlicher werde, aber könnte es sein, dass es gerade dieser Mangel an Killerinstinkt ist, der sie mit dir besonders kompatibel macht?

MN: (seine Augen weiten sich) Wie soll ich das denn verstehen?

PS: Nun, ihr beiden ergänzt euch irgendwie. Ich habe immer den Eindruck, dass sie ausgleichend auf dich wirkt.

MN: (entspannt sich wieder etwas) Kann schon sein.

PS: Privat seid ihr ja inzwischen sehr gut befreundet.

MN: (räuspert sich unterdrückt) Ja.

PS: Kannst du dir erklären, wie es dazu gekommen ist?

MN: Nein.

PS: (ich lache) Aber du stehst zu dieser Freundschaft.

MN: Großer Gott … ja, klar. Sie … (er zögert sichtlich) geht einem unter die Haut und ehe man sich versieht, ist man ihr bester Freund.

PS: Und das stört dich.

MN: Das ist es ja. Es stört mich überhaupt nicht. Oder höchstens in der Hinsicht, dass es gefährlich werden kann.

PS: Inwiefern gefährlich?

MN: Weil man, wenn man sich befreundet, angreifbar wird. So etwas stellt immer eine Gefahr für Agenten dar.

PS: Das scheint aber viele deiner Kolleginnen und Kollegen weniger zu stören. Viele sind doch sogar verheiratet und haben Kinder.

MN: (hebt die Schultern) Vielleicht sind die abgebrühter als ich.

PS: Nicht etwa dümmer?

MN: (starrt mich irritiert an) Eine Familie zu gründen, ist nicht dumm. Im Gegenteil. Aber man muss der Typ dafür sein.

PS: Und mutig genug, um mit den möglichen Konsequenzen zu leben?

MN: (nickt grimmig) Exakt.

PS: Bist du deshalb auch lieber Single?

MN: Ja. So lebt es sich einfacher. Unkomplizierter. Beziehungen bedeuten immer auch Verantwortung.

PS: Du scheust diese Verantwortung?

MN: (grinst nur schief)

PS: Wie müsste denn eine Frau sein, die dich vom Gegenteil überzeugen könnte? Wie würde deine ideale Freundin aussehen?

MN: Aussehen?

PS: Na ja, nicht nur äußerlich. Es geht auch um die inneren Werte.

MN: Ich … weiß es nicht. Eine feste Beziehung kommt für mich einfach nicht in Frage.

PS: Kannst du dir denn vorstellen, dass du irgendwann mal kürzer trittst und sogar eine Familie gründest?

MN: (rutscht nervös hin und her) Kann ich irgendwo heimlich aus dem Fenster klettern und abhauen?

PS: (ich lache) Schon gut, schon gut. Gibt es denn etwas, das du gerne über Janna wissen würdest? Etwas, das nicht in ihrem Dossier steht?

MN: Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. So was ergibt sich doch meistens aus einer Situation heraus.

 

Hubschrauber kann ich fliegen, Flugzeuge aber nicht.

 

PS: Eine Leserin hat mich gebeten zu fragen, wie du zu Kindern stehst – also so ganz allgemein. Magst du sie? Gehen sie dir auf den Keks?

MN: Kinder sind okay … schätze ich. Viel Kontakt habe ich normalerweise nicht zu ihnen. Dass Janna allerdings schon mit siebenundzwanzig zwei Pflegekinder bei sich aufgenommen hat, halte ich für absolut heldenhaft. So etwas hätte ich bestimmt nicht gekonnt. Ich meine, sie hat ja sogar ihr Studium aufgegeben und ihr Leben praktisch auf Standby gesetzt, um sich um die Zwillinge zu kümmern.

PS: Das beeindruckt dich.

MN: Und wie!

PS: Kommen wir mal wieder auf dich zu sprechen. Gibt es etwas, das du auf Grund deines Berufes nicht haben kannst und das du in deinem Leben vermisst?

MN: Gute Frage. Ich komme selten dazu, über so etwas nachzudenken. Eigentlich ist mein Leben so, wie ich es mir ausgesucht habe. Ich vermisse nicht viel – mal abgesehen von regelmäßigen längeren Urlauben vielleicht und Wochen ohne Überstunden.

PS: Und zwischenmenschlich?

