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Vor einigern Tagen habe ich in meiner Facebook-Gruppe Spionin wider Willen Fangeplauder und Leserunden mit Mila Roth/Petra Schier um Fragen gebeten, die die Leserinnen und Leser der Serie der Hauptfigur, Janna Berg, in einem Interview stellen würden. Diese Fragen habe ich mir notiert und Janna dann gestern Abend zu einem gemütlichen Beisammensein auf meiner Couch eingeladen, um dieses ausführliche und spannende Interview mit ihr zu führen:

Petra Schier: Herzlich willkommen, liebe Janna – ich darf doch Janna und du sagen?

Janna Berg: Aber klar doch.

PS: Also noch einmal herzlich willkommen, liebe Janna, bei mir zu Hause auf meiner Couch. Ich habe uns leckeren Glühwein und Kekse vorbereitet, damit wir es gemütlich haben.

JB: Vielen Dank! Das ist sehr nett von dir. Hm, ich liebe Glühwein und Plätzchen! Aber … ich weiß jetzt gar nicht … Soll ich dich Petra oder Mila nennen? Ich meine, ich habe natürlich auf deiner Homepage gelesen, dass Mila Roth dein Pseudonym ist …

PS: Petra ist okay.

JB: Super. Ich fühle mich wirklich geehrt, ein Interview geben zu dürfen. Ich meine, wer macht so was schon? Okay, du wahrscheinlich, weil du Autorin bist und damit stehst du bestimmt häufiger im Rampenlicht. Aber ich bin ja nicht so bekannt.

PS: Sag das nicht. Die Leserinnen (und einige männliche Leser gibt es auch) meiner Bücher kennen dich jetzt schon seit langer Zeit und verfolgen den Leben mit großem Interesse.

Mein Leben hat sich in letzter Zeit ziemlich verändert.

JB: Wirklich? Wow, also das ist schon irgendwie aufregend. Ich bin gespannt, welche Fragen du mir stellen wirst. Mein Leben hat sich ja in der letzten Zeit ziemlich verändert. Wenn mir das vor einem Jahr jemand gesagt hätte … Ich glaube, ich hätte ihn oder sie für verrückt erklärt. Und nun sieh mich an. Ich habe einen aufregenden neuen Job, neue Freunde und Kollegen … Es war übrigens eine riesige Überraschung für mich, dass Dr. Schwartz – das ist der Leiter der Abteilung für interne Angelegenheiten im Institut – sein Okay zu diesem Interview gegeben hat. Als Walter mir davon erzählt hat, war ich regelrecht baff, denn, nun ja, das Institut ist ja ein Geheimdienst und, wie Markus es mir mal erklärt hat, die Mitarbeiter dort nehmen das Wort geheim absolut wörtlich. Bevor ich Markus begegnet bin, hatte ich noch nie von diesem Geheimdienst gehört. Von dem Meinungsforschungsinstitut, das dem Geheimdienst als Tarnung dient, allerdings auch nicht. Oder … Ich weiß es nicht mehr so genau. An dem Gebäude in der Kaiserstraße in Bonn bin ich bestimmt schon hundertmal vorbeigefahren und garantiert habe ich auch das Schild mit dem Namen des Instituts gesehen. Aber beachtet habe ich beides nie. Warum auch? Ich meine, was hat unsereins schon mit Meinungsforschung zu tun? Außer, wenn mal wieder so ein lästiges Callcenter anruft und irgendeine Umfrage machen will. Ich gebe zu, da habe ich immer gleich wieder aufgelegt – das tut ich heute noch, weil es mich so nervt. Und jetzt bin ich offiziell als Assistentin eines Abteilungsleiters angestellt. Das bin ich ja im Grunde wirklich, nur eben nicht in der Meinungsforschung, sondern in der neuen Abteilung 7a. Die Abteilung 7 wird von Walter Bernstein geleitet und dort dreht sich alles um die Bekämpfung von nationalem und internationalem Terrorismus und dem organisierten Verbrechen. Markus Neumann, mein Partner, und ich sollen jetzt diese neue, dort angeschlossenen Abteilung 7a übernehmen und uns um besonders verzwickte Fälle kümmern oder solche, die irgendwie aus dem Rahmen fallen. Was auch immer das heißen mag. Noch hatten wir ja keinen Einsatz und richten erst mal nur unser neues Büro ein. Wir haben einen ganzen Flügel des Instituts für uns, da wurde alles renoviert und neu eingerichtet und irgendwann sollen noch mehr Leute in unser Team versetzt werden. Wann oder wer das sein wird, wissen wir aber noch nicht, das muss die Chefetage entscheiden. Ich bin aber froh, dass wir erst einmal eine kleine Verschnaufpause machen können, denn unser letzte Abendteuer war doch ziemlich erschreckend.

PS: Das waren jetzt eine Menge Informationen, Janna. Da kann ich ja gleich ein paar Fragen von meiner Liste streichen.

JB: (lacht etwas verlegen) Oh, entschuldige bitte. Ich habe schon wieder viel zu viel und zu schnell geredet. Das passiert mir leider oft, wenn ich aufgeregt oder nervös bin.

PS: Schon gut, ist ja nicht schlimm. Im Gegenteil. Da du uns ja schon einiges erzählt hast, können wir eigentlich gleich mit den Fragen beginnen, die die Leserinnen (männliche Leser waren diesmal nicht dabei) mir übermittelt haben.

JB: Ja, okay, ich bin bereit. (lacht wieder) Und aufgeregt.

PS: Du brauchst auf jeden Fall nicht nervös zu sein. Meine Leserinnen sind alle furchtbar nett und haben sich großartige Fragen ausgedacht. Fangen wir mit der ersten an, die auch gleich perfekt zu dem passt, was du uns eben schon erzählt hast: Wie fühlt es sich an, nun eine Agentin zu sein?

Allerdings bin ich auch ein bisschen stolz auf mich …

JB: Seltsam. Irgendwie unwirklich und fast schon surreal. Ich meine, hallo? Ich, Janna Berg aus Rheinbach, eine Agentin? Obwohl, offiziell bin ich ja nur die Assistentin des Abteilungsleiters und werde intern als zivile Partnerin von Markus Neumann geführt. Eine richtige Bezeichnung haben sie für mich noch nicht gefunden, weil es doch vergleichsweise ungewöhnlich ist, wie ich überhaupt ins Institut hineingeraten bin und rekrutiert wurde. Allein das Wort rekrutiert klingt schon so merkwürdig, aber letztlich ist es genau das, was mir passiert ist. Anfangs fand ich die Sache ja überhaupt nicht toll, weil ich immerhin zwei Pflegekinder habe, die ich liebe wie meine eigenen und an die ich denken muss. Von meiner übrigen Familie ganz zu schweigen. Es ist nicht immer einfach, vor allem, weil ja niemand – wirklich niemand – erfahren darf, was ich im Institut wirklich tue. Na ja, bis auf meinen älteren Bruder Frank, der ist ja kürzlich durch eine ungünstige Verkettung von Umständen dahintergekommen. Er ist alles andere als begeistert, weil er um meine Sicherheit fürchtet, und ich hoffe, ich kann ihn in dieser Hinsicht beruhigen. Zwar ist die Arbeit an Markus‘ Seite alles andere als ungefährlich, aber er und das Institut tun wirklich alles, was möglich ist, um meine Sicherheit zu gewährleisten – und die meiner Familie, wenn es nötig sein sollte. Tja, also, wie fühle ich mich sonst noch? Ein bisschen nervös und gespannt, was für Aufgaben wir zukünftig haben und was für Fälle wir wohl lösen werden. Manchmal verspüre ich, wenn ich daran denke, so ein seltsames Kribbeln und Ziehen tief in meiner Magengrube. Kennst du das auch? Ganz eigentümlich, aber irgendwie aufregend. Ich glaube, das war es überhaupt, was damals den Ausschlag gab und mich dazu veranlasst hat, mich in die Kartei für zivile Hilfskräfte aufnehmen zu lassen. Meinem Leben hat ein wenig Aufregung und Abenteuer gefehlt. Okay, jetzt habe ich davon im Übermaß. (lacht) Allerdings bin ich auch ein bisschen stolz auf mich, denn was ich im vergangenen Jahr alles erlebt und gelernt habe, ist eine Menge und vielleicht hätten das nicht alle so gut geschafft. Zumindest behaupten meine Kolleginnen und Kollegen das, allen voran Walter Bernstein und seine Frau Gerlinde. Die beiden sind wirklich großartig. Walter ist ein richtiger väterlicher Freund und Gerlinde ein Goldstück. Ich glaube, die beiden haben sich im Hintergrund mächtig ins Zeug gelegt, um Dr. Schwartz und die übrige Chefetage davon zu überzeugen, mich zu Markus‘ Partnerin zu machen.

PS: Stimmt, das ist eigentlich ziemlich ungewöhnlich, weil du ja keine richtige Ausbildung als Agentin hast.

