Kuss bei Sonnenuntergang

 

Vor einem Monat gab es den ersten Textschnipsel, nun endlich den zweiten. Ausgewählt habe ich ihn aufgrund eines Votings in meiner Facebook-Gruppe Petras Welt – Lounge für die Leser/innen der Autorin Petra Schier/Mila Roth. Dort hatte ich zur Auswahl gestellt, ob ihr als nächstes lieber etwas Weihnachtliches oder etwas Historisches lesen möchtet. Weihnachten lag ganz knapp vorne, vermutlich wegen des heißen Wetters. Man wünschte sich eine (winterliche) Abkühlung. Die historische Fraktion hingegen fragte nach “hot”. Heiß also. Also habe ich schlussendlich beides miteinander kombiniert.

Was dabei herausgekommen ist? Lest selbst! Und wenn ihr möchtet, beantwortet mir gerne auch die Fragen, die ich unten angefügt habe. Entweder hier im Blog und/oder auch auf meinem entsprechenden Post auf meiner Facebook-Seite, den ihr HIER findet.

Aber erst einmal der Textschnipsel:

»Meine Oma Finchen, das war die Mutter meiner Mutter, hatte ein tolles Rezept für heiße Schokolade. Es geht ganz einfach…«
»Finchen? Sagtest du nicht mal, deine Großmutter hieß Ottilie?«
»Das war meine Urgroßmutter. Meine Oma hieß Finchen, also eigentlich Josefine. Die Eltern meines Vaters habe ich nie kennengelernt. Sie sind schon vor meiner Geburt gestorben –bei einem Unfall.«
Mitfühlend verzog Justus das Gesicht. »Das ist tragisch. Und du hast nicht einen anderen lebenden Verwandten?«
»Doch, zwei entfernte Cousinen, aber die leben im Ausland und haben sich nie für mich interessiert. Das Jugendamt hat sie damals ausfindig gemacht, aber keine von ihnen wollte mich aufnehmen.«
»Dann verdienen sie die Bezeichnung Familie nicht.« Sichtlichbetroffen schüttelte Justus den Kopf. »Die Hartherzigkeitmancher Menschen begreife ich einfach nicht.«
»Weil du in einer Familie aufgewachsen ist, für die Hilfsbereitschaft eine Selbstverständlichkeit ist. Für meine Eltern war sie das auch, und ganz bestimmt auch für meine Oma. Ich kann mich noch gut an sie erinnern. Aber sonst …« Sie zuckte mit den Achseln. »Schwamm drüber.«
»Nein.« Unvermittelt trat er auf sie zu und umfasste sanftihre Oberarme. »Nicht, wenn es dich noch immer so sehr belastet. Hast du später noch einmal versucht, Kontakt zu diesen Cousinen aufzunehmen?«
»Nein, wozu? Sie wollten mich nicht, das ist alles, was ichwissen muss.«
Er nickte langsam. »Dafür hast du jetzt Angelique.«
»Ja.«
»Und mich.«
Erschrocken hob sie den Kopf.
Er schmunzelte. »Das war zu vorschnell, oder? Uns. Ich meinte uns. Den Sternbach-Clan. Du brauchst nicht in Panik zu verfallen.«
»Das tue ich doch gar nicht.« Ihr Herzschlag hatte sich verdreifacht und strafte ihre Worte Lügen, indem er sich an ihrer Halsschlagader deutlich zeigte. Verräterische Wärme stieg ihr in die Wangen. Unsicher blickte sie hinüber zur Küche. »Es dauert wirklich nicht lange, bis die heiße Schokolade fertig ist.«
»Erst willst du mir Gewalt antun und jetzt vor mir davonlaufen.«
Sie blickte an ihm vorbei. »Das stimmt doch gar nicht.«
»Doch, du vibrierst geradezu vor Anspannung, aus Angst, ichkönnte die Situation ausnutzen.«
Sie spürte, wie er sie musterte, und konnte seinem Blick schließlich nicht mehr ausweichen. Ihr stockte der Atem, und ein Schwarm Schmetterlinge flatterte in ihrem Bauch auf. »Du hast versprochen, es nicht zu tun.«
»Habe ich das? Falls dem so sein sollte, muss ich mir wohljetzt schnell überlegen, ob es das wert ist, das Fegefeuer aufmich zu nehmen, wenn ich dieses Versprechen breche.«
