Freitag der 13.

Pfingsten steht vor der Tür.

Das Wetter soll kalt und ungemütlich werden.

Da braucht ihr unbedingt was zum Aufwärmen, nicht wahr? Deshalb habe ich etwas Passendes für euch, das die Eisheiligen, falls sie euch schon erwischt haben, ganz sicher im Handumdrehen vertreiben wird.

Diesmal habe ich mit eine Textstelle aus dem 9. Kapitel herausgesucht, denn da könnt ihr auch einen kurzen Blick auf Deana werfen. Sie ist eine wichtige Nebenfigur im Roman. Ihr werdet sie ganz bestimmt mögen, auch wenn sie hier nur ganz kurz zu Wort kommt und dann ganz schnell den Rückzug antritt. Warum?

Lest selbst! ;-)

Deana räusperte sich. „Natürlich warten nun alle gespannt darauf, was aus Sybillas Schatztruhe wird, immerhin arbeiten wir mit den meisten Partnern schon seit vielen Jahren zusammen. Sybilla kannte jeden Künstler persönlich. Für Mitte August ist übrigens noch eine kleine Ausstellung von Kristallkunstwerken geplant und kurz darauf eine Autorenlesung. Ich wollte die Termine nicht absagen, ohne Sie vorher zu fragen.“
„Ja, also, ich weiß auch nicht …“
Mel, Mel, Mel!
Ein fröhliches Bellen unterbrach sie. Schoki kam wie ein Wirbelwind um die Hausecke gesaust und sprang Melanie vor Wiedersehensfreude beinahe auf den Schoß.
Endlich, da bist du ja. Ich hab dich so lange nicht gesehen. Und wieder riechst du so gut und sind das da etwa Kekse?
„Hey, nicht! Die sind nicht für dich.“ Hastig schob Melanie den Teller mit dem Gebäck außer Reichweite der Hündin und versuchte gleichzeitig, deren überschwängliche Begrüßung abzuwehren. „Wo kommst du denn überhaupt her? Bist du Christina etwa schon wieder ausgerissen?“
„Nein, diesmal habe ich sie entführt.“ Unbemerkt war Alexander aufgetaucht und lächelte erst Melanie zu, dann Deana. „Wie ich sehe, komme ich gerade rechtzeitig zu Tee und Keksen. Nein, Schoki, die sind nicht für dich. Schau mal, ich habe einen Kauknochen für dich.“ Er hielt einen bereits angenagten Knochen vor die Nase der Hündin.
Och, nur den Knochen? Na gut, besser als nichts. Aber ihr könntet ruhig wenigstens einen Keks runterfallen lassen. Sind doch so viele auf dem Teller.
Schoki nahm ihm den Kauknochen ab und rollte sich neben dem Gartentisch zusammen.
In Melanie war bei Alexanders Anblick unvermittelt eine gefährliche Hitze aufgestiegen. Die Erinnerung an ihre letzte Begegnung war sofort wieder so lebendig, als wäre seither nicht eine ganze Woche vergangen. An seinem Lächeln und seinem Zwinkern erkannte sie, dass er genau wusste, woran sie dachte. „Gibt es einen Grund für deinen Besuch?“ Ihre Stimme klang eine Spur zu spröde, fand sie, aber wenigstens gehorchte sie ihr.
„Ich habe vorhin Carola von der Touristeninfo getroffen und sie erzählte mir, dass du dir Prospekte über Ausflugsfahrten mitgenommen hast. Da dachte ich, ich komme kurz vorbei und biete dir eine Fahrt mit meinem ganz persönlichen Ausflugsdampfer an.“
„Mit deinem was?“ Verblüfft starrte sie ihn an.
Er lachte. „Na ja, eigentlich ist es weniger ein Dampfer, sondern vielmehr eine 42 Fuß Ketsch. Warst du schon mal Segeln?“
Ihre Augen verengten sich eine Spur. „Was glaubst du denn?“
„Ein kleiner Segeltörn? Das würde mir auch gefallen.“ Bei Alex‘ Ankunft hatte Deana sich erhoben und nun umarmte sie ihn kurz, aber herzlich. „Aber du hattest sicher nicht im Sinn, eine alte Schachtel wie mich einzuladen.“
„Aber Deana, wo bist du den eine alte Schachtel? Wenn Melanie keine Lust hat, nehme ich dich mit Kusshand mit auf einen Törn. Wenn du willst, bis nach Dänemark und zurück.“
„Von dort komme ich doch gerade.“ Scherzhaft schlug sie gegen seinen Arm. „Und zweite Wahl, mein Lieber, möchte ich auch nicht sein. Das möchte kein Mädchen, ob jung oder alt, merk dir das.“ Sie wandte sich an Melanie. „Abgesehen davon werden Sie doch ganz sicher bei solch einem Angebot nicht nein sagen. Die Meerjungfrau ist ein wundervolles Segelboot. Sie werden einen Heidenspaß haben, das versichere ich Ihnen. So ein privater Ausflug ist doch viel schöner als ein überfülltes Ausflugsboot.“ Sie drückte kurz Melanies Hand. „Das ist übrigens mein Stichwort. Ich habe noch ein paar Besorgungen zu machen. Rufen Sie mich einfach an, wenn Sie beschließen, den Laden aufzumachen. Sie erreichen mich auch am Sonntag unter meiner Handynummer.“ Sie reichte Melanie eine Visitenkarte. „Danke für den Eistee und die Kekse. Und für das nette Gespräch. Ich bin sicher, wir werden uns gut verstehen. Also bis dann, bye bye!“ Sie winkte und war kurz darauf um die Hausecke verschwunden.
Verlegen räusperte Melanie sich. „Sie ist nett.“
„Das ist sie.“ Alex trat einen Schritt auf sie zu. „Ihr habt euch also über Sybilla unterhalten? Hast du ein paar Antworten auf deine Fragen erhalten?“
„Ja, aber dafür habe ich jetzt neue Fragen.“ Sie zuckte die Achseln. „Du brauchst mich nicht zu einem Ausflug einzuladen. Ich habe diese Prospekte nur mitgenommen, weil …“
„Weil du ein bisschen Zeit totschlagen möchtest? Und deinen Urlaub genießen? Von beidem etwas?“ Er grinste. „Ich bin in beiden Fällen gerne behilflich. Die Meerjungfrau liegt außerdem schon ziemlich lange ungenutzt im Hafen. Es wird Zeit, dass sie mal wieder ein bisschen Seegang zu spüren bekommt. Morgen soll das Wetter sonnig und warm werden, mit gerade der richtigen Windstärke. Na, was sagst du?“
„Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.“ Plötzlich wurde sie sich bewusst, dass sie noch immer die schmutzige Gartenschürze über ihren blauen Shorts und dem grauen T-Shirt trug. Hastig nahm sie sie ab und legte sie über eine der Stuhllehnen.
„Warum sollte das keine gute Idee sein? Fürchtest du, ich könnte dich noch einmal küssen?“
Eine neue Hitzewelle breitete sich in ihr aus.
Alex trat noch einen Schritt näher. „Die Chancen stehen gut, dass das geschehen könnte. Allerdings brauche ich dazu keinen Segeltörn als Ausrede. Obwohl mir die Vorstellung, dass du von dem Boot nicht flüchten kannst, ausnehmend gut gefällt.“ Ehe sie reagieren konnte, hatte er sie an sich gezogen.
Erschrocken rang sie nach Atem, als ihr Körper gegen den seinen prallte. „Alex, das …“
„Wir können Schoki mitnehmen, als Anstandsdame.“
Ihr Blick wanderte zu der Hündin, die hingebungsvoll an ihrem Kauknochen nagte und nicht einmal den Kopf hob, als ihr Name fiel. „Ich will die Sache nicht verkomplizieren.“
Alex grinste noch immer. „Ich sehe nicht, was an einem Ausflug mit meinem Segelboot kompliziert sein soll, Mel. Wir fahren gegen Mittag raus, verbringen ein paar nette Stunden auf dem Wasser und kehren zurück, bevor uns das Niedrigwasser erwischt. Ich kenne alle Touristenattraktionen im näheren und weiteren Umkreis und kann dir, wenn gewünscht, sogar einen Vortrag über die Bewohner der Nordsee halten. Während meiner Schulzeit und während des Studiums habe ich immer wieder mal als Touristenführer gearbeitet. Auch auf den großen Ausflugsschiffen. Glaub mir, ich bin zu hundert Prozent qualifiziert, dir das volle Programm zu bieten.“
Sie schluckte. Die unmittelbare Nähe seines Körpers und die Kraft, die seine harten Muskeln ausstrahlten, benebelten ihre Sinne ein wenig. „Das volle Programm, ja?“
„O ja. Vielleicht auch ein paar Extras. Natürlich nur auf Wunsch.“
„Wessen Wunsch?“
„Das kommt ganz darauf an.“ Seine haselnussbraunen Augen funkelten verschmitzt. Sein Haar trug er heute ausnahmsweise offen, was ihm ein verwegenes Aussehen verlieh und ihre Hormone noch mehr durcheinanderbrachte. „Wie wäre es mit einem kleinen Vorgeschmack und dann kannst du entscheiden, ob du das Standard- oder das Premiumpaket buchen möchtest.“
Ehe sie darauf etwas erwidern konnte, hatten sich seine Lippen bereits auf ihre gesenkt. Ihr Herz machte einen Satz und schlug dann heftig gegen ihre Rippen. Ihr wurde ganz schwindelig von seiner Nähe. Sie konnte sich nicht erinnern, dass die Gegenwart eines Mannes sie jemals derart schnell und vollständig aus der Fassung gebracht hätte. Er küsste sie langsam und liebevoll und brachte jedes einzelne ihrer Nervenenden zum Vibrieren. Seine Zungenspitze strich auffordernd über ihre Unterlippe. Mit den Händen strich er von ihren Schultern hinab über ihren Rücken und hielt an ihrer Taille inne. Wohlig-heiße Schauder durchrieselten sie, als er den dünnen Stoff ihres T-Shirts hochschob, und ihre nackte Haut berührte.
Schon ließ er seine rechte Hand hinauf zu ihrer Brust gleiten, und legte sie sanft und begehrlich zugleich um die weiche Rundung. Ihre Brustwarze richtete sich auf, als er über den spitzenbesetzten Stoff ihres BHs strich.
Melanie stockte der Atem, als pure Lust sie übermannte. Gleichzeitig schrillte eine Alarmglocke in ihrem Kopf. Das ging alles viel zu schnell. Eben noch hatte sie mit Deana Eistee getrunken, im nächsten Moment ließ sie sich von Alex küssen, dass ihr Hören und Sehen verging.
Er schien ihre Verwirrung zu spüren, denn er verringerte den Druck seiner Lippen und löste sie schließlich von ihrem Mund. Seine Hand jedoch ließ er, wo sie war, und streichelte sachte weiter. Sein Atem ging wie der ihre in unregelmäßigen Stößen, doch er lächelte. „Ich plädiere für das Premiumpaket.“

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Über Fragen, Kommentare, Anregungen usw. würde ich mich wie immer sehr freuen.

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