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Banner Textschnipsel Nr. 1: Ein Weihnachtshund auf Glücksmission

 

Es sind nur noch rund zwei Monate, bis bei Weltbild mein zweiter Weihnachtsroman für dieses Jahr, Ein Weihnachtshund auf Glücksmission,  erscheint, aber ich habe euch bisher noch gar nicht ins Buch hineinschnuppern lassen. Das geht natürlich gar nicht, deshalb gibt es heute einen etwas längeren Textschnipsel. Wie ihr seht, könnt ihr ihn euch sogar vorlesen lassen, und zwar mit Amazon Polly. Die Funktion ist experimentell in meinen Blog integriert und erscheint nur in ausgewählten Artikeln.

Meistens stelle ich euch ja in meinen Textschnipseln zuerst die weibliche Hautperson vor oder auch den vierbeinigen Co-Star. Diesmal habe ich mich allerdings entschieden, den männlichen Protagonisten in den Fokus zu rücken: Christian Bonner. Aus dem Klappentext (wenn ihr das Wort anklickt saust ihr ganz schnell hin, um ihn zu lesen und könnt dann von dort wieder per Ankerlink hierher zurückkehren) könnt ihr ja schon herauslesen, dass Annalena, die Protagonistin, ihm nie wieder begegnen wollte. Mal sehen, ob ihr erkennen könnt warum (oder vielleicht auch überhaupt nicht). ;-)

 

Der folgende Ausschnitt ist aus dem 3. Kapitel

Nachdem Christian seinen dunkelblauen BMW X3 auf der gerade freigewordenen Stellfläche vor dem Nachbarhaus abgestellt hatte, schloss er für einen Moment die Augen und rieb sich übers Gesicht. Er war praktisch mitten in der Nacht von München losgefahren und hatte nur eine kurze Pause eingelegt. Dennoch war der LKW des Umzugsunternehmens früher hier gewesen als er. Christian hatte noch bis gestern die Zehnkämpfer im Trainingscamp betreuen müssen. Der Kollege, der Christians Posten eigentlich schon vor einer Woche hätte übernehmen sollen, litt an einer heftigen Grippe, sodass Christian gezwungen gewesen war, auf den ihm noch zustehenden Urlaub zu verzichten, um die Athleten nicht im Stich zu lassen. Zwischendurch war er mehrmals ins Rheinland gependelt und hatte in einem Hotel mehr schlecht als recht sein Zwischenquartier aufgeschlagen, weil seine Dozentenstelle an der neuen Sportakademie gleich vor den Toren seiner Geburts- und ab sofort wieder Heimatstadt bereits seit Mitte Oktober begonnen hatte. Glücklicherweise hatte er zumindest den Beginn seiner halben Sportlehrerstelle an der Gesamtschule noch etwas aufschieben können, aber es fuchste ihn, dass er nun mitten im Schuljahr dort anfangen musste.
Der Schlafmangel der letzten Tage machte sich allmählich bemerkbar und versetzte ihn in eine leicht gereizte Stimmung, obwohl er sich schon darauf freute, die Fortschritte in seinem neuen Domizil zu begutachten. Den Altbau aus der Gründerzeit, ruhig gelegen in der Rosenbergstraße und von uralten Holunderbüschen flankiert, hatte er bereits vor vielen Jahren entdeckt, jedoch damals nicht einmal davon zu träumen gewagt, sich ein solches Gebäude jemals finanziell leisten zu können. Wie weit die Handwerker gekommen waren, ließ sich allerdings nicht feststellen, wenn er weiterhin in seinem bis unters Dach vollgepackten Auto sitzen blieb. Also atmete Christian noch einmal tief durch, murmelte ein Stoßgebet, dass drinnen irgendwo eine Kaffeemaschine vorhanden war, und begab sich auf den Weg zur Haustür.
Das Erste, was er vernahm, war das dunkle Brummen einer Bohrmaschine. Als er die Tür aufschloss, wehte ihm himmlischer Kaffeeduft entgegen. Anerkennend blickte er sich um. Der Flur war bereits fertig und sogar einigermaßen sauber, sah man einmal von wenigen staubigen Fußabdrücken ab. Die Bohrgeräusche kamen aus der Küche, ebenso wie leise Stimmen und Gelächter.
»Guten Morgen«, grüßte Christian in die Runde, als er den Raum betrat. »Wie ich sehe, sind die Küchenmöbel geliefert worden.«
»Gestern Abend«, bestätigte einer der beiden Handwerker, die dabei waren, die Arbeitsinsel zu montieren. »Guten Tag, Herr Bonner. Wie Sie sehen, sind wir hier schon fast fertig. Die Elektrogeräte sind auch schon angeschlossen.«
»Kaffee!« Christian stürzte sich auf die Maschine, neben der ein Stapel Pappbecher stand, und goss sich von dem Gebräu ein. Obwohl er sonst Milch in seinem Kaffee bevorzugte, stürzte er das Getränk schwarz hinunter. »Das habe ich gebraucht.« Grinsend drehte er sich zu dem Handwerker um. »Sie und Ihre Leute waren ja sehr fleißig, Herr Lessenich. Das Erdgeschoss ist so weit fertig?«
»Die erste Etage auch bis auf die beiden vorderen Zimmer.« Lessenich strich sich über den kurzen, grauen Kinnbart. »In dem einen bringen wir im Moment noch die Steckdosen an und bauen die Schrankwand auf, die Sie haben herschicken lassen. Das andere Zimmer muss noch fertig gestrichen werden. Wollen Sie da wirklich zwei Wände in Lindgrün haben?«
»Spricht etwas dagegen?« Amüsiert hob Christian die Augenbrauen.
»Äh, nein, natürlich nicht. Ich dachte bloß, dass das …« Lessenich zog den Kopf ein wenig ein. »Na ja, für einen ausgewachsenen Mann …«
»Seien Sie froh, dass es nicht rosa wird. Grün ist die Lieblingsfarbe meiner Schwester.«
»Oh. Aha. Dann haben Sie hier ein Gästezimmer für Ihre Schwester geplant. Das ist nett.«
»Ja.« Christian ging nicht weiter darauf ein. Stattdessen wandte er sich an den dritten Mann im Raum, der sich auf einem Hocker in der Ecke niedergelassen und bis eben in der Tageszeitung geblättert hatte. »Sie sind sicher der Fahrer des Umzugswagens. Entschuldigen Sie, dass ich nicht eher hier war, aber ich bin später von München weggekommen als geplant und in mehrere Staus geraten.«
»Kein Problem. Ich habe sowieso noch Zeit. Muss erst heute Nachmittag weiter und eine Ladung in Bonn abholen.« Der Mann erhob sich und gab Christian die Hand. »Stratmeier ist mein Name. Ich hab meinen Sohn Jan mit dabei. Er ist gerade los, um irgendwo Semmeln zu holen. Sobald er hier ist, können wir loslegen, oder wenn Sie jetzt schon mal anfangen wollen …«
»Keine Eile.« Christian schenkte sich einen zweiten Becher Kaffee ein. »Ich möchte mir vorher noch die restlichen Räume ansehen.«
»Ich richte mich ganz nach Ihnen.« Stratmeier ließ sich zurück auf den Hocker sinken.
Christian verließ die Küche und warf einen Blick in den durch einen breiten Durchgang sich anschließenden Wohn- und Essbereich. Den Durchgang hatte er in die Mauer brechen lassen, weil er große, helle Räume bevorzugte. Der Wohnbereich stand noch leer und wirkte geradezu riesig.
Zufrieden trat er an eines der hohen Fenster, die hinaus auf den rückwärtigen Teil seines Grundstücks gingen. Dort draußen befand sich eine herbstlich kahle Wildnis, die früher einmal ein Garten gewesen sein musste. Rechterhand trennte eine brusthohe Mauer diesen Garten vom Hof nebenan, der offenbar mit viel Liebe gepflegt wurde. Die Mieter hatten sich dort auf einer uralten gepflasterten Fläche eine hübsche kleine Oase mit Holzmöbeln, Blumenkübeln und einem offenbar selbst zusammengezimmerten, sehr provisorisch aussehenden, aber gut besuchten Vogelhäuschen geschaffen.
