Aller guten Dinge sind … sieben. Sieben Textschnipsel und auch nur noch sieben Tage, bis Körbchen mit Meerblick endlich in den Buchhandel kommt. Ich bin schon ganz hibbelig und aufgeregt und möchte euch diesmal als allerletzten Textschnipsel einen Ausschnitt präsentieren, über den ich vor einer Weile schon mal etwas angedeutet habe. Erinnert ihr euch an DIESEN Blogartikel über “Im singin’ in the rain” und einen Gartenschlauch? Falls nicht, solltet ihr ihn vielleicht rasch noch mal lesen (und ansehen), bevor ihr euch über den Textschnipsel hermacht. ;-)

Okay, wieder zurück? Dann viel Spaß mit der folgenden Szene:

„O nein, mein Fräulein. Dich lasse ich so auf gar keinen Fall ins Haus, das kannst du vergessen.“
Warum denn nicht? Bloß weil ich ein bisschen schmutzig bin? Du doch auch.
„Du kannst mich angrinsen, Schoki, aber trotzdem muss ich dich erst mal irgendwie sauber kriegen.“ Suchend sah Melanie sich um und ging dann zum Schuppen. „Am besten schließe ich den Gartenschlauch an und dusche dich.“
Oh, noch mehr Wasser? Wie toll, das liebe ich. Immer zu! Schoki wedelte begeistert mit der Rute und schüttelte sich zum wiederholten Mal, sodass kleine angetrocknete Schlickbröckchen umherflogen. Melanie holte rasch den Schlauch und schloss ihn an dem Hahn an, der sich gleich neben dem Kücheneingang befand. Dann schraubte sie die Regenbrause auf und rief Schoki zu sich. Die Hündin kam brav angetrabt und bellte
begeistert, als das kalte Wasser sie traf.
Ha, toll, ich liebe dich, Mel. Erst im Watt spielen und dann eine schöne Dusche. Können wir das jeden Tag machen? Wie ein Derwisch sprang Schoki im Kreis herum, versuchte,
nach dem Wasserstrahl zu schnappen, und schüttelte sich immer wieder. Schon nach kürzester Zeit war Melanie erneut komplett durchnässt, doch es war ihr gleich. Hier im Garten konnte niemand sie sehen, also hielt sie die Brause auch immer wieder so,
dass sie selbst von dem Wasserstrahl getroffen wurde. Schoki schien die ganze Prozedur zu gefallen. Immer wieder sprang sie an Melanie hoch und versuchte, ebenfalls möglichst viel von dem kalten Nass abzubekommen.
Melanie musste erst kichern, dann so heftig lachen, dass ihre bereits überbeanspruchten Bauchmuskeln zu schmerzen begannen. „Du bist total verrückt, Schoki, weißt du das?“
Na und? Du doch auch. Macht Spaß, oder?
„Und ich auch. Echt. Ich rede mit einem Hund. Fehlt noch, dass ich anfange zu singen.“ Sie gluckste bei dem Gedanken. „Wie wäre es mit einem Tänzchen, Schoki?“
Tänzchen? Was ist das?
Melanie hielt den Wasserstrahl senkrecht nach oben, sodass sich eine Art Sprühregen über ihnen ergoss. Sie drehte sich hüpfend im Kreis und kam sich herrlich albern dabei vor. „I’m singin’ in the rain“, trällerte sie kichernd. „Los, tanz mit, Schoki!“
Was? Wie jetzt? Im Kreis springen und Wassertropfen fangen? Klar, das kann ich. Jau!
Freudig kläffend stimmte Schoki in Melanies Gesang ein und sprang wild um sie herum. Dabei versuchte sie, die Wassertropfen aufzuschnappen. Das brachte Melanie erneut derart zum Lachen, dass sie irgendwann einfach den Schlauch sinken und sich selbst auf das unebene Natursteinpflaster fallen ließ. Schwer atmend hielt sie sich die Seiten und versuchte, sich zu beruhigen. Doch das war gar nicht so einfach. Schoki schien ihre sitzende Position als Aufforderung zu einem neuen Spiel aufzufassen. Sie stieß Melanie immer wieder an, zupfte an ihren nassen Klamotten und versuchte, sie abzulecken.
„Nicht, Schoki, ich kann nicht mehr. Hör auf, bitte.“ Rasch drehte Melanie die Brause zu, denn mittlerweile hatte sich eine regelrechte Pfütze um sie herum gebildet.
Na gut, dann spielen wir eben jetzt nicht mehr. Aber ich würde gerne mit dir schmusen.
„Hey, was denn jetzt? Willst du kuscheln? Aber wir sind klatschnass!“ Protestierend hob Melanie die Hände, ließe sie aber gleich wieder sinken, als Schoki umständlich auf ihre Beine krabbelte und den Kopf in ihren Schoß drückte.
Ich liebe dich, Mel. Du bist jetzt mein Mensch, ja? Es ist so schön, dir ganz nah zu sein.
„Oh.“ Melanie wusste zunächst nicht, wie sie reagieren sollte. Schoki drückte sich ganz fest an sie und leckte immer wieder über ihren Arm. „Okay, wenn du meinst.“ Etwas unbeholfen und leicht nervös streichelte sie die Hündin, die daraufhin wohlige
Fiepslaute ausstieß und sich auf den Rücken drehte, den Kopf nach wie vor in ihrem Schoß.
Melanie streichelte sie weiter und fand allmählich Gefallen daran, ihre Hände in dem weichen feuchten Fell zu vergraben. „Wir sind schon zwei verrückte Weiber, was?“
Wenn du es sagst. Hach, ist das schööön. Bitte nicht aufhören zu kraulen! Schoki drehte sich noch mal und robbte dann so eng an Melanie heran, dass diese fast hintenüber kippte. Ungeachtet der Tatsache, dass sie mitten in einer Wasserlache und halb auf dem Rasen, halb auf dem Steinweg saß, legte sie sich hin und spürte, wie Schoki sich der Länge nach an ihre Seite kuschelte. Spontan nahm sie die Hündin in den Arm und ließ den Kopf ins Gras sinken. Schoki leckte ihr über die freie Hand, mit der sie sie an Hals und Kopf kraulte.
Oh, das ist sooo schön, Mel. Hach. Ich bin im siebten Hundehimmel.
Merkwürdig, dachte Melanie. Ich habe gar keine Angst mehr vor Schoki. Anscheinend mag sie mich. Und ich sie.
Ein warmes Gefühl strömte in ihren Bauch und breitete sich nach allen Seiten aus. Es war angenehm und beängstigend zugleich, doch sie hatte nicht die Kraft, sich dagegen zu wehren. Dazu war sie eindeutig zu erschöpft.
Träge blickte sie in den allmählich dunkler werdenden Abendhimmel hinauf. Es musste inzwischen fast zehn sein. Die Sonne war bereits untergegangen, hatte dem Himmel aber noch nicht ganz alle Farbe genommen, ein paar Wolken segelten träge vorüber.
Dazwischen versuchten die allerersten Sterne, ihr Licht zur Erde zu senden. Es war ein wunderschöner lauer Abend. Vielleicht würde sie einfach noch ein Weilchen hier liegen bleiben und hoffen, dass sie sich davon keine Erkältung zuzog.
„Ich wusste es.“ Melanie zuckte zusammen, als die tiefe, sanfte Stimme sie aus ihren Gedanken riss. Mit einem breiten Grinsen blickte Alex auf sie hinab. „Du bist ein Freak.“
„Was? Oh, mein Gott.“ Wie von der Tarantel gestochen sprang Melanie auf und starrte entsetzt in Alexanders lachende Augen. „Wo kommst du denn auf einmal her? Schoki, warum hast du mich denn nicht gewarnt?“
Wozu? Ist doch bloß Alex. Hallo, Alex, wie schön, dich zusehen. Willst du auch mit mir schmusen? Aufgeregt tänzelte Schoki jetzt um Alex herum.
„He he, nicht doch, Schoki, du bist ja ganz nass. Sitz!“
Na gut, wenn es sein muss. Trotzdem freue ich mich wie verrückt, dich zu sehen.
Alex tätschelte Schoki lobend am Hals, als sie seinem Befehl folgte und nur die Rute weiterhin in Bewegung blieb, ließ seinen Blick jedoch weiterhin auf Melanie ruhen. „Guten Abend, Mel. Ich hab euch beide vorhin auf meiner Joggingrunde gesehen und war mir nicht ganz sicher, ob ihr von Schlammmonstern überfallen worden seid oder einen Unfall hattet. Wie ich jetzt feststelle, ist keins von beidem der Fall.“

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Körbchen mit Meerblick
Petra Schier

MIRA Taschenbuch, 336 Seiten
ISBN: 978-3-956495-76-2
9,99 €

Auch als eBook erhältlich.
Erscheint am 10. Juni 2016

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