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Textschnipsel Nr. 4: Strandkörbchen und Wellenfunkeln

 

Wieder einmal habe ich heute Lust, euch einen kleinen Einblick in meinen dritten Lichterhaven-Roman Strandkörbchen und Wellenfunkeln zu gewähren. Ich habe eine Weile überlegt, welche Textstelle ich diesmal vorstellen könnte, und dachte mir, dass ihr doch ganz bestimmt auch Fans einer guten Bromance seid. Für alle, die mit dem Wort nichts anfangen können: Das Wort setzt sich zusammen aus Bro (Kurzform für Brother) und Romance. Gemeint ist hier aber nicht etwa eine inzestuöse Beziehung zwischen Brüdern, sondern Bromances sind in der Regel enge aber platonische Freundschaften zwischen Männern. Mit Bro /Brother bezeichnen sich nämlich im amerikanischen Englisch Kumpels bis hin zu guten Freunden, aber natürlich auch echte Brüder gegenseitig. Das Wort wird inzwischen sogar recht inflationär benutzt, zumindest in TV-Serien, wo sich Männer aller Couleur, ob sie sich nun gut kennen oder nicht, mit Bro anreden.

Ich möchte euch also heute eine solche Bromance näher vorstellen, und zwar die zwischen dem Protagonisten Lars Verhoigen und seinem fünf Jahre jüngeren Halbbruder Thorsten Brunner. Diese Bruderbeziehung ist deshalb so wichtig, weil sie nicht nur in diesem Buch einen hohen Stellenwert einnimmt, sondern auch, weil (ihr werdet es spätestens gegen Ende des Textschnipsels schon ahnen, deshalb darf ich hier spoilern) Thorsten im vierten Lichterhaven-Roman die männliche Hauptrolle einnehmen wird. Über die weibliche Hauptrolle lasse ich euch gerne ein bisschen spekulieren. ;-)

 

