Jetzt, da ihr wisst, wie das Cover für meinen neuen Weihnachtsroman aussieht und wie der Vorschautext lautet, möchte ich euch auch einen ersten Textschnipsel anbieten. Ich rede auch gar nicht lange um den heißen Brei herum. Aber wie immer solltet ihr bedenken, dass dies die noch vollkommen unlektorierte Version ist. Tippfehler, Wortwiederholungen und sprachliche Unebenheiten dürft ihr suchen, finden und behalten. ;-)

1. Kapitel

»Melanie? Ich habe dir einen Salat und einen Frischkäsebagel mitgebracht.« Edith Grün hatte die Glastür zum Büro mit dem Ellenbogen aufgestoßen und stellte nun eine weiße Papiertüte mit dem Essen auf Melanies Schreibtisch ab, bevor sie ihr eigenes Mittagessen auszupacken begann.
Melanie nickte ihr zu und hob kurz die Hand. Sie hatte den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter geklemmt und tippte eine E-Mail, während sie der Stimme an anderen Ende der Leitung lauschte. »Ja genau. Nein, das ist nicht akzeptabel. Wir haben die Scharniere bereits vor zehn Tagen in Auftrag gegeben.« – »Das mag ja sein, aber Urlaubszeit ist anscheinend immer. Zumindest immer dann, wenn nicht gerade Grippezeit ist. Wir benötigen die Lieferung bis zum zwanzigsten, andernfalls stornieren wir die Bestellung und werden uns einen anderen Lieferanten … Was? Ja, selbstverständlich auch für alle zukünftigen Aufträge.« – »Ich schicke Ihnen die Aufstellung samt aller Maßangaben sofort als E-Mails, nur für den Fall, dass Sie die Daten Ihres Kollegen nicht finden sollten.« Oder wollen, dachte sie mit einem grimmigen Stirnrunzeln. »Danke sehr, Herr Lotbrink. Ich erwarte die Bestätigung über den Erhalt der Mail innerhalb einer Stunde. Und eine pünktliche Lieferung.« – »Das ist nicht mein Problem, Herr Lotbrink. Sie wissen so gut wie ich, dass es auch noch andere Anbieter für maßgefertigte Scharniere gibt. Guten Tag.« Melanie beendete das Gespräch, tippte einen letzten Satz in das Mailformular und klickte auf Senden. Dann atmete sie tief durch und lehnte sich erleichtert auf ihrem Stuhl zurück.
»Schon wieder Lieferprobleme bei den Scharnieren?« Edith warf ihr einen mitfühlenden Blick zu. »Du solltest dem Chef nahelegen, die Zusammenarbeit mit Lotbrink zu beenden.«
»Das habe ich soeben getan.« Melanie lächelte schmal. »Und ich habe auch schon einen Ersatz gefunden. Das Angebot der neuen Zulieferfirma liegt mir bereits vor. Trotzdem soll Lotbrink nicht meinen, wir würden ihn aus der Sache so einfach herauslassen.« Sie schnüffelte. »Hm, das riecht lecker. Ist die Hähnchenbrust etwa noch warm?«
»Was dachtest du denn? Olivier hat den Salat ganz frisch zubereitet. Selbst der Bagel kam gerade aus dem Ofen. Also iss jetzt und vergiss mal für eine halbe Stunde die Arbeit.«
»Zwanzig Minuten, höchstens. Ich muss noch eine Aufstellung über die neuen Angebote für Türbeschläge …«
»Mittagspause, Melanie!« Edith hob mahnend den Zeigefinger. »Schalt mal einen Gang runter.«
»Aber die neue Produktlinie kann nicht starten, wenn ich nicht …«
»Melanie.« Streng schüttelte Edith den Kopf. »Du bist vielleicht die Chefeinkäuferin von Brungsdahl Möbel, aber deshalb hängt das Schicksal der Firma nicht davon ab, dass du auf deine Pausen verzichtest.« Sie klappte den Behälter mit ihrem Salat auf und griff nach der Palstikgabel. »Oder überhaupt auf deine Freizeit. Wie lange warst du gestern noch im Büro? Dein Überstundenkonto muss doch schon beinahe explodieren. Mich wundert, dass Brungsdahl senior das mitmacht.«
Melanie zuckte die Achseln. Der Junior hat darauf bestanden, dass alle Bestellungen für die kommenden Projekte Punkt für Punkt überprüft und mit der Arbeitsvorbereitung getimt werden. Das hat nun mal gedauert. Seit die neue Abteilung für Büromöbel so richtig läuft, kommen fast täglich neue Bestellungen rein. Meistens von großen Unternehmen. Ich kann verstehen, dass der Chef alles reibungslos abgewickelt sehen will.«
»Aber nicht auf Kosten deiner dir zustehenden Freizeit.« Kopfschüttelnd machte Edith sich über ihren Salat her. »Ein bischen Privatleben braucht der Mensch schließlich auch.«
Melanie dachte an ihre kleine Zweizimmerwohnung im fünften Stock eines Neubaus am Rand von Köln-Nippes, in der nichts als ihre von Brungsdahl gefertigte Designermöbel sie erwarteten. »Ich habe keine Zeit für ein Privatleben.«
»Sag ich doch!« Edith hatte mit halbvollem Mund gesprochen. »Entschuldige, ich habe einen Riesenhunger. Du solltest mal wieder unter Leute gehen. Wann hattest du zuletzt ein Date? Und damit meine ich nicht die Geschäftsessen, zu denen dich Brungsdahl junior dauernd einlädt, um dir noch mehr Arbeit schmackhaft zu machen. Der Mann ist ein Sklaventreiber im Armanianzug.«
Melanie, deren letztes Treffen mit einem Mann fast auf den Tag genau zehn Monate zurücklag, widmete sich nun demonstrativ ebenfalls ihrem Salat und dem verführerisch duftenden Bagel. »Ich konzentriere mich im Moment lieber auf meinen Beruf, das weißt du doch, Edith.«
»Das ist doch Quatsch und bloß eine Ausrede, weil du zwei- oder dreimal Pech hattest und die Typen, mit denen du ausgegangen bist, nur auf einen One-Night-Stand aus waren. Nicht alle Männer sind so.«
Darauf antwortete Melanie nichts. Sie konnte ihrer Kollegin, die seit drei Jahren glücklich mit ihrem Traummann verheiratet war und fest an die große Liebe und Happyends glaubte, schließlich nicht gut sagen, dass sie dieses »Pech«, wie Edith es nannte, ganz bewusst provoziert hatte. Sie war es gewesen, die sich mit Bedacht immer nur solche Männer für ihre gelegentlichen Dates aussuchte, die an einer festen Beziehung nicht interessiert waren. Das war sie selbst nämlich ebenfalls nicht. Ihr ruhiges, geregeltes und von ihrer Arbeit bestimmtes Leben reichte ihr vollkommen aus. Sie war zufrieden mit sich und allem, was sie bisher erreicht hatte. Mehr brauchte und wollte sie nicht.
»Da fällt mir gerade ein …« In der Hoffnung, damit vom Thema abzulenken, griff sie nach ihrer silbernen Umhängetasche, die sie im untersten Schubfach an ihrem Schreibtisch verstaut hatte. »Ich muss unbedingt noch meine Post durchsehen. Gestern war es schon so spät, dass ich sie nicht mehr aus dem Briefkasten geholt habe. Deshalb habe ich sie heute früh eingesteckt, um sie mir in einer ruhigen Minute anzusehen. Ist aber wahrscheinlich doch alles nur Werbung.«
»Siehst du, nicht mal für deine Post hast du genügend Zeit. Du solltest wirklich mal Urlaub machen und dich entspannen.«
»Glaub mir, ich bin entspannt.« In Melanies Nacken zwickte ein verspannter Muskel, als sie zwischen zwei Bekleidungsprospekten eine Ansichtskarte aus Italien mit der Handschrift ihrer Mutter entdeckte. »Es geht mir gut.«
»Es könnte dir noch viel besser gehen, wenn du mal ein bisschen Spaß hättest.« Edith redete noch weiter, doch ihre Stimme wurde für Melanie zu einem leisen Hintergrundrauschen. Ihre Mutter, Silvia Brenner-Costales war mit ihrem neuen Ehemann auf einer Rundreise durch Europa. Die aktuelle Station schien Florenz zu sein. Ehemann Nummer vier, dachte Melanie und spürte, wie sich in ihrem Magen ein kleiner harter Knoten bildete. Von den »Zwischenmännern«, wie sie sie heimlich nannte, ganz zu schweigen. Von ihnen hatte es im Lauf der Jahre mindestens ein Dutzend gegeben, eher noch mehr. Irgendwann hatte Melanie aufgehört zu zählen.
Alle diese Männer hatten etwas gemeinsam: Sie waren gutaussehend, wohlhabend und großzügig. Zumindest so lange, wie sie ihren Spaß mit Silvia hatten. Oder umgekehrt. War dieser vorbei, folgte eine kurze Zeit des Katzenjammers, bis ihre Mutter sich aufraffte, eine neue Frisur ausprobierte, die Besitzer einiger teurer Bekleidungshäuser um einen bedeutsamen Betrag reicher machte und sich einen neuen Beau angelte.
Zur Ehe ließen sich nur wenige von ihnen verleiten. Der Mann der Stunde war Mario Costales, halb Deutscher, halb Spanier, der sein Geld, soweit Melanie es überblickte, mit der Zucht und Ausbildung von Rennpferden gemacht hatte. Er war Witwer und hatte bei der Hochzeit vor sechs Monaten durchaus glücklich gewirkt, so als glaube er tatsächlich an diese zweite Chance auf Liebe und Glück.
Auch Silvia hatte mit dem Riesenklunker, der ihr als Verlobungsring diente, wie verrückt um die Wette gestrahlt. Melanie hatte pflichtschuldig so getan, als freue sie sich mit ihr, wohl wissend, dass sich die rosarote Glückswolke wie üblich nur allzu rasch auflösen würde. Noch schien es allerdings nicht soweit zu sein, denn Silvia hatte in ihrer schwungvollen Handschrift eine überschwängliche Kurzbeschreibung des romantischen Städtetrips gezeichnet, der Melanie nur die Augen verdrehen ließ. Sie hatte schon vor langer Zeit aufgehört, sich zu wünschen, ihre Mutter würde endlich den richtigen Mann finden. Den einen, mit dem sie zusammen alt werden würde. Im Grunde hatte sie diesen Wunsch bereits vor so vielen Jahren begraben, dass sie sich kaum noch daran erinnern konnte, ihn jemals gehegt zu haben.
Rasch legte sie die Ansichtskarte beiseite und sortierte weitere Werbeblättchen aus. Schließlich stieß sie noch auf einen Brief ihres Vermieters, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass die Mietnebenkosten ab dem Herbst lediglich um ein Prozent steigen würden und nicht, wie ursprünglich erwartet, um fünf Prozent. »Na fein«, murmelte sie vor sich hin und runzelte ein wenig die Stirn, als sie den letzten Umschlag öffnete. Er kam von einer Anwalts- und Notarkanzlei in Lichterhaven. Als sie den Namen der kleinen Stadt an der Nordseeküste las, beschleunigte sich unwillkürlich ihr Puls. Sie hatte eine Großtante in Lichterhaven. Sybilla. Ein Brief vom Notar konnte nur bedeuten …
»Oh.« Als sie das mehrseitige Schreiben auseinanderfaltete und die ersten Zeilen las, weiteten sich ihre Augen. »O mein Gott.«
»Hm, was meinst du?« Edith, die gerade die leere Plastikbox samt Besteck in den Papierkorb verfrachtet hatte, hob überrascht den Kopf. »Stimmt etwas nicht, Melanie? Du bist ja ganz blass geworden.«
Melanie hörte ihre Kollegin näherkommen, konnte ihren Blick jedoch nicht von dem Brief lösen. »Das … ist …«
»Was denn um Himmels willen? Ist jemand gestorben?« Besorgt legte Edith ihr eine Hand auf die Schulter.
»Meine Großtante Sybilla. Sie war vierundachtzig.«
»Oh, das tut mir leid. Standet ihr euch nahe?«
Melanie spürte, wie sich der Druck von Ediths Hand mitfühlend verstärkte. Ihr Herz klopfte noch immer unnatürlich schnell. »Ja. Nein. Ich habe sie schon seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Früher waren wir manchmal bei ihr zu Besuch, in den Sommerferien.« Wie aus weiter Ferne vernahm sie ihr eigenes kindliches Lachen, vermeinte Möwen kreischen zu hören und das schlickige Watt unter den nackten Füßen zu spüren. Und an noch etwas erinnerte sie sich ganz unwillkürlich: Wattwurmkekse. Tante Sybilla hatte sie selbst erfunden und ihnen diesen nicht ganz schmeichelhaften Namen gegeben, weil die Plätzchen so aussahen wie die Hinterlassenschaften, die die Wattwürmer bei Ebbe auf dem Watt hinterließen. Melanie hatte unzählige dieser Häufchen mit den Zehen zerdrückt und ihren Spaß daran gehabt. Und sie hatte die Wattwurmkekse geliebt.
»Tante Sybilla hat mich als Haupterbin eingesetzt.«

Körbchen mit Meerblick web


Körbchen mit Meerblick
Petra Schier

MIRA Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-956495-76-2
9,99 €

Auch als eBook erhältlich.
Erscheint im Juli 2016

Eis, Sandburgen, Wattwanderungen – Melanie verbindet nur die schönsten Erinnerungen mit den Nordseeferien bei ihrer Tante. Trotzdem ist sie überrascht, dass diese ihr nach ihrem Tod ihren gesamten Besitz vermacht. Dazu gehören nicht nur das Haus und die Kunsthandlung, sondern auch der quirlige Welpe Schoki. Nun muss Melanie sich entscheiden: Will sie wirklich ihr vertrautes Leben zurücklassen, um für immer in diesem Küstennest leben? Einen Sommer will sie sich Zeit nehmen, diese Entscheidung zu treffen. Doch dabei haben der gut aussehende Nachlassverwalter Alex und das vierbeinige Temperamentsbündel auch ein Wörtchen mitzureden …





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