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Foto Arthos aus der Schublade

 

Karlsson vom Dach war gestern. Heute gibt es Arthos aus der Schublade.

Wie es dazu kam?

Bei uns zu Hause ist momentan die Hölle los. Aber wirklich! Es fing vor über einer Woche damit an, dass Frauchen und Herrchen in der Küche komische Sachen machten. Sie haben dauernd den Tisch hin und her geschoben, die Stühle waren mal drin, mal draußen. Dann ist Frauchen plötzlich auf so eine kleine Leiter geklettert und hat die Tapete von den Wänden gekratzt. Also das war mal lustig, weil ich die Tapetenstücke so schön quer durchs Haus schleppen konnte. Frauchen hat zwar geschimpft, aber hey, wie soll ich denn da widerstehen, wenn so viel Papierzeugs auf dem Fußboden herumliegt und so schön raschelt, wenn ich mit der Nase darin wühle? Fast so schön wie knisterndes Laub draußen auf der Wiese oder im Wald.

Foto Abgerissene Tapete - Arthos aus der SchubladeEinmal wollte ich Frauchen sogar beim Abreißen der Tapete helfen. Na ja, eigentlich war sie gerade mal nicht da und Herrchen hat nicht aufgepasst. Aber ich habe es wirklich nur gut gemeint und habe im Flur ein bisschen Tapete angeknabbert und abgerissen. Das war aber, glaube ich, dann doch keine so gute Idee, weil Herrchen ziemlich geschimpft hat.

Woher sollte ich denn wissen, dass Tapete abreißen in der Küche okay ist, im Flur aber nicht? Wo ist da bitte der Unterschied?

Auf jeden Fall war es dann aber, als die Tapete runter war, immer noch nicht am Ende mit dem höllischen Chaos, denn dann fing Herrchen auch noch an, mit so einem merkwürdigen lauten Ding Krater und schlitze in die Wände zu bohren. Plötzlich war überall Staub und so kleine Steinchen und so was, aber da durfte ich nicht dran. Blöderweise ist von dem Staub auch dauernd was in meinen Wassernapf gefallen, das hat überhaupt nicht gut geschmeckt. Und als wäre das nicht genug, haben die beiden dann auch noch so Hölzer von der Küchendecke abgemacht und rausgetragen. Wozu das alles gut sein soll, ist mir ja schleierhaft.

Als wäre das aber nicht schon alles gruselig und aufregend genug gewesen, kam dann auch noch der Oberhammer:

O Graus! Frauchen und Herrchen haben abwechselnd immer wieder mit dieser Höllenmaschine, die sie Staubsauger nennen, herumhantiert. Also das ist mal eine Geschichte für einen eigenen Blogartikel, echt. Den Staubsauger kann ich so was von überhaupt nicht leiden. Viiiel zu laut und zu unheimlich. Wer weiß schon, ob es wirklich nur Staub und Hundehaare und Krümel uns so in sich einsaugt und nicht womöglich auch noch süße Hundewelpen? Das Risiko gehe ich auf gar keinen Fall ein. Nope, keine Chance. Da haue ich grundsätzlich lieber ab und verkrümele mich im Schlafzimmer oder irgendwo, wo das Ding mich nicht erreichen kann.

Aber zurück zu meinem Küchenschubladen-Ausflug.

Vor ein paar Tagen kamen zwei fremde Männer ins Haus und haben zusammen mit Herrchen fast den ganzen Tag irgendwas gemacht: gesägt, gehämmert, gebohrt, Sachen rein- und rausgetragen. Und als sie irgendwann wieder weg waren, stand da plötzlich so ein riesiges … ja, keine Ahnung … Dingens in der Küche. Ein Schrank mit Schubladen oder so was. Frauchen hat es Kücheninsel genannt. Ganz ehrlich, das Teil ist riesengroß und ich habe keinen blassen Schimmer, was es da soll.

Ich dachte allerdings: “Na gut, jetzt ist es vorbei mir dem Durcheinander.” Aber weit gefehlt. Seit das Ding in der Küche steht, hantiert Herrchen in jeder freien Minute weiter herum, hat so längliche Dinger an die Wand geklebt, die er Fliesen nennt, und er hat zu Frauchen gesagt, dass da noch ein riesiges Loche in die andere Wand kommt, das sich Durchgang nennt, und eine neue Decke und was weiß ich nicht noch alles.

Es bleibt also wohl noch ein bisschen länger abenteuerlich bei uns. Gestern dann hat Frauchen lauter Sachen aus dem Schrank im Flur in die Schubladen von dem Inseldingens getragen und auch die anderen Schubladen in der Küche umgeräumt. Als sie eine dieser Schubladen ganz leergemacht und mit einem Lappen ausgewischt hatte, konnte ich meine Neugier nicht mehr zügeln.

Ich meine: Hallo? Diese Schubladen sind total interessant und spannend, wenn sie voll sind. Aber als diese hier ganz leer war, musste ich unbedingt ausprobieren, wie es für die Sachen so ist, in der Schublade zu liegen. Die sagen mir ja nicht, wie sich das so anfühlt, also musste ich es dringend mal selbst testen. Also bin ich, als Frauchen den Lappen ausgewaschen hat, einfach mal in die offene Schublade reingeklettert.

Eigentlich ganz gemütlich da drinnen, muss ich sagen. Bisschen eng vielleicht, wenn man richtig dauerhaft drin wohnen möchte, aber solange ich noch so klein bin, könnte mir das als Zweitwohnsitz durchaus gefallen. Vielleicht mit einer kuscheligen Decke und einem schönen Kauknochen.

Frauchen hat, als sie mich sah, total laut gelacht, also fand sie meine Idee offenbar auch gut. Dann hat sie ganz schnell Fotos gemacht und gemeint: “Endlich habe ich in so einer Situation mal mein Handy griffbereit.” Sie ärgert sich nämlich immer, wenn ich lustige Sachen anstelle und sie gerade keine Möglichkeit hat, mich zu fotografieren.

Ich weiß noch nicht, was ich als Nächstes anstellen werde, aber ich bin sicher, da findet sich was. Immerhin geht die Renoviererei (so hat Frauchen das Chaos genannt, das hier gerade herrscht) offenbar noch ein Weilchen weiter. Aber auch ohne diese Ausnahmesituation kommen mir immer die allertollsten Ideen. Wenn es mal wieder passende Fotos davon gibt, lasse ich Frauchen mein nächstes Abenteuer wieder hier aufschreiben.

 

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