MN: Da ist auch alles im Lot. Na ja, echte Freundschaften muss man als Agent wirklich suchen. Schon wegen der Arbeitszeit, die im Grunde rund um die Uhr läuft, und weil engere Bindungen eben, wie schon erwähnt, zum Problem werden können. Man wird angreif- und erpressbar. Deshalb bleiben die meisten Freundschaften eher oberflächlich.

PS: Aber jetzt hast du Janna.

MN: Mhm …

PS: Gibt es eine Fähigkeit oder Eigenschaft, die dir fehlt, die du aber gerne hättest?

MN: Hm … Da muss ich überlegen. Ach ja, ich würde gerne den Pilotenschein machen. Hubschrauber kann ich fliegen, Flugzeuge aber nicht.

PS: Du willst also hoch hinaus. (ich lache) Eine Leserin möchte gerne wissen, was du als Kind oder Jugendlicher mal beruflich werden wolltest.

MN: Nichts. Oder Millionär. Ich bin die ersten zwölf, dreizehn Jahre meines Lebens fast nur auf der Straße aufgewachsen. Da hatte ich weder Zeit noch Lust, mir über so etwas Gedanken zu machen. Nachdem mein Vater mich schließlich bei sich aufgenommen hatte, geriet mein Leben zwar in sicheres Fahrwasser, aber über meine Zukunft habe ich mir trotzdem nie Gedanken gemacht. Nach dem Abi ging ich zur Bundeswehr, das ergab für mich am meisten Sinn, schon weil ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte.

PS: Und dort wurdest du dann für das Institut rekrutiert.

MN: Genau. (blickt sich etwas unbehaglich um)

PS: Keine Sorge, das bleibt unter uns – und den Leserinnen und Lesern. (zwinkere ihm zu)

MN: Mein Vater wollte, dass ich nach dem Wehrdienst eine Laufbahn beim BKA einschlage, aber das war nichts für mich.

PS: Weil du dich mit deinem Vater nicht gut verstehst?

MN: So in etwa. Es wäre nicht gutgegangen, wenn ich für ihn hätte arbeiten müssen. Außerdem hat das Institut unter allen europäischen Geheimdiensten einen Sonderstatus mit viel mehr Rechten.

PS: Das hat dich gereizt.

MN: Klar. Ich war jung.

PS: Welchen Fall, den du zusammen mit Janna bearbeitet hast, empfandest du als besonders brenzlig?

MN: Deine Leserinnen und Leser wollen es aber wirklich genau wissen, was?

PS: Warte es ab, das war längst noch nicht alles!

MN: (greift nach deinem Stubbi und nimmt einen tiefen Zug) Ich glaube, mit Alkohol wäre in diesem Fall sinnvoller gewesen …

PS: (ich lächle ihm zu) Nimm einen Keks, der enthält Zucker und Schokolade, das beruhigt die Nerven.

MS: Okay … (lacht) Als besonders brenzlig ist mir alles in Erinnerung geblieben, was mit Susanne Krause zusammenhängt. Diese psychopatische Auftragsmörderin hat uns das Leben ziemlich schwergemacht. Wenn ich nur daran denke, wie sie Janna damals auf dieses Ergorad mit der Bombe geschnallt hat!

PS: Das war wirklich schlimm. Fast hätte Janna daraufhin ja auch die Zusammenarbeit mit dem Institut beendet.

MN: Verständlich. Ich wundere mich immer noch, dass sie letztlich doch so gut darüber hinweggekommen ist. Es gibt bestimmt auch Menschen, die dabei ein lebenslanges Trauma davongetragen hätten. (hält kurz inne) Richtig brenzlig wurde es natürlich auch neulich noch einmal bei der Sache mit dem Bagger im Steinbruch. Da haben wir beide Blut und Wasser geschwitzt.

PS: Nicht nur ihr. Wir alle! Übrigens tut es mir sehr leid, was mit deinem schönen Z3 passiert ist.

MN: (schaut mich grimmig an) Musstest du den wirklich zerstören?

PS: Hey, das war nicht ich! … Na ja, irgendwie schon, aber eigentlich doch nicht. Trotzdem sorry.

MN: Schon gut, war ja letztlich nur Blech.

PS: Wie ich hörte, spendiert dir das Institut einen neuen Wagen.

MN: Hoffentlich was Vernünftiges! (sieht mich argwöhnisch an) Warum sprichst du das an? Weißt du schon etwas Konkretes?

PS: Tut mir leid, das ist leider top secret. Ich habe nicht die Befugnis, darüber mit dir zu sprechen.