JB: Ein bisschen was muss ich jetzt aber doch nachholen. Herr Bernstein hat mir einige Kurse genehmigen lassen, in denen ich Theorie und Praxis der Geheimdienstarbeit lernen soll. Die meisten finden in einer Art Abendschule im Institut statt, manche auch als Blockunterricht irgendwo außerhalb. Wo genau, weiß ich noch nicht, denn, wen wundert’s, das ist alles geheim. (schmunzelt) Ich muss also richtig noch mal die Schulbank drücken und zusätzlich einen Selbstverteidigungskurs belegen, der aber eigentlich schon für Fortgeschrittene ist und erst in Kürze beginnt. Bis dahin soll Melanie mit mir schon mal grundlegende Dinge üben. Die eine oder andere Trainingsstunde hatten wir schon. Puh, ich kann dir flüstern, das ist gar nicht so einfach. Ich habe zwar vor Jahren mal einen Selbstverteidigungskurs gemacht, aber da war ich noch in der Schule und das, was Melanie mir jetzt beibringt, ist vollkommen anders.

Ich weiß nicht, ob ich jemals auf einen Menschen schießen könnte.

PS: Musst du auch Schießen lernen?

JB: Um Himmels willen! (schüttelt sich und lacht wieder) Nein, das steht wohl vorerst nicht auf meinem Stundenplan. Zum Glück. Ich hatte ja schon mal aus einer Notsituation heraus Markus‘ Pistole in der Hand und muss ehrlich zugeben, dass mir das doch ziemlich Angst gemacht hat. Ich weiß nicht, ob ich jemals auf einen Menschen schießen könnte.

PS: Auch nicht, wenn dein Leben oder das deines Partners davon abhinge?

JB: Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Und vorerst will ich es lieber auch nicht in Erfahrung bringen.

PS: Das kann ich gut verstehen. Mein Mann ist sein einiger Zeit Jäger und ich habe vor seinen Waffen auch den höchsten Respekt. Nun aber zur nächsten Frage: Glaubst du, du würdest auch so gut für das Institut arbeiten, wenn du nicht mit Markus, sondern mit einem anderen Agenten tätig wärst?

JB: Also ich glaube, dann würde ich überhaupt nicht fürs Institut arbeiten. Denn Markus war es ja, der mich damals in die Welt der Geheimdienste hineingezogen hat. Als ich kürzlich dachte, dass er tot ist (sie schluckt hart und muss kurz Luft holen) – Das war so furchtbar! Entschuldige bitte.

PS: Es gibt keinen Grund für dich dich entschuldigen zu müssen. Ich weiß, wie schrecklich du dich gefühlt hast.

JB: Ja. Jedenfalls, als ich dachte, dass ich ihn verloren hätte, da wollte ich erst mal überhaupt nichts mehr mit dem Institut zu tun haben. Sie mussten mich ja auch kaltstellen, wie man das im Agentenjargon sagt, um meine Sicherheit zu gewährleiten. Das klingt jetzt gefährlich – kaltstellen! Aber gemeint ist nur, dass sie den kompletten Kontakt zu mir eingestellt haben und im Zweifelsfall auf geleugnet hätten, mich überhaupt zu kennen. Aus der Liste der zivilen Hilfskräfte wurde ich aber nicht gelöscht und vielleicht, nur vielleicht, hätte ich später noch mal einen Auftrag für das Institut übernommen. Natürlich dann mit jemand anderem. Aber es wäre nicht dasselbe gewesen. Ich arbeite jetzt seit gut einem Jahr mit Markus zusammen. Es war nicht immer einfach, vor allem in der ersten Zeit, denn Markus ist schon ein komplizierter und schwieriger Mann. Aber trotzdem sind wir Freunde geworden und ich vertraue ihm. Was aber noch viel wichtiger ist: Er vertraut mir, und das ist etwas Besonderes, wenn man ihn kennt. Was zwischen uns gewachsen ist (sie wird ein wenig verlegen und ich habe den Eindruck, sie errötet sogar ein wenig), das ist selten und nicht einfach reproduzierbar. Deshalb kann ich mir nur schwer vorstellen, dauerhaft mit einem anderen Agenten oder einer Agentin zusammenzuarbeiten.

Selbst ich hätte dem Mann am liebsten eine geklebt.

PS: Glücklicherweise musst du dir darüber keine Gedanken machen. Immerhin hat die Chefetage eure Partnerschaft genehmigt.