Aus dem 5. Kapitel

»Heiliger Bimbam, was ist denn jetzt los?« Als Lars das geräumige Büro im frisch renovierten Planungsgebäude der Werft betrat, sprang Thorsten verblüfft seinem Schreibtischstuhl auf. »Was in aller Welt bringst du denn da mit?«
»Nicht was, sondern wen.« Lars stellte die Transportbox auf seinem eigenen Schreibtisch ab und löste den Deckel, um einfacher an das bereits seit einiger Zeit winselnde Hundekind heranzukommen. »Darf ich vorstellen: Jolie, unsere neue Wachhündin. Na ja, irgendwann mal, wenn sie groß ist.«
»Was bitte?« Neugierig trat Thorsten an die Box heran, dann lachte er. »Wachhündin ist gut. Die ist ja noch winzig! Aber was ist denn mit ihr passiert? Sie sieht ja aus, als wäre sie unter die Räder gekommen. Und woher hast du sie so plötzlich? Ich wusste gar nicht, dass du dir einen Hund anschaffen wolltest.«
»Wollte ich auch nicht. Jolie ist mehr eine … schicksalhafte Begegnung.« Zum wiederholten Mal an diesem Tag erzählte er, wie er Jolie gefunden hatte. »Die Alternative wäre gewesen, sie ins Tierheim zu bringen«, beendete er seine Erzählung. »Aber das wollte ich irgendwie nicht.«
»Kann ich verstehen.« Thorsten zog sich seinen Schreibtischstuhl heran und setzte sich vor die Box. »Die Kleine ist ja wirklich putzig. Aber sie scheint ziemlich ängstlich zu sein. Fürchtest du dich vor dem großen bösen Mann da?« Er sprach Jolie direkt an und deutete dabei auf Lars.
Ob ich mich fürchte? Ja, natürlich. Vor euch beiden. Ihr seid schließlich beide so große Mann-Menschen mit riesigen Händen und dunklen Stimmen und alles. Jolie fiepte und blickte mit großen Augen von Thorsten zu Lars und wieder zurück. Obwohl ich mich an den hier schon gewöhnt habe, zumindest ein bisschen. Lars heißt er wohl, wenn ich das richtig verstanden habe. Er war mit mir in so einem großen Haus, in dem es nach anderen Hunden und Futter und komischen Sachen gerochen hat. Das war ein Zoofachgeschäft, hat er gesagt. Keine Ahnung, was das ist, aber jetzt habe ich ein ganz neues Halsband und eine andere Leine und ich glaube, er hat auch noch eine Menge andere Sachen mitgenommen, von denen ich noch nicht weiß, wofür sie gut sein sollen. Und jetzt sind wir hier und du bist noch so ein Mann-Mensch … Hast du auch einen Namen? Nur damit ich Bescheid weiß … Nach einem kurzen Moment des Zögerns hob Jolie schnüffelnd die Nase, zuckte aber gleich wieder zurück, als Thorsten sich ihr mit der Hand näherte. Halt, nicht anfassen! Nicht, solange ich dich noch nicht kenne. Sonst beiße ich.
»Pass auf, sie beißt, wenn sie Angst bekommt, und ihre Zähnchen sind verdammt spitz.« Lars lachte, bemühte sich aber, seiner Stimme einen ruhigen Klang zu verleihen. »Sie hat praktisch vor allem und jedem Angst, die Arme. Wenn ich den Dreckskerl doch bloß erwischen würde, der sie so mies behandelt hat. Dem würde ich gerne mal eine Abreibung verpassen.«
»Da wäre ich glatt mit von der Partie.« Auch Thorsten bemühte sich nun um einen leiseren, beruhigenden Tonfall. »Du arme Kleine. Bei uns passiert dir nichts Schlimmes. Zumindest nicht bei mir. Was diesen Champ hier angeht«, er stieß Lars grinsend an, »kann ich allerdings für nichts garantieren. Siehst du, er ist nämlich der dunkle Rebell von uns beiden. Ich bin viel hübscher und netter als er.«
»Ich gebe dir gleich den dunklen Rebellen.« Mit gespielter Empörung boxte Lars seinen Bruder leicht in die Seite. »Und du weißt hoffentlich, was mit hübschen Kerlen passiert. Sie kriegen eins auf die Nase, vielleicht auch zwei oder drei, bis ihnen die Schönheit wieder vergeht.«
»Jolie, wenn ich dir einen Rat geben darf, halt dich an mich.« Lachend wich Thorsten seinem Bruder aus. »Mit mir ist viel besser Kirschen essen als mit Lars. Oder Leckerchen essen vielmehr.«
»Vergiss es, ich hab sie zuerst gesehen.« Spielerisch gab Lars Thorstens Bürostuhl einen Schubs, sodass dieser ein Stück zur Seite rollte. »Sie ist mein Hund. Leg dir selbst einen zu, wenn du einen haben willst.«
»Vielleicht tue ich das.« Wieder lachte Thorsten, wurde dann aber wieder halb ernst. »Sie ist wirklich ein Zuckerstück. Kein Wunder, dass du dich in sie verliebt hast.«
»Verliebt?« Spöttisch zog Lars die Augenbrauen hoch. »Was denn sonst? Das steht dir so was von deutlich ins Gesicht geschrieben.« Grinsend rollte Thorsten wieder näher. »Mein großer Bruder ist ein Softie. Wer hätte das gedacht?«
»Wenn du nicht gleich mit dem Quatsch aufhörst, verpasst dein großer Softie-Bruder dir eine, dass du einen Salto schlägst.«
»Immer diese Gewaltandrohung. Dabei weiß er genau, dass ich derjenige mit der Ringerausbildung bin«, wandte Thorsten sich lachend an Jolie, rollte dann aber doch wieder zurück an seinen Schreibtisch. »Hinnerk Pettersson hat angerufen. Er meint, er kann zusammen mit seinen beiden Neffen mit dem Streichen der Außenfassaden beginnen, sobald die Sommerferien beginnen. Die Gerüstbauer habe ich schon informiert, die kommen in der Woche vorher.«
»Sehr gut, dann hört Ben endlich auf, uns zu nerven, dass der Anblick unserer Werft nicht ins Gesamtkonzept seines Wohnkunstwerks passt.« Vorsichtig hob Lars die Hundebox auf den Boden. »Ich glaube, ich lasse Jolie lieber noch ein bisschen da drinnen. Im Auto habe ich zwar auch ein extra weiches Kissen für sie, das da drüben in die Ecke passen würde, aber ich fürchte, sie hat noch zu viel Angst.«
»Da drinnen kann sie sich auch nicht noch mehr verletzten «, stimmte Thorsten ihm zu. »Sie hat bestimmt Schmerzen, die Arme. Da hast du dir ja ganz schön was aufgehalst.«
»Ich komme schon klar.« Lars schaltete seinen Computer ein. »Hat sich Jorgis noch mal gemeldet? Allmählich sollte er sich doch wohl entschieden haben, ob seine Jacht zwölf oder fünfzehn Meter lang werden soll. Ausgerechnet unser erster Großkunde macht gleich solche Sperenzchen.«
»Daran sollten wir uns vielleicht besser gleich gewöhnen. Die Reichen und Schönen sind oft exzentrisch.« Thorsten, dessen Schreibtisch dem von Lars genau gegenüberstand, reichte ihm einen Schnellhefter mit Datenblättern. »Er hat vorhin eine E-Mail geschrieben, in der er jetzt den goldenen Mittelweg von dreizen Komma fünf Metern ins Auge gefasst hat.«
»Wenigstens etwas. Damit kann ich arbeiten. Hast du den Kostenvoranschlag schon fertig?«
»Bin noch dabei.« Thorsten deutete auf seinen Bildschirm. »Carlos und Peter sind übrigens gerade dabei, letzte Hand an Michaelsens Fischkutter zu legen. Gut dass Peter sich damit so gut auskennt. Ich habe da so gar keine Erfahrungswerte.«
»Es war ja auch nicht vorgesehen, dass wir hier auch noch eine Reparaturwerkstatt für Krabben- und Fischkutter ins Leben rufen.« Lars blätterte noch immer in dem Schnellhefter. »Aber für den Anfang brauchen wir so viele Aufträge wie nur möglich, um uns über Wasser zu halten. Wenn wir unsere Arbeit gut machen, spricht sich das herum.«
»Hoffentlich nicht nur in Fischkutterkreisen.«
»Das wird schon noch, wir müssen nur … Was war das?«, unterbrach Lars sich selbst und erhob sich lauschend. »Da ist jemand …«
»Lars? Lars Verhoigen! Meine Güte, ist überhaupt jemand hier?« Die weibliche Stimme klang zwar angenehm warm, gleichzeitig jedoch ein wenig irritiert. »Hallo? Jemand zu Hause?«
»Wir brauchen jemanden am Empfang.« Rasch eilte Lars zur Tür und riss sie auf. »Hier drinnen! Ach, hallo Martina.«
Er trat zur Seite, um die kleine, energiegeladene Frau mit den langen roten, zu einem raffinierten Zopf geflochtenen Haaren einzulassen. »Das ist ja eine Überraschung. Was führt dich denn hierher?«
»Zweierlei.« Sie warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu und strich dabei ihre schmal geschnittene blaue Stoffhose glatt. »Sinnvoll wäre allerdings eine Person am Empfang, damit man euch nicht erst wie die Nadel im Heuhaufen suchen muss.«
»Ist schon notiert«, antwortete Thorsten an Lars’ Stelle und erhob sich ebenfalls. Mit ausgestreckter Hand ging er auf sie zu. »Guten Tag, schöne Frau. Was können wir empfangscheflosen Bootsbauer für Sie tun?«
Die junge Frau ergriff zwar seine Hand, runzelte dabei aber leicht die Stirn. »Sie sind Thorsten Brunner.«
»Wie er leibt und lebt.« Thorsten lächelte breit. »Und Sie sind …?«
»Leicht erbost.« Sie ließ seine Hand wieder los und wandte sich an Lars. »Ich muss mit dir reden.«
»Setz dich doch bitte.« Lars deutete auf die beiden Besucherstühle neben den Schreibtischen. »Thorsten, das ist Martina Clausen. Ihr gehört das große Meerwasserwellenbad drüben auf der anderen Seite des Hafens.«
»Freut mich sehr.« Nachdem Martina sich gesetzt und ihre Umhängetasche neben sich abgestellt hatte, deutete Thorsten auf die Anrichte hinter sich. »Möchten Sie etwas trinken? Wasser? Saft, Kaffee, Sekt?«
»Sekt?« Martinas Augenbrauen hoben sich spöttisch. »Falls es etwas zu feiern gibt.«
»Nein, danke.« In einer beiläufigen Geste fasste Martina sich an die schmale goldene Kette im Ausschnitt ihrer cremefarbenen Bluse, an der ein goldener Ring befestigt war. »Ich muss etwas mit dir bereden«, wandte sie sich erneut an Lars.

 

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Cover Strandkoerbchen und Wellenfunkeln
Strandkörbchen und Wellenfunkeln

Petra Schier

MIRA Taschenbuch & eBook, 444 Seiten
ISBN 978-3745700053
9,99 € / eBook 8,99 €

Erscheint am 1. April 2019

 

 

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