MN: Na toll. (lacht)

PS: Wenden wir uns lieber wieder einer Leserfrage zu: Was war die schwerste Entscheidung, die du in den vergangenen zwei Jahren treffen musstest?

MN: (denkt wieder ausgiebig nach) Das ist nicht so einfach zu beantworten. In meinem Job muss man ständig schwierige Entscheidungen treffen.

PS: Darf ich mal eine Vermutung anstellen? Du brauchst auch nicht zu antworten, wenn dir das zu weit geht und zu persönlich ist.

MN: Schieß los.

PS: Ich kenne dich ja nun mit am besten, vielleicht sogar ein bisschen besser als du dich selbst …

MN: Schon ein bisschen hinterhältig von dir, diese Karte auszuspielen!

PS: Ich weiß. Trotzdem: Aus meiner Sicht war es am schwierigsten für dich, Janna in dein Leben zu lassen. Als Kollegin und jetzt Partnerin, aber auch privat als gute Freundin. Das dürfte für dich als Einzelgänger nicht leicht gewesen sein.

MN: Das war aber keine bewusste Entscheidung, sondern ist irgendwie einfach so gekommen. Wie genau, weiß ich selbst nicht so genau, aber darüber haben wir ja vorhin schon einmal gesprochen.

PS: Vielleicht war es kein bewusster Schritt, den du getan hast, aber du hättest dich jederzeit zurückziehen können. Versucht hast du es ja gewissermaßen, als du dich mal monatelang nicht bei ihr gemeldet hast.

MN: Hm … Ja, stimmt. Ich hätte der Sache frühzeitig einen Riegel vorschieben sollen.

PS: Also so war das eigentlich nicht gemeint.

MN: Schon klar. (zögert) Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, dass es mir sowieso nicht gelungen wäre. Irgendwie hängt ihre Geschichte mit meiner zusammen. Wie genau du das angestellt hast, habe ich noch nicht ganz verstanden. (kneift grimmig die Augen zusammen)

PS: Glaubst du ans Schicksal?

MN: Nein. (mit noch grimmigerem Blick) Sollte ich?

 

Freud lässt grüßen …

 

PS: Das liegt bei dir. Aber ich will mich nicht mit dir streiten. Schließlich soll dies ein informatives Interview werden und kein verbaler Schlagabtausch. Eine meiner Leserinnen hat gebeten, dich zu fragen, was genau vorgefallen ist, dass du dich so vehement gegen einen Partner gewehrt hast? Immerhin ist die Zusammenarbeit mit einem Partner oder einer Partnerin für Außendienstagenten eigentlich Vorschrift im Institut.

MN: Was vorgefallen sein soll? (wirkt überrascht) Nichts.

PS: Gar nichts?

MN: (spöttisch) Wenn du mich besser kennst als ich mich selbst, müsstest du das wissen. Es gab keinen … Vorfall oder so etwas. Haben deine Leserinnen ein bisschen zu viele Filme oder Serien geschaut? Da haben die Hauptfiguren ja meistens irgendwelche Leichen im Keller oder jemanden auf tragische Weise verloren. Das trifft aber auf mich nicht zu. Ich war als Kind schon früh fast ganz auf mich allein gestellt und das hat sich bis heute nicht geändert. Nur für mich selbst Verantwortung zu übernehmen, hat mein Leben deutlich einfacher gemacht. Partnerschaften, ob nun private oder dienstliche, bedeuten, wie schon gesagt, Verantwortung.

PS: Und der gehst du, wie wir wissen, erfolgreich aus dem Weg.

MN: Weitgehend. Nun ja, bei Janna blieb mir erst mal keine andere Wahl, nachdem Walter sie mir immer wieder als Hilfskraft …

PS: … aufgedrückt hat. (ich lache)

MN: So in etwa.

PS: Also liegt deine Abwehr Partnern gegenüber in deiner schlimmen Kindheit begründet.

MN: Freud lässt grüßen, was? Aber so ist es nun mal. Niemand kann sich seine Eltern aussuchen. Ich hatte halt ziemliches Pech, zumindest was meine Mutter angeht. Iris ist … na ja, also die meiste Zeit konnte man sie vergessen. Vermutlich hat sie manchmal auch vergessen, dass es mich gibt. Geld war nie da, Zuwendung auch kaum. Sie war tabletten- und drogensüchtig, solange ich denken kann. Und Alkoholikerin. Eine Mischung, die man keinem Kind zumuten sollte.

