Gastbeitrag von Britta Orlowski mit Textbeispielen

 

“Let’s talk about sex, Baby!” – Den Anstoß für diesen Beitrag lieferte meine DELIA-Kollegin Petra Schier. Klar, man könnte ihn so oder so auslegen: Doch was fällt mir dazu ein?

Ist Sex ein Thema in meinen Büchern? Ja. (unbedingt) Aber warum? Da musste ich eine Weile nachdenken. Ich persönlich krieche immer ganz tief in die Psyche meiner Protagonisten hinein, werde quasi eins mit ihnen. Das funktioniert nur, wenn ich sie von Grund auf kennenlerne. Ihre Gewohnheiten, Macken, Vorlieben, ihre Denkweise – einfach alles. Dazu gehört auch ihr Sexleben. Ich finde das wichtig. Ich möchte in den Köpfen meiner Leserinnen einen Film entstehen lassen. Der beginnt zunächst einmal in meinem eigenen Kopf.  Mit der Frage: Was finde ich sexy?

Duschszenen zum Beispiel.  Ich stelle mir einen gutaussehenden Kerl vor, der unter einem Wasserstrahl steht. Das klappt hervorragend. Das Duschen als solches verrät aber noch viel mehr an Hintergrundwissen für die Leserin. Der Typ ist sauber und (Trommelwirbel) er riecht gut. Somit spreche ich schon mal mehr als nur einen Sinn an. Das ist schön und gut, aber das reicht natürlich nicht aus. Ich muss ihm eine zweite Person an die Seite stellen. Oder, noch besser, eine Frau, die ihn (heimlich) beobachtet.

In fast all meinen Büchern habe ich Szenen,  in denen sie ihn beobachtet. Oder aber sie weiß, dass er hinter dieser Wand duscht und malt sich alles Mögliche aus. Das gibt mir als Autorin jede Menge Spielraum für meine Fantasie. Wichtig ist aber, dass ich immer wieder etwas Neues liefere. Sonst wird es langweilig. Natürlich erfinde ich dabei das Rad nicht neu.

Hier mal ein Auszug aus meinem ersten Roman („Rückkehr nach St. Elwine“ –  Liz jobbt und macht unter anderem in der Schulsporthalle sauber )

Bild Mann unter der DuscheAllmächtiger, sah er gut aus. Das blauschwarze Haar war noch feucht, auch auf seinem nackten Oberkörper glitzerten ein paar Wassertropfen. Die bronzefarbene Haut sah aus wie samtweicher Kakao, den jemand mit herrlich viel Sahne verrührt hatte. Ob seine Haut sich auch so samtweich anfühlte?
Sie schob sich nun doch dichter an ihn heran und spielte mit dem Gedanken, ihn kurz zu berühren. Nur ein einziges Mal. Es war ihr ein Leichtes, Versehen vorzutäuschen, aber dann traute sie sich doch nicht.
Er schien sie noch immer nicht zu bemerken und hatte bereits eine Hand am ohnehin tief sitzenden Handtuch, als sie sich endlich mit Nachdruck in die Realität zurückrief und sich zu erkennen gab. Fast wäre er vor Schreck in den Spind gefallen. Er errötete sogar. Wie niedlich.

 

Okay – das war nach dem Duschen. Aber die Szene suggeriert genau das, was ich bereits aufzählte.

Eine Saunaszene dient demselben Zweck. Erst recht mit einer Prise Humor. So, wie ich es in „Pampelmusenduft“ geschrieben habe:

»Na, wenn das so ist, dann geh du doch und serviere ihnen was zu trinken. Du traust dich nämlich ebenso wenig.«
»Von wegen, komm mit!«
»Das kannst du nicht machen, sei vernünftig.« Charly zupfte Liz am Ärmel ihrer Bluse. »Ich glaube dir, dass du es drauf hast.«
»Ganz genau.« Mit einem Ruck riss Elizabeth die Tür auf. »Hallo alle zusammen. Möchtet ihr was zu trinken?«
Josh grinste seelenruhig. Sein Handtuch lag strategisch günstig. Marc hatte, wie immer, keine Hemmungen und bestellte einen kühlen Drink. Orlando lag ohnehin aufdem Bauch. Lediglich ein flüchtiger Blick auf seinen Hintern war ihnen gegönnt. O‘Brian lümmelte in der Ecke, saß allerdings so eingeklemmt, dass nichts, aber auch gar nichts auf die Schnelle zu erhaschen war. Pech gehabt.

