Banner Textschnipsel Nr. 3: Strandkörbchen und Wellenfunkeln

Eigentlich wäre es erst nächste Woche an der Zeit für einen neuen Textschnipsel, aber irgendwie habe ich heute schon so große Lust, euch einen weiteren Textausschnitt zu präsentieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade die Druckfahnen durchgehe und wieder mitten in der Geschichte bin. De möchte ich euch natürlich auch ein wenig teilhaben lassen. Zu eurer Orientierung: Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart und acht Jahre zuvor. Die beiden Hauptfiguren sind altersmäßig zehn Jahre auseinander und wir tauchen nun, wie ihr seht, in die Vergangenheit ein …

3. Kapitel

Acht Jahre zuvor

»Hey, Süße, was machst du denn hier draußen so alleine? Die Party steigt drüben am Ufer, nicht im Watt. Das solltest du doch wohl mitbekommen haben, immerhin bist du die Gastgeberin.« Mit einem heiteren Lächeln ging Lars auf die schlanke Gestalt im sexy kurzen, blauen Sommerkleidchen zu. Er war wie sie barfuß und hatte seine Bluejeans etwas hochgekrempelt, ebenso wie die Ärmel seines schwarzen Freizeithemdes.
Wenige Schritte hinter ihr blieb er stehen und genoss für einen Moment Luisas ansehnliche Rückseite und ihr lockiges blondes Haar, das sie heute mit einer Spange hochgesteckt hatte. Einzelne Löckchen ringelten sich in ihrem Nacken und auch hinter ihren Ohren.
Die Sonne ging gerade unter, färbte den Himmel in unzählige Schattierungen von Rot bis Violett und ließ die salzigen Wasserlachen auf dem Watt märchenhaft glitzern. Möwen schossen über ihren Köpfen hinweg, taumelten umher und stürzten sich immer wieder auf kleine Leckerbissen im Schlick.
»Ist das nicht ein wundervoller Sonnenuntergang?« Luisa sprach, ohne sich zu ihm umzudrehen. »Ich musste einfach für einen Moment damit allein sein.«
»Ich kann wieder gehen, wenn du deine Ruhe haben willst.«
»Red keinen Quatsch.« Noch immer drehte sie sich nicht um, doch sie lachte. »Du hast mich noch nie gestört.«
»Da bin ich ja froh und fühle mich direkt geschmeichelt, dass du mir erlaubst, deinen Sonnenuntergang mit dir bewundern zu dürfen.«
»Meinen Sonnenuntergang?« Noch immer gluckste sie. »Ich glaube nicht, dass er mir gehört.«
Er wusste, ihn ritt der Teufel, doch ihrer ungezwungenen Heiterkeit konnte er nicht widerstehen, deshalb trat er langsam dichter an sie heran. »Vielleicht nicht, aber auf jeden Fall ist er ebenso schön und bezaubernd wie du.«
»Jetzt greifst du aber ganz schön tief in die Komplimentekiste.« Als er so nah hinter ihr stand, dass sich ihre Körper leicht berührten, legte er ihr sachte die Hände auf die Schultern. Ein leiser aber unmissverständlicher Stich durchzuckte ihn, als Luisa sich ganz selbstverständlich mit dem Rücken gegen seine Brust und den Kopf an seine Schulter lehnte. »Womit habe ich denn diese Ehre verdient?«
Er schluckte, behielt aber den leichten, flirtenden Tonfall bei. »Ich sage nur die Wahrheit, nichts weiter. Dieses Kleid steht dir wahnsinnig gut.«
»Findest du?« Sie drehte ganz leicht den Kopf.
»Wenn du meine unmaßgebliche Meinung hören willst …«
»Unbedingt!«
»Das Teil ist höllisch heiß.«
Sie lachte, hob den rechten Zeigefinger an die Lippen, benetzte ihn leicht mit der Zunge und tippte sich dann mit der Fingerspitze gegen die nackte Haut ihres Dekolletés. »Zzz, Zzz«, witzelte sie.
Unwillkürlich verstärkte er den Griff um ihre Schultern ein wenig. »Exakt.« Nach einem kurzen Moment sprach er weiter: »Wie fühlst du dich jetzt, da du endlich volljährig bist?«