JB: Ja, und zu Markus‘ Bedingungen. Meine Güte, war er wütend, als er erfahren hat, was Dr. Schwartz sich da ausgedacht hatte, um mich und unsere Partnerschaft zu testen. Selbst ich hätte dem Mann am liebsten eine geklebt. Dass man so grausam sein kann! Auch wenn ich inzwischen verstanden habe, dass er dieses Vorgehen für notwendig hielt – meine Freundschaft hat er damit ganz sicher nicht gewonnen.

PS: Verständlich. Aber Männer wie Dr. Schwartz suchen wohl auch keine Freundschaft. Die müssen zum Wohl des großen Ganzen einfach nur funktionieren.

JB: Ja, vielleicht. Was ist deine nächste Frage?

PS: Du hast bis dato ein Talent dafür gehabt, in der letzten Minute noch eine zündende Idee zu haben und den Tag zu retten. Wie schaffst du es dennoch, so bodenständig zu sein?

JB: Mir war gar nicht bewusst, dass meine zündenden Ideen so oft schon das Geschehen gerettet haben. Stimmt, hin und wieder hatte ich einen guten Einfall. (lehnt sich wieder etwas entspannter auf der Couch zurück) Ich glaube, wenn überhaupt, wird andersherum ein Schuh daraus. Gerade weil ich mich für einen bodenständigen Menschen halte und ein gutes Maß an Lebenserfahrung besitze – mit zwei Grundschulkindern sowieso – kann ich in gefährlichen Situationen einigermaßen klar und ruhig bleiben. Und wenn mir dann eine rettende Idee kommt, ist es natürlich umso besser. Weißt du, ich lese viel und schaue mir auch gerne Krimiserien im Fernsehen an. Vielleicht hilft mir das auch ein bisschen dabei. Und natürlich meine Erfahrung im Umgang mit Menschen und meine jahrelange Ausbildung als Pfadfinderin. Ich dachte immer, ich sei dort nur aus Spaß Mitglied, aber inzwischen merke ich, wie praktisch all die Dinge sind, die man als Pfadfinderin so lernt.

Es ist irgendwie bezeichnend, dass die beiden Fälle, die ich als am erschreckendsten in Erinnerung habe, beide mit dieser scheußlichen Person, Susanne Krause, in Verbindung stehen.

PS: Welchen eurer gemeinsamen Fälle fandest du bisher am spannendsten?

Spionin wider WillenJB: Am spannendsten? O Gott, wo soll ich anfangen? Also möglicherweise unseren ersten, weil ich da so unvermittelt hineingeraten bin und überhaupt nicht wusste, wie mir geschieht. Ansonsten kann ich, glaube ich, keine Rangliste nennen. Wenn es allerdings um erschreckende Fälle geht, dann ist unser letztes Abenteuer (Man trifft sich stets zweimal, Teil 1 und 2, Anm. von Petra Schier) sicherlich zuallererst zu nennen. Wenngleich ich auch noch mit extremem Unbehagen, nein, es ist eher schon kaltes Entsetzen, an den Fall zurückdenke, als Susanne Krause mich in dem Fitnessraum auf dieses Ergorad gesetzt hat, an dem eine Bombe befestigt war. Bis dato hatte ich noch nie so entsetzliche Angst gehabt und ich kann heute noch nicht an einem Ergorad (auch nicht meinem eigenen) vorbeigehen, ohne an dieses Erlebnis zurückdenken zu müssen. Es ist irgendwie bezeichnend, dass die beiden Fälle, die ich als am erschreckendsten in Erinnerung habe, beide mit dieser scheußlichen Person, Susanne Krause, in Verbindung stehen. Zum Glück sitzt sie jetzt hinter Schloss und Riegel und ich kann nur hoffen, dass sie den Schlüssel weggeworfen haben.

Scarecrow & Mrs. King

PS: Das hoffen wir wohl alle. Aber nun etwas ganz anderes. Kennst du die Fernsehserie Agentin mit Herz aus den 80er Jahren?

JB: Aber ja, selbstverständlich! (lächelt fröhlich) Mit dieser Serie bin ich aufgewachsen. Inzwischen besitze ich alle Staffeln auf DVD und schaue sie mir immer wieder gerne an, allerdings nur auf Englisch, weil sie mit den englischen Dialogen und dem Wortwitz viel, viel besser ist. Sie heißt im Original übrigens Scarecrow & Mrs. King.

PS: Ich weiß. Ich liebe diese Serie ebenfalls und habe mich von ihr auch ein wenig zu euren Abenteuern inspirieren lassen.

JB: (überrascht und amüsiert) Na, dann brauche ich mich ja nicht zu wundern. Ganz ehrlich? (Sie senkt verschwörerisch die Stimme.) Damals, als mir Markus am Flughafen zum ersten Mal begegnet ist, und auch am Tag darauf, als er mich in Rheinbach ausfindig gemacht hat, kam ich mir tatsächlich kurz vor, als wäre ich versehentlich genau in diese Fernsehserie geraten. Oder doch zumindest in eine ziemlich ähnliche. Oder in eine Folge der versteckten Kamera. Ich meine, überleg mal! Ein Geheimagent spricht mich einfach so mitten auf dem Flughafen an und drängt mir einen geheimnisvollen Umschlag auf. Da muss man doch sofort an Lee Stetson und Amanda King denken! Obwohl ich ja auf dem Flughafen noch gar nicht wusste, wer Markus wirklich ist.

PS: Was hältst du von Amanda King?

JB: Ich bewundere sie! Sie hatte es in den 80ern ja noch viel schwerer, sich in einer Männerwelt durchzusetzen. Vor allem, weil sie ja eine absolut traditionelle Hausfrau war und bis zu dem Tag, an dem Lee Stetson ihr begegnet ist, nie etwas anderes sein wollte. Sie hat eine unglaubliche Wandlung und Entwicklung durchlaufen.

… ich glaube, dass es vielleicht sogar noch schwieriger wäre, wenn alle Bescheid wüssten …

PS: Amanda King hatte natürlich auch immer Probleme, ihre Tätigkeit für „Die Agency“ geheimzuhalten, insbesondere vor ihrer Mutter. Wie gelingt dir der Spagat mit der Geheimhaltung?

JB: Bisher besser, als ich dachte. Obwohl es mir nicht leichtfällt, meine Familie und Freunde ständig belügen zu müssen. Aber ganz ehrlich, ich glaube, es wäre auch nicht viel einfacher, wenn sie wüssten, was ich wirklich tue. Nachdem Frank jetzt davon erfahren hat, habe ich lange darüber nachgedacht und ich glaube, dass es vielleicht sogar noch schwieriger wäre, wenn alle Bescheid wüssten, weil sie sich dann ständig Sorgen machen würden. Auf jeden Fall ist es manchmal richtig anstrengend, dieses Geheimnis zu bewahren und mich nicht einfach in einem unbedachten Moment zu verplappern. Ich muss ständig auf der Hut sein und überlegen, was ich nun gefahrlos erzählen darf und was nicht. So was ist sehr belastend und auch, wenn es für meine Familie sicherer ist, weiß ich nicht, wie lange ich das durchhalten kann.

PS: Ich wünsche dir viel Kraft dafür! Und hier kommt jetzt eine ganz andere Frage an dich: Könntest du dir vorstellen mit Marcus in einer WG zu leben?

JB: Ach du liebe Zeit! Eine WG mit Markus Neumann? Keine Ahnung. Also, wir haben ja schon häufig recht eng zusammengearbeitet und werden es in Zukunft auch tun, aber eine WG? Ich meine, wie soll das gehen? Wenn meine Kinder erwachsen sind? (lacht) Nein, also der Gedanke ist doch etwas komisch. Obwohl es mir vermutlich weniger ausmachen würde als ihm. Er ist ja doch ein ziemlicher Einzelgänger und nicht daran gewöhnt, persönlichen Raum mit jemandem zu teilen.

PS: Du glaubst also nicht, dass das funktionieren würde?

JB: Ich weiß es absolut nicht.

PS: Na gut, dann belassen wir es mal dabei. Eine Leserin möchte gerne wissen, ob du irgendwann noch eigene Kinder haben möchtest.

JB: Hm … Ja, eigentlich schon. Mit dem richtigen Mann. (hüstelt verlegen) Aber damit ist es ja immer nicht so einfach, nicht wahr?

PS: Vor allem, wenn hinterhältige Autorinnen es einem noch schwerer machen.

JB: (grinst) Ja, genau.

Gerade die letzten Ereignisse haben mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, im Jetzt, im Moment, zu leben.

PS: Die nächste Leserinnen-Frage lautet: Wo siehst du dich in fünf Jahren?