PS: Stimmt, allein die Vorstellung ist grässlich. Du hast also immer nur dir selbst vertraut und dich auf niemanden sonst verlassen.

MN: Ging ja nicht anders. Okay, ich hätte mich vom Jugendamt einfangen lassen und in einer Pflegefamilie unterkommen können, aber dafür war ich auch nicht der Typ. Außerdem … (zuckt mit den Schultern) … wäre dann meine Mutter vollends vor die Hunde gegangen. Das war irgendwie auch keine Option. Zumindest, bis sie mich dann quasi an meinen Vater verkauft hat.

PS: Nimmst du ihr das heute noch übel?

MN: Das wäre wohl ziemlich absurd, wenn man bedenkt, dass es mir bei meinem Vater deutlich besser ging.

PS: Gefühle sind nicht immer logisch oder berechenbar.

MN: Mhm. Wahrscheinlich nicht.

PS: Aber wo wir schon mal beim Thema sind: Die Leserinnen und Leser möchten auch gerne mehr über deine Mutter wissen. Hast du heute noch Kontakt zu ihr?

MN: Wohl oder übel. Manchmal. Meistens dann, wenn sie Geld braucht oder in der Scheiße steckt. Entschuldige …

PS: Nein, schon gut. Dass Iris Neumann kein Engel ist, dürfte uns allen inzwischen hinreichend bekannt sein. Wie ist es ihr denn seit deinem Umzug zu deinem Vater ergangen?

MN: Wie schon? Sie hat weitergemacht wie zuvor. Aushilfsjobs, Entziehungskur, neuer Kerl, der sie entweder geprügelt oder ausgenommen hat. Manchmal auch beides. Dann vielleicht mal einer, der ganz passabel war, was sie aber auch nie lange aushält. Dann Rückfall, neue Entziehungskur, nächster Job, nächster Kerl. So ungefähr.

PS: Das klingt nicht schön. Wo lebt sie denn jetzt?

MN: Gerade jetzt im Moment? Kein Ahnung. Sie zieht immer mal wieder um und vergisst die halbe Zeit, mir ihre neue Adresse zukommen zu lassen. Ihre letzte mir bekannte Adresse war in Duisburg, aber das ist schon ein Jahr her. Wenn sie Probleme hat, taucht sie von selbst wieder auf.

PS: Hast du eigentlich Geschwister?

MN: Nein.

PS: Bedauerst du das?

MN: (zuckt mit den Achseln) Ich war ein Unfall. Das einzig Positive, das man über Iris Neumann sagen kann, ist, dass sie danach besser aufgepasst hat. Noch ein Kind in diese Verhältnisse zu setzen, wäre purer Irrsinn gewesen.

 

Agnetta lässt einem gar keine andere Wahl, als mit ihr auszukommen.

 

PS: Aber dein Vater hätte ja auch noch Kinder mit seiner Frau Agnetta haben können.

MN: Das hat sich wohl nie ergeben, weil sie beide Karrieremenschen sind. Er mit seinem hohen Posten beim BKA und sie mit ihrer schicken Boutique. Na ja … (er grinst schief) Nachdem sie mich aufgenommen hatten, ist ihnen vielleicht auch die Lust vergangen, über weiteren Nachwuchs nachzudenken.

PS: So schlimm kannst du nun auch nicht gewesen sein.

MN: Schlimm genug.

PS: Dein Vater und du, ihr versteht euch nicht besonders gut.

MN: Das ist die Untertreibung des Jahres.

PS: Mit deiner Stiefmutter kommt du aber doch recht gut aus, oder nicht?

MN: Agnetta lässt einem gar keine andere Wahl, als mit ihr auszukommen.

PS: Du magst sie.

MN: Sie ist in Ordnung. Immerhin hat sie sich viel Mühe gegeben, mir Manieren beizubringen. (lacht)

PS: Mit Erfolg, würde ich sagen.

MN: Sie ist ziemlich zäh. (lacht)

PS: Was würde es denn brauchen, damit du dich deinem Vater nähern könntest, ohne dass die Emotionen gleich nach oben schnellen? Diese Frage kommt übrigens auch aus meiner Leserschaft.

MN: (mit finsterem Blick) Keine Ahnung. Es ist, wie es ist. Mein Vater hat bestimmte Vorstellungen davon, wie die Dinge sein sollen. Wenn man anderer Ansicht ist, wird er ungemütlich.

PS: Könnte es sein, dass ihr euch in dieser Hinsicht ähnelt?