»Keine Ahnung.« Sie lehnte immer noch an seiner Brust, so selbstverständlich, wie sie sich schon als kleines Mädchen gerne an ihn gekuschelt hatte. Nur dass sie längst kein Kind mehr war. Ihr leises Lachen ging in ein Seufzen über. »Irgendwie überhaupt nicht anders als vorher und doch verändert.«
»Inwiefern verändert?«
»Weiß ich auch nicht. Oder doch, ich glaube, ich bin jetzt bereit, ein paar Entscheidungen zu treffen, für die ich erst erwachsen werden musste.«
»Volljährig meinst du. Denn auch mit achtzehn dürftest du noch nicht wirklich erwachsen sein.«
Sie kicherte. »Im Gegensatz zu dir aber ganz bestimmt.«
»Autsch!« Er zuckte übertrieben heftig zusammen, grinste dann aber. »Touché. Was für Entscheidungen sind das denn, wenn ich fragen darf?«
»Das wirst du schon noch erfahren.« Erneut drehte sie den Kopf so weit, dass sie ihn aus den Augenwinkeln ansehen konnte. »Vielleicht sollte ich jetzt wirklich wieder zurückgehen. Schließlich ist es ja tatsächlich meine Party. Es ist nur …«
»Was?«
Sie drehte sich zu ihm um und ließ es zu, dass er locker seine Arme um ihre Hüften legte. »Ich möchte nicht – zumindest noch nicht – hier weg.«
Seine Kehle verengte sich leicht, als er in ihre warmen braunen Augen blickte. »Dann bleib.« Er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme sich um einen Ton senkte und ein leicht raues Timbre annahm. »Wie du schon sagtest, es ist deine Party. Du kannst sie feiern, wo und wie du willst.«
Die untergehende Sonne stand jetzt genau hinter ihr und tauchte Luisa und alles um sie herum in rotgoldene Strahlen.
»Okay.« Sie lächelte leicht und an ihrer Halsschlagader konnte er ein schnelles, heftiges Pochen erkennen, dass ihm gefiel, ihn gleichzeitig aber auch im höchsten Maße alarmierte. »Weshalb bist du mir hier heraus gefolgt? Ich dachte, Alex hat dich zum Grilldienst abkommandiert.«
»Hatte er auch, aber dann haben ein paar Leute behauptet, er könne kein vernünftiges Steak grillen, und du kennst ja deinen Bruder. So einer Herausforderung muss er sich einfach stellen. Damit war mein Sklavendienst auch schon wieder beendet.«
»Typisch Alex.«
»Und da dachte ich, ich sehe mal nach, was das Geburtstagskind alleine draußen im Watt treibt, und gebe dir mein Geburtstagsgeschenk.«
»Du hast ein Geschenk für mich?« Ihre Augen leuchteten auf. »Aber du hast dich doch schon an dem großen Sparschwein für mein Studium beteiligt. Zumindest steht dein Name mit auf der Karte.«
Mit einem leichten Kopfschütteln lächelte er auf sie hinab. »Also zum Achtzehnten darf es dann ruhig schon auch noch ein bisschen was Besonderes sein. Bloß großartig eingepackt habe ich es nicht.« Er griff in seine Hosentasche und zog ein kleines dunkelblaues Samtbeutelchen hervor. »Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.«

 

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Luisa hat sich einen Traum erfüllt: Sie hat ihre eigene Tierarztpraxis eröffnet! Voller Hingabe beginnt sie nun, sich für ihre flauschigen Patienten einzusetzen. Da steht eines Tages Lars vor der Tür – ihre erste große Liebe. Im Arm hält er einen winselnden Golden-Retriever-Welpen. Luisa sieht sofort, wie dringend das Tier ihre Hilfe braucht. Wie gut, dass der Notfall sie von ihren Gefühlen für Lars ablenkt, die sofort wieder in ihr brodeln. Auf keinen Fall darf sie zulassen, dass dieser Mann ihr noch einmal das Herz bricht!

Cover Strandkoerbchen und Wellenfunkeln
Strandkörbchen und Wellenfunkeln

Petra Schier

MIRA Taschenbuch & eBook, 444 Seiten
ISBN 978-3745700053
9,99 € / eBook 8,99 €

Erscheint am 1. April 2019

 

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