An seinem Kaffee nippend, schlenderte Christian weiter, inspizierte den Vorrats- und Hausanschlussraum, in dem auch Platz für seine Waschmaschine und den Trockner war, sowie das daneben liegende Gästebad mit Dusche. Einem weiteren Raum im Erdgeschoss hatte er noch keine Bestimmung zugedacht. Ursprünglich hatte er überlegt, dort sein Büro einzurichten, dann aber einen der oberen Räume passender gefunden. Vielleicht würde er das Zimmer hier unten als Gästezimmer einrichten – oder als Hobbyraum. Obwohl er sich im Augenblick kein passendes Hobby vorstellen konnte. Natürlich wäre es auch möglich, seine Sportgeräte hier unterzubringen: Laufband, Rudergerät und Hantelstation.
Immer zwei Stufen der nagelneuen dunklen Holztreppe auf einmal nehmend, begab er sich ins erste Obergeschoss – das zweite mit den drei großen Dachschrägenzimmern ließ er erst einmal so, wie es beim Kauf gewesen war, nämlich leer. Auch die Vorbesitzer hatten die oberen Räume nicht mehr genutzt außer für die Lagerung von jeder Menge Gerümpel. Für eine oder, wenn alles lief, wie er sich das vorstellte, zwei Personen reichten zwei Etagen bei Weitem aus. Zumindest hatte er das Dach und alle Innenräume nach neuesten Gesichtspunkten dämmen lassen, um bei dem Überangebot an Wohnraum zumindest die Heizkosten in Schach zu halten.
Drei weitere Handwerker grüßten ihn freundlich, als er seine Nase in die beiden vorderen Räume steckte, in denen fleißig gearbeitet wurde. Nach hinten hinaus befand sich sein Schlafzimmer, ein großes Bad und ein weiteres, etwas kleineres Zimmer, das sich ein zusätzliches kleines Bad mit dem zukünftig lindgrünen Zimmer teilte.
Platz genug für eine Großfamilie, überlegte er kopfschüttelnd. Dabei war das Letzte, was er vorhatte, eine Familie zu gründen. Seine Kindheit und Jugend hatte ihm die Lust darauf gründlich vermiest. Dennoch würde er den Platz noch brauchen – zumindest einen Teil davon.
Unten hörte er ein Klopfen an der Tür und gleich darauf Stratmeiers Stimme. Offenbar war dessen Sohn mit den Semmeln – oder vielmehr Brötchen, wie sie hier eher genannt wurden – zurückgekehrt.
Von seinem zukünftigen Schlafzimmer aus hatte Christian erneut einen guten Blick auf das Durcheinander, das einmal sein Garten werden sollte, sowie auf den im deutlichen Kontrast dazu stehenden gepflegten Hinterhof des Nachbarhauses. Lediglich dieses merkwürdige zusammengestoppelte Vogelhäuschen ließ ihn grinsend den Kopf schütteln. Handwerklich begabt war derjenige, der es gebaut hatte, wohl nicht gerade, aber es erfüllte seinen Zweck, denn ein ganzer Schwarm Meisen, mehrere Rotkehlchen und einige weitere Vögel, die er nicht auf den ersten Blick identifizieren konnte, schwärmten um das dargebotene Futter, und das war wohl die Hauptsache.
Christian wollte gerade noch einmal in sein zukünftiges Arbeitszimmer gehen, als sein Handy klingelte. Die angezeigte Nummer ließ ihn sofort mit ungutem Gefühl die Stirn runzeln. »Bonner?«, meldete er sich und zog sich an eines der drei Fenster seines Schlafzimmers zurück.
»Guten Tag, Herr Bonner, hier spricht Annemarie Kündgen von der Jugendhilfestation Hannover. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie am Wochenende störe, aber ich muss Ihnen leider mitteilen, dass wir Ihre Hilfe benötigen. Ich wurde eben von der Polizei benachrichtigt, dass man Ihre Mutter, Ines Bonner, bei einem Ladendiebstahl aufgegriffen hat.«
»Wunderbar.« Christian verdrehte die Augen.
»Wie bitte?« Die Frau an anderen Ende der Leitung klang irritiert.
»Hat sie schon wieder versucht, Senta die gestohlenen Sachen unterzuschieben?«
»Nein. Aber wegen Ihrer Schwester rufe ich an, da Frau Bonner vorerst noch in Gewahrsam ist. In ihrem, wie ich leider sagen muss, psychisch sehr labilen Zustand empfiehlt der herbeigerufene Arzt eine vorübergehende Einweisung in ein Krankenhaus.«
»Sie ist nicht labil, sie ist drogen- und medikamentenabhängig.«
»Diesen Eindruck hatte der Arzt auch. Nun ist es so, dass wir ihr einen Platz in einer Entzugsklinik beschaffen können, aber das würde bedeuten, dass Senta, da sie erst zwölf Jahre alt ist, in ein…«
»Vergessen Sie es«, unterbrach Christian sie. »Senta kommt nicht ins Heim.«
»Eine Pflegefamilie, wollte ich sagen.«
»Ich nehme sie zu mir.« Er rieb sich entnervt über die Augen. »Wissen Sie eigentlich, wie oft ich schon versucht habe, meine Schwester da herauszuholen?«
»Da heraus?«
»Aus dem Griff unserer Mutter. Aber jedes Mal, wenn ich mich mit Leuten vom Jugendamt in Verbindung setze, habe ich jemand anderen an der Strippe und niemand fühlt sich zuständig.«
»Das tut mir sehr leid, Herr Bonner. Ich bin nur die Wochenend-Vertretung ….«
»Ja, klar, was sonst.« Seufzend blickte er auf das hässliche Vogelhäuschen. »Wann kann ich Senta abholen?«
»Ja, also, eigentlich wollte ich Sie fragen, ob Sie wissen, wo das Mädchen sich im Augenblick aufhält. Sie öffnet nicht die Wohnungstür und geht auch nicht an ihr Handy. Ihre Mutter konnte uns auch nicht sagen, wo Senta sein könnte. Sie behauptet, das Mädchen sei zu Hause gewesen, als sie die Wohnung verließ.«
»Auf das Wort meiner Mutter können Sie nichts geben. Verdammt!« Er ballte die linke Hand zur Faust. »Ich bin nicht mal ansatzweise in der Nähe von Hannover. Keine Ahnung, wo meine Schwester sein könnte. Suchen Sie sie!«

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Ein Weihnachtshund auf Glücksmission
Petra Schier

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Erscheint voraussichtlich am 1. November 2018

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