JB: In fünf Jahren? … In fünf Jahren. Mal sehen … Darüber habe ich so genau noch nicht nachgedacht. Gerade die letzten Ereignisse haben mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, im Jetzt, im Moment, zu leben. Aber natürlich habe ich auch Träume und Pläne. Ich hoffe, dass ich dann immer noch in unserem schönen Haus auf Gut Tomberg wohnen werde, denn dort ist mein Zuhause, von da will ich nicht weg. In fünf Jahren werde ich hoffentlich auch endlich mein Privatleben im Griff haben. Momentan geht es ja entweder drunter und drüber oder es existiert überhaupt nicht. Ansonsten … Wahrscheinlich werde ich immer noch mit Markus zusammenarbeiten. Hoffe ich. Nein, ganz ehrlich, die Frage lässt sich für mich momentan nicht beantworten. Ich muss erst meine aktuelle Situation in den Griff bekommen, bevor ich mir konkretere Gedanken über die Zukunft machen kann.

PS: Also gut, dann will ich dich in dieser Hinsicht auch nicht weiter bedrängen. Gehen wir lieber zur nächsten Frage über: Würdest du für das Institut eine längere Undercover-Tätigkeit, evtl sogar mit einem Team, im Ausland in Betracht ziehen, wenn die Kinderbetreuung gewährleistet wäre?

JB: Definiere längere! Also ein paar Tage oder Wochen vielleicht. Aber bestimmt nicht Monate oder gar Jahre. Himmel, das könnte ich nicht, dann würde ich meine Kinder und meine Familie zu sehr vermissen – und auch so viel von der Entwicklung der Zwillinge verpassen. Aber ein paar Wochen … Warum nicht?

Dann würde ich eins meiner vielen Koch- und Backbücher mitnehmen und mal wieder nach Herzenslust Rezepte ausprobieren.

PS: Hier kommt noch eine weitere, wieder etwas persönlichere Frage: Du musst die nächsten zwei Wochen auf einer einsamen Berghütte verbringen. Du darfst drei persönliche Gegenstände mitnehmen. Welche sind das?

JB: Drei persönliche Gegenstände nur? O je, das ist schwierig. Kleidung zählt aber nicht?

PS: Nein, die darfst du außen vorlassen, genauso wie Lebensmittel.

JB: Okay. Gibt es auf der Berghütte Handyempfang? (lacht)

PS: Da sie ziemlich einsam liegt, wohl eher nicht. Auch kein WLAN.

JB: O Mann, zwei Wochen lang keinen Kontakt zu Till und Susanna oder meiner Familie? Das wird hart. Na gut. Ich würde wohl meinen E-Reader randvoll mit spannenden Büchern packen, damit ich viel Zeit mit Lesen verbringen kann. Gibt es wenigstens Strom auf der Hütte?

PS: Ich denke ja.

JB: Gut, dann kann ich den Reader zumindest aufladen. Oh, Moment, das Ladekabel! Zählt das als eigenständiger Gegenstand?

PS: Ich bin mal nett und sage nein, das gehört zum Reader.

JB: Puh, gut. Und mit Lebensmitteln bin ich versorgt?

PS: Komplett, ja.

JB: Dann würde ich eins meiner vielen Koch- und Backbücher mitnehmen und mal wieder nach Herzenslust Rezepte ausprobieren. Und als Drittes … (runzelt nachdenklich die Stirn, dann grinst sie) Ja, genau, einen der beiden Peilsender von Susanna und Till. Natürlich mit frischer Batterie. Man weiß nämlich nie, ob und wann man so einen nicht mal benötigt. Das habe ich ja in der Vergangenheit bereits mehrfach erlebt.

Peacock-Dance

PS: Okay, das ist eine interessante Zusammenstellung, auf die ich so jetzt nicht unbedingt gekommen wäre. Kommen wir von dieser persönlichen Frage wieder zu einer beruflichen: Hast du schon einmal von einem Geheimdienst-Szenario gehört, dass sich Peacock-Dance nennt?

JB: Aber natürlich, so wie bei Scarecrow & Mrs. King! Ich habe übrigens tatsächlich in einem der Lehrbücher, die ich jetzt wälzen muss, auch schon mal etwas darüber gelesen. Da geht es darum, dass zwei Agenten sich als Paar ausgeben und der eine (oder die eine) von beiden sich dann zum Schein auf eine romantische Beziehung mit der Zielperson einlässt. Oftmals geht ein fingierter Streit des angeblichen Paares voraus, um das Ganze glaubhafter zu machen.

PS: Das hast du gut beschreiben. Ich sehe, du nimmst deine Studien sehr ernst.

JB: Aber ja doch! Irgendwie muss ich ja ein wenig den Anschluss bekommen und auch wenn vieles ziemlich trockener Stoff ist, ist er doch sehr wichtig.

PS: Wie würdest du mit einem Peacock-Dance von Markus klarkommen?

JB: Du meinst, Markus und ich geben uns als Paar aus und er …

PS: Ganz genau.

JB: Oh. Tja, also vermutlich würden wir das ganz professionell angehen. Warum auch nicht? Ich meine, wir sind ja gute Freunde und so. (Hier sieht es wieder so aus, als würde sie ganz leicht erröten.) Also schön wäre das wahrscheinlich nicht, denn so ein Szenario verlangt von beiden beteiligten Agenten hohe Risikobereitschaft und extreme Aufmerksamkeit. Gefährlich kann es auch werden, je nachdem, an welche Art von Zielperson man gerät. Also muss man sich voll und ganz aufeinander verlassen können. Dazu sind Partner ja letztlich auch da, also würde ich alles mir Mögliche tun, um Markus dabei zu unterstützen. Wie ich mich dabei fühlen würde, weiß ich nicht. Ist ja schon eine seltsame Situation, nicht wahr?

PS: Allerdings, eine Ausnahmesituation, in der alles Mögliche passieren kann.

JB: Huch, jetzt machst du mir ja fast schon ein bisschen Angst.

PS: Das war ganz und gar nicht meine Absicht. Wie sieht es denn mit dir aus? Würdest Du selbst auch einen Peacock-Dance machen?

JB: (überlegt kurz) Eigentlich habe ich das ja gewissermaßen schon mal gemacht, wenn auch in entschärfter Version. Einmal damals mit Marius Leitner, dem Steuerberater, und dann später noch einmal mit Lars Brenkow, dem Inhaber des Bonner Sportzentrums. Obwohl man das damals wohl nicht so genannt hätte, weil ich ja nur eine zivile Hilfskraft war und mehr oder weniger dilettantisch ausgeholfen habe.

PS: Na, na, so dilettantisch nun auch wieder nicht.

JB: Okay, ja, ich habe mich wohl ganz ordentlich geschlagen. Aber ob ich das noch mal machen würde? Ich weiß nicht. So toll ist das wirklich nicht, weil man jemandem, unter Umständen einem vollkommen fremden und möglicherweise auch gefährlichen Menschen, Gefühle vorgaukeln muss, die gar nicht vorhanden sind. Oder man muss doch zumindest mit demjenigen flirten und so. Darin bin ich nicht so geübt, auch im Privatleben nicht, und es würde mir bestimmt nicht leichtfallen. Wenn ich so etwas tun würde, dann wirklich nur, wenn es keinen anderen Weg gibt, an die Zielperson heranzukommen.

Sollte mein Leben wirklich mal verfilmt werden, überlasse ich es anderen, die Schauspieler für die Rollen auszusuchen.

PS: Ich stelle mir das auch extrem schwierig vor. Die nächste Frage ist es aber auch, oder zumindest vermute ich es.

JB: Wirklich? Dann mal her damit!

PS: Stell dir vor, deine und Markus‘ Abenteuer würden verfilmt werden. Wer wäre die beste Besetzung für Markus und wen hättest du gerne für deinen Part?

JB: Das ist wirklich ganz, ganz schwierig. Ist es eine internationale Verfilmung oder eine nationale?

PS: Das überlasse ich dir. Du darfst auch mischen, wenn du willst.

JB: Oh. Tja. Mal sehen … Also es gibt da eine Schauspielerin, Madlen Kaniuth, die sieht mir ziemlich ähnlich mit ihren roten Locken und ist auch nur ein kleines bisschen älter als ich. Die würde vielleicht ganz gut passen für meine Rolle. Für Markus hingegen … Das ist echt nicht einfach. Ich würde ja Bradley Cooper sagen, auch wenn der nicht so dunkle Haare hat wie Markus. Oder, wenn es ein Deutscher sein soll, vielleicht Marcel Spang? Obwohl der eher Model ist und nur nebenher schon mal die eine oder andere kleine Rolle geschauspielert hat. Ach, Mensch, das ist echt schwierig. Sollte mein Leben wirklich mal verfilmt werden, überlasse ich es anderen, die Schauspieler für die Rollen auszusuchen. (lacht)

Was meine Freundschaft mit Markus angeht: Da wäre ich vermutlich so ehrlich, wie es nur geht.

PS: Last but not least noch eine Frage, die ganz kurzfristig hereingekommen ist: Stell dir vor, deine Familie erfährt die Wahrheit über deine Arbeit für das Institut. Wie würdest du das deinen Kindern erklären und wie würdest du ihnen gegenüber dein Verhältnis zu Markus darstellen?

JB: Wie vorhin schon erwähnt, glaube ich, dass es nicht einfacher wird, wenn meine Familie die Wahrheit wüsste. Meine Eltern würden sich garantiert wahnsinnige Sorgen machen, selbst wenn Herr Bernstein ihnen höchstpersönlich versichern würde, dass er alles Menschenmögliche tut, um mich und die Menschen um mich herum zu schützen. Till und Susanna gegenüber müsste ich mit großer Behutsamkeit erklären, was mein neuer Beruf ist. Sie sind ja noch in der Grundschule und vielleicht fänden sie das sogar cool und total spannend. Aber gerade da müsste ich wohl einhaken und versuchen, ihnen zu erklären, dass dieser Job kein Kinderspiel ist und auch nicht ungefährlich. Allerdings dürfte ich ihnen natürlich auch nicht zu viel Angst machen. Liebe Zeit, wenn ich so darüber nachdenke, wird mir klar, wie entsetzlich schwierig eine Erklärung den beiden gegenüber wäre. Was meine Freundschaft mit Markus angeht: Da wäre ich vermutlich so ehrlich, wie es nur geht. Ich würde ihn als meinen Kollegen und Partner vorstellen – und als guten Freund. Ich meine, wenn die Katze aus dem Sack wäre, was sollte ich dann sonst über ihn sagen?

PS: Also bist du vielleicht sogar ein bisschen froh, dass deine Familie die Wahrheit nicht kennt?

JB: Ja, also jetzt, wo ich so darüber nachdenke … Es ist so oder so schwierig und eine dauernde Gratwanderung.

PS: Aber aufgeben willst du deine Stellung deshalb nicht?

JB: Nein. Nach allem, was ich mit Markus inzwischen erlebt habe, würde ich ihn jetzt nicht hängenlassen. Ganz abgesehen davon spüre ich da ja, wie eingangs erwähnt, immer wider dieses Kribbeln und Ziehen in der Magengrube, wenn ich an die Arbeit fürs Institut denke …

PS: Nur, wenn du an die Arbeit denkst? (zwinkere ihr zu)

JB: (hüstelt) Ja, äh, also …

PS: Schon gut, darauf brauchst du nicht zu antworten. Lassen wir eure nächsten Abenteuer erst einmal auf uns zukommen. Danke, dass du dir heute so viel Zeit für unser Interview genommen hast! Ich denke, es gab eine Menge spannender Fragen, nicht wahr? Und hochinteressante Antworten.

JB: Ja, da haben sich deine Leserinnen wirklich ins Zeug gelegt. Bitte richte ihnen meine allerherzlichsten Grüße aus. Ich hoffe, sie bleiben meinen – oder vielmehr unseren – Abenteuern weiterhin treu.

PS: Das hoffe ich natürlich ebenfalls. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und bitte grüß Markus von mir und erinnere ihn daran, dass er ebenfalls einen Interviewtermin mit mir hat.

JB: (lacht herzlich) Das werde ich tun. Da wird er bestimmt wieder maulen. Er redet ja nicht gerne über sich und seine Arbeit. Über Persönliches noch viel weniger. Ich wundere mich, dass du ihn überhaupt zu einem Interview überreden konntest.

PS: Ach, weißt du, ich habe da so meine Mittel und Wege …

(Wir lachen beide und verabschieden uns herzlich voneinander.)

 

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Zuhause bei Freunden

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Spionin wider Willen Cover

»Nehmen Sie diesen Umschlag. Bringen Sie ihn nach Bonn zu Axel Wolhagen. Die Adresse finden Sie im Telefonbuch. Händigen Sie nur ihm – niemand anderem – den Umschlag aus. Geben Sie ihn unter keinen Umständen jemand anderem als Axel Wolhagen. Lassen Sie sich seinen Ausweis zeigen. Und kein Wort darüber – zu niemandem!«
»Aber …«
»Tun Sie es einfach!«

Stell dir vor, du willst jemanden vom Flughafen abholen,
und plötzlich steht dieser gut aussehende Fremde vor dir, drängt dir einen Umschlag mit einer DVD auf und verlangt, dass du ihn jemandem übergibst.

Würdest du den Umschlag annehmen und den Auftrag ausführen?

Und was, wenn du dadurch ins Fadenkreuz einer internationalen Terrorvereinigung gerätst?

Genau das passiert der 32-jährigen Janna Berg aus der kleinen Stadt Rheinbach bei Bonn. Ehe sie sich versieht, findet sie sich inmitten von Geheimdiensten und gefährlichen Terroristen wieder. Und als wäre das nicht genug, wirbelt der attraktive und rätselhafte Geheimagent Markus Neumann auch noch ihre Gefühlswelt ordentlich durcheinander.

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