»Ist es nicht.« Sie schluckte hart, kam aber nicht gegen das wilde Pochen ihres Herzens an, das ihr bis in die Kehle stieg. »Es ist spät. Vielleicht solltest du lieber gehen. Nachts irgendwelche übereilten Dinge zu tun ist nie gut.«
»Was hat das mit der Tageszeit zu tun?« Verblüfft legte erden Kopf etwas schräg.
Sie hob die Schultern. »Nachts ist irgendwie alles anders. Ist dir das noch nie aufgefallen? Vielleicht liegt es daran, dass die Welt im Dunkeln liegt oder … was weiß ich. Die Nacht macht alles unwirklich. Deshalb wäre es besser, wenn …«
»Das ist ein interessanter Gesichtspunkt«, unterbrach er sie. »Nachts ist alles unwirklich?«
»So fühlt es sich für mich jedenfalls an. Das war schon immerso.«
»Hast du denn schon einmal nachts etwas getan, das du am nächsten Morgen bereuen musstest?«
»Nein, aber die Gefahr ist nachts größer als im Hellen.«
»Aha.« Auf seinen Lippen erschien ein fast unmerkliches Lächeln. »Dann fußt deine Einschätzung also lediglich auf Hörensagen und Fantasie. Vielleicht sollten wir uns das zunutze machen.« Nun lächelte er wirklich.
»Wie meinst du das?« Misstrauisch versuchte sie, vor ihm zurückzuweichen, stieß jedoch nach zwei Schritten gegen denTisch.
Justus folgte ihr, bis er dicht vor ihr stand und ihre Körper sich leicht berührten. »Wenn du sagst, dass nachts alles unwirklich ist, dann passiert das hier vielleicht in Wahrheit gar nicht.« Er hob die rechte Hand und strich ihr eine Haarsträhne hinters Ohr. Dort, wo er dabei ihre Wange berührte, kribbelte Lauras Haut alarmierend.
»Justus …« Da sie nicht weiter zurückweichen konnte, blieb sie ruhig stehen und blickte wie gebannt in seine grauen Augen. »Nicht.«
Er hielt dicht vor ihrem Gesicht inne. »Auch nicht, wenn es vollkommen unwirklich ist?«
Sie spürte seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht und ein heftiges Ziehen in ihrer Magengrube. Ob er die kurze Distanz geschlossen hatte oder sie, wusste sie nicht, doch im nächsten Moment lagen ihre Lippen auf seinen, und ein heftiger Stich, gefolgt von einem zehrenden Brennen, schoss durch sie hindurch. Justus zog sie in seine Arme und ließ seine Rechte in ihr Haar gleiten. Sein Mund war weich und fest zugleicht und liebkoste ihren erst sanft, dann immer fordernder.
Obwohl sämtliche Alarmglocken in ihrem Kopf Sturm läuteten, erwiderte sie den Kuss, anfangs noch zögernd, doch bald schon ebenso leidenschaftlich wie er. Ihre Knie schienen sich in eine weiche, zitternde Masse verwandelt zu haben, deshalb krallte sie ihre Finger in sein Hemd, um nicht den Halt zu verlieren.
Sie atmeten beide schwer, als sie sich schließlich voneinander lösten. Laura wollte zur Seite treten, doch er hielt sie fest, zog ihren Kopf sanft gegen seine Schulter und wartete, bis sie sich allmählich entspannte. Ihr Herzschlag wollte sich nicht so schnell beruhigen.
»Du hast recht«, raunte er dicht an ihrem Ohr und sandte damit heiße Schauer über ihren Körper. »Vollkommen unwirklich. Überhaupt kein Grund zur Sorge. Morgen ist bestimmt alles wieder ganz normal.«

Und jetzt ihr:

Was glaubt ihr? Hat Laura recht? Ist nachts alles unwirklich oder “anders”? Trifft man “im Dunkeln” lieber keine Entscheidungen? Habt ihr vielleicht schon mal abends oder nachts etwas getan, das ihr am hellen Tag bereut habt (oder vielleicht auch gerade im Gegenteil)?

Ich bin gespannt auf eure Antworten. Entweder gleich hier in den Kommentaren oder, wie oben erwähnt, gerne auch in meinem entsprechenden Facebook-Post.

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