MN: (hebt empört den Kopf)

PS: Ich meine ja nur. Ihr seid beide sehr … starke Persönlichkeiten. Vermutlich fehlt da ein ausgleichendes Element. Vor allem, wenn Agnetta nicht da ist, um als Puffer zu dienen.

MN: (verschränkt die Arme vor der Brust)

 

Walter ohne Gerlinde oder umgekehrt – das ist irgendwie kaum vorstellbar.

 

PS: Deine Beziehung zu Walter Bernstein und seiner Frau Gerlinde ist da ganz anders geartet, nicht wahr? Wie würdest du sie beschreiben? Also abgesehen davon, dass Walter dein direkter Vorgesetzter ist und Gerlinde seine Chefsekretärin.

MN: Walter ist in Ordnung. Er ist … ein Freund. Ich kann ihm vertrauen. Er war für mich da, als ich frisch rekrutiert im Institut anfing. Anfangs war er mein Ausbildungsleiter und ich habe eine Menge von ihm gelernt. Gerlinde … (lacht) Gerlinde ist Gerlinde. Die beiden sind wohl so etwas wie ein Dreamteam. Früher waren sie gemeinsam im Außendienst tätig; dort haben sie sich ja auch kennengelernt. Und bis heute sind sie so eng miteinander verbunden, wie zwei Menschen es wohl nur sein können. Walter ohne Gerlinde oder umgekehrt – das ist irgendwie kaum vorstellbar.

PS: Was beweist, dass so eine Partnerschaft auf allen Ebenen funktionieren kann.

MN: Wenn man der Typ dafür ist.

PS: Schon klar. Man merkt, dass du die beiden wirklich gern hast. Das bringt mich auf eine andere Frage, die aber von Walter und Gerlinde inspiriert ist: Wo siehst du dich in 20 Jahren? Noch immer Verbrecher jagen? Oder hast du andere Pläne?

MN: In zwanzig Jahren? Du liebe Zeit, so weit voraus plant doch niemand, oder? Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich in zwanzig Jahren schon fast in Vorruhestand gehen könnte, sollte ich wohl dieses Ziel anpeilen, oder? (lacht, wird aber gleich wieder ernst) Ich weiß nicht, wie genau es weitergehen wird. Walter hat mir ja jetzt die Leitung über diese neue Abteilung 7A übertragen.

 

 

PS: So ganz begeistert bist du davon immer noch nicht, oder?

MN: Ich weiß einfach nicht, was da auf mich – oder uns – zukommt. Mal abgesehen von noch mehr Arbeit. Außerdem war ich noch nie ein Teamplayer. Mit Janna komme ich ja noch ganz gut aus, aber wenn ich, wie es anscheinend geplant ist, irgendwann ein ganzes Team von Agenten befehligen soll … Keine Ahnung, ob das wirklich etwas für mich ist.

PS: Dann warten wir mal gespannt ab.

MN: Bleibt uns wohl auch nichts anderes übrig, oder?

PS: (grinse süffisant) Stimmt.

MN: (trinkt noch einmal von seinem alkoholfreien Radler) Waren das jetzt alle Fragen?

PS: Noch nicht ganz. Meine Leserschaft war fleißig.

MN: Oookay …

PS: Allzu viele Fragen sind es aber nicht mehr, keine Sorge. Eine lautet: Was ist dein größter Erfolg, den du außerhalb deines Berufs erreicht hast?

MN: Zu überleben.

PS: Deine Kindheit meinst du?

MN: Nicht nur.

 

Eine Katze vielleicht.

 

PS: Was war der emotionalste Moment, seit du mit Janna zusammen arbeitest?

MN: So was schon wieder! (seufzt) Deine Leser gehen ganz schön ans Eingemachte.

PS: So sind sie nun mal.

MN: Also … vermutlich der Tag, an dem Janna herausgefunden hat, dass ich nicht tot bin.

PS: Also ganz kürzlich erst.

MN: Mhm. Das war schon ziemlich … (schluckt) Ich hatte keine andere Wahl, als sie monatelang anzulügen. Freiwillig hätte ich das nie getan. Sie hätte alles Recht der Welt, mich dafür zu hassen.

PS: Was sie aber nicht tut.

MN: (nachdenklich) Seltsamerweise nicht.

PS: Zumindest hat ihr Zorn nicht lange angehalten. Na gut, dann jetzt noch mal zur Auflockerung eine einfachere Frage: Wenn du Zeit für ein Haustier hättest, welches würdest du dir zulegen?

MN: Ein Haustier? Keine Ahnung. Eine Katze vielleicht.

PS: Weil die so unabhängig sind? Zumindest mehr als zum Beispiel Hunde.

MN: Irgendwie so, ja.

PS: Okay, dann noch eine nicht ganz ernst gemeinte Frage zum Abschluss.

MN: Abschluss?

PS: Ja, wirklich, du bist gleich erlöst.

MN: Dann her damit!

PS: Magst du Fesselspiele? Immerhin lochst du ja so manchen Verbrecher ein und musst ihn vorher mit Handschellen oder Kabelbindern oder was auch immer gerade zur Hand ist, verschnüren.

 

 

MN: (ungläubig und zugleich amüsiert) Also vom einen auf das andere zu schließen, ist aber schon ziemlich weit hergeholt. Was haben deine Leserinnen und Leser denn für Fantasien?

PS: Wenn du wüsstest … (ich zwinkere ihm zu)

MN: Also … nein. Eher nicht. Mir ist es lieber, wenn die Frau, mit der ich zusammen bin, nicht in ihrer Bewegungs- und Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist.

PS: Und du magst dich auch nicht fesseln lassen?

MN: Nein. Es mag Leute geben, die auf Fesselspielchen stehen, aber für mich ist das nichts.

PS: Tja, das waren jetzt wirklich alle Fragen. Ich möchte mich herzlich bei dir bedanken, dass du so lange durchgehalten und mit deinen Antworten trotz deiner anfänglichen Vorbehalte nicht hinterm Berg gehalten hast.

MN: Ein bisschen bin ich mir wie in einer Therapiesitzung vorgekommen. (grinst schief) Nicht, dass sich Erfahrung mit Therapien hätte …

PS: (ich lache) Schon klar. Also, noch mal danke und alles Gute für die Zukunft. Speziell für deinen neuen Posten als Chef der Abteilung 7A.

MN: (verdreht die Augen) Nenn mich bloß nicht Chef! (trinkt die Stubbiflasche rasch ganz aus und steht auf) Ich denke, ich werde mich jetzt mal wieder auf den Weg machen. Bis Bonn ist es zwar nicht sehr weit, aber hier oben in der Eifel gibt es ja bloß holprige Landstraßen. Die sind in dem popeligen Mietwagen, den ich momentan fahre, nicht gerade lustig. Im Dunkeln schon mal gar nicht.

PS: Ich weiß, unsere Straßen könnten besser sein. Außerdem solltest du auf Wildwechsel achten. Davon haben wir hier eine Menge. Ich wünsche dir eine gute Heimfahrt und grüß bitte Janna und deine anderen Kollegen im Institut von mir und meiner Leserschaft.

MN: Klar, mache ich. (schnappt sich ein paar Kekse) Die nehme ich als Wegzehrung mit.

PS: Lass sie dir schmecken!

Ich begleite ihn noch zur Tür uns sehe ihm nach, als er umständlich in einem Opel Corsa einsteigt, in dem er mit seinen eins zweiundneunzig kaum Platz hat. Nur Augenblicke später braust er davon.

 

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»Nehmen Sie diesen Umschlag. Bringen Sie ihn nach Bonn zu Axel Wolhagen. Die Adresse finden Sie im Telefonbuch. Händigen Sie nur ihm – niemand anderem – den Umschlag aus. Geben Sie ihn unter keinen Umständen jemand anderem als Axel Wolhagen. Lassen Sie sich seinen Ausweis zeigen. Und kein Wort darüber – zu niemandem!«
»Aber …«
»Tun Sie es einfach!«

Stell dir vor, du willst jemanden vom Flughafen abholen,
und plötzlich steht dieser gut aussehende Fremde vor dir, drängt dir einen Umschlag mit einer DVD auf und verlangt, dass du ihn jemandem übergibst.

Würdest du den Umschlag annehmen und den Auftrag ausführen?

Und was, wenn du dadurch ins Fadenkreuz einer internationalen Terrorvereinigung gerätst?

Genau das passiert der 32-jährigen Janna Berg aus der kleinen Stadt Rheinbach bei Bonn. Ehe sie sich versieht, findet sie sich inmitten von Geheimdiensten und gefährlichen Terroristen wieder. Und als wäre das nicht genug, wirbelt der attraktive und rätselhafte Geheimagent Markus Neumann auch noch ihre Gefühlswelt ordentlich durcheinander.

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