 

Oder eine Nuance schärfer. Manchmal muss das so sein – zum Beispiel bei meinem Reverend aus Spätsommersprossen:

Bild Dusch mit mir, Baby!Er brauchte jetzt eine Frau, die ihm Trost spendete, die ihn alles andere vergessen ließ. Eine weiche, anschmiegsame Frau, die fabelhaft duftete, die wusste, was ihm guttat, ohne dass er es lange erklären musste. Eine, die verfügbar war, die Sex mochte und keine Bedingungen stellte, eine wie Baylee Scott.
Er sagte es ihr nicht, ließ sie stattdessen allein zurück in der Küche und hastete zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppen hinauf in sein Badezimmer. Joel riss sich die Klamotten vom Leib und stellte sich unter die kalte Dusche.
Es nutzte nicht viel. Sein Schwanz blieb hart und schmerzhaft. Er tigerte im Bad hin und her, bis er von gegenüber das Rauschen von Wasser hörte.
Baylee Scott war hier. In seinem Haus. Im Pfarrhaus, suggerierte ihm Gott. Heilige Scheiße, na und? Joel machte sich nicht die Mühe, sich das Handtuch um die Hüften zu wickeln. Es war keine Zeit, was er brauchte, war Erlösung.
Was, wenn Baylee abgeschlossen hatte?
Nein, so war sie nicht. Wie erwartet ließ sich ihre Tür öffnen. Muffin bellte kurz, und er entdeckte das Tier im Bett. Verschwinde.
Mit wenigen Schritten durchmaß er den Raum und riss die Tür zum Badezimmer auf. Sie war nur angelehnt. Als sie die Duschkabine öffnete, breitete sich schlagartig heißer Dampf aus. »Es ist nicht so, dass ich dich nicht erwartet hätte, Reverend DeLuca.«

 

Natürlich ist alles so viel  schöner, wenn man den Roman der Reihe nach  liest. Mit der kompletten Vorgeschichte. Erst dann fühlt es sich so schön rund an, stimmig. Fügt sich zu einem Ganzen. Einzelne Szenen sind sexy und frech. Erst in der Gesamthandlung entsteht echte Erotik. Zumindest geht es mir so.

Oder wie seht ihr das?

 


Mit acht Jahren gründete Britta Orlowski ihren eigenen Verlag und war Autor, Setzer, Illustrator und Buchbinder in einer Person, bevor sie im Jahr 2008 nach vielen Anläufen den ersten Verlag fand, der ihren Debütroman schließlich heraus brachte.
In der Zwischenzeit absolvierte sie erfolgreich ihre Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten und gründete eine Familie. Da sie in einer Zahnarztpraxis leider keine Geschichten erfinden durfte, widmete sie sich nach mehr als zwanzigjähriger Tätigkeit dort ganz ihrem Traumjob und wurde Buchautorin. Inzwischen arbeitet sie  in einer Arztpraxis und lebt ihre Liebe zu Büchern trotzdem aus.
Wenn sie nicht gerade Quilts näht, tummelt sie sich in ihrem geliebten Garten und/oder schreibt am nächsten Buch. Bekannt ist ihre St. Elwine Serie, aber auch die Romane mit dem Schauplatz Havelland.

Homepage der Autorin: https://britta-orlowski.de/

 

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Romane von Britta Orlowski, aus denen hier zitiert wurde:

Cover Rückkehr nach St. Elwine Cover Pampelmusenduft Cover Spätsommersprossen

 

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