Sneak Peek Spionin wider Willen

Fertig geschrieben ist der erste Teil des Staffelfinales meiner Vorabendserie in Buchform Spionin wider Willen bereits seit einiger Zeit, aber es dauert noch ein paar Tage, bis meine Lektorin Kapazitäten fürs Lektorat frei hat. Dennoch ist jetzt schon abzusehen, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, bis das Buch in den Handel kommt, deshalb wird es nun allmählich Zeit für den ersten Sneak Peek.

Diesmal schließt die Handlung ganz dicht an die des letzten Bandes (Ein Kinderspiel) an und wird ganz sicher all jenen besonders gut gefallen, die die Zwillinge Susanna und Till sowie Jannas Eltern zuletzt ein wenig vermisst haben.

Fehler, Wortwiederholungen und andere stilistische Unebenheiten dürft ihr wie immer behalten, falls ihr welche findet.

Aus dem 1. Kapitel

»Ich bin im Himmel.« Janna schnüffelte genießerisch und gab ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange. »Du verwöhnt uns, Mama.«
Linda Berg lachte. »Guten Morgen, Janna. Irgendwie muss ich doch die wunderbaren Pfannkuchen toppen, die du vergangenen Sonntag gemacht hast.«
»Das waren keine Pfannkuchen, sondern Pancakes«, mischte Susanna sich mit altkluger Miene ein.
»Ist doch dasselbe.« Till stieß sie an, während beide sich den besten Platz auf der Eckbank zu sichern versuchten.
»Ist es gar nicht.«
»Doch, wohl, weil nämlich Pancake Englisch für Pfannkuchen ist.«
»Aber wenn Janna Pfannkuchen macht, sind die immer ganz anders als die Pancakes von letzter Woche.«
»Schluss jetzt, ihr beiden.« Janna drehte sich zu den beiden Geschwistern um und blickte sie milde strafend an. »Könnt ihr nicht mal fünf Minuten in einem Raum verbringen, ohne zu zanken?«
»Erinnert dich das nicht an jemanden?« Linda gab das Rührei aus der Pfanne in eine ovale Porzellanschüssel. »Du und Frank, ihr wart genauso in dem Alter. Auch wenn Frank drei Jahre älter ist als du, konntet ihr euch doch ständig über die nichtigsten Kleinigkeiten in die Wolle bekommen.«
»Wir zanken doch gar nicht.« Till grinste. »Das nennt man Diskussion.«
»Ach so.« Janna schmunzelte. »Dann beendet mal Eure Diskussion und helft Tante Linda beim Tischdecken, anstatt da so frech herumzulümmeln.«
»Aber du musst uns erst sagen, ob ich recht habe oder Till.« Susanna stand wieder auf. »Pancakes oder Pfannkuchen?«
Janna zupfte am Pferdeschwanz des Mädchens. »Till hat insofern recht, dass Pancake das englische Wort für Pfannkuchen ist. Aber das weißt du doch auch.«
»Ja, aber trotzdem …«
»Aber du hast ebenfalls recht, und zwar, weil das Rezept für die Pancakes, die ich letzte Woche gemacht habe, ganz anders ist als das normale Pfannkuchenrezept, das ich sonst benutze. Es stammt von einer amerikanischen Koch- und Backseite, die ich vor einiger Zeit entdeckt habe.«
»Ätsch!« Die Zwillinge hatten gleichzeitig gesprochen und kicherten. Dann erhob sich auch Till, ging zur Kaffeemaschine und holte die Kanne, während seine Schwester die Schüssel mit dem Rührei vorsichtig zum Tisch trug.
»Heiß, heiß, heiß«, murmelte sie dabei und stellte die Schüssel rasch ab.
»Was ist heiß? Oha, hier riecht es ja wie im Schlaraffenland!« Bernhard Berg hatte die Küche zusammen mit der schwarzweißen Hündin Bella betreten, die sogleich zu den Kindern rannte und sie freudig begrüßte. Er war ein großer, schlanker Mann von sechzig Jahren mit kurzem, lockigem Haar, das früher einmal blond gewesen, nun aber vollständig ergraut war. Seine graublauen Augen funkelten vergnügt, als er auf die beiden Frauen zutrat und jeder einen Arm um die Schulter legte. Erst erhielt seine Frau, danach seine Tochter einen Kuss auf die Wange. »Kann ein Mann eigentlich mehr Glück haben als ich? An einem arbeitsfreien Sonntag zwei wunderschöne Rotschöpfe in der Küche zu haben, die noch dazu ein unglaublich leckeres Frühstück für mich zaubern …«
Janna kicherte und stieß ihn spielerisch an. »Das ist ja nicht nur für dich, Papa. Und red bloß nicht so machohaft daher, sonst haut Mama dich mit dem Kochlöffel.«
»Und wie ich das tun werde.« Lachend drohte Linda ihrem Mann mit dem Pfannenwender.
»Ihr gönnt einem Mann aber auch gar nichts.« Grinsend öffnete Bernhard den Geschirrschrank über der Anrichte und entnahm ihm Teller und Tassen. »Till, hol mal das Besteck aus der Schublade, sonst behaupten die Frauen wieder, wir würden uns nur bedienen lassen.«
»Hab schon.« Till trug zwei Hände voll Messer und Gabeln zum Tisch. »Tante Linda ist total streng in so was. Deshalb muss ich dauernd die Spülmaschine einräumen und Töpfe waschen und so.«
»Spülen, nicht waschen.« Susanna nahm von Linda die Schale mit den gebratenen Speckstreifen entgegen und stellte sie ebenfalls auf den Tisch. »Und warum denn auch nicht? Ich hab genauso keine Lust auf Küchenarbeit wie du. Bloß, weil ich ein Mädchen bin, muss ich die nicht alle alleine machen. Das ist nämlich total altmodisch und …«, sie überlegte kurz, »oldschool sagt unsere Lehrerin Frau Andrees dazu.«
»Schon gut. Dafür musst du aber dann auch helfen, die Garage und den Schuppen aufzuräumen.« Till streckte seiner Schwester die Zunge heraus, fing sich dafür aber einen sanften Klaps von Janna ein und grinste wieder. »Ist doch so, oder?«
»Ja, stimmt.« Janna nickte.
»Da haben wir sie, die Kinder des einundzwanzigsten Jahrhunderts.« Bernhard lachte. »So muss das sein.«
»Jetzt setzt euch mal alle.« Linda deutete auf den Tisch und zog rasch die gestreifte Schürze aus, die sie über ihrer weißen Bluse und der mintfarbenen Stoffhose trug. Sorgsam hängte sie sie an einen Haken hinter der Tür. »Und lasst uns über etwas Spannenderes als moderne Rollenverteilung sprechen.«
»Über was sollen wir denn reden?« Susanne goss sich Orangensaft in ihr Glas und reichte den Beutel an Janna weiter, die zwar den Duft von frisch gebrühtem Kaffee mochte, jedoch nur selten von dem Gebräu trank, weil es ihr nicht besonders schmeckte.
»Zum Beispiel über unseren Ausflug zum Nürburgring heute Nachmittag«, schlug Bernhard vor und hatte damit sofort die volle Aufmerksamkeit beider Kinder.
»Willst du wirklich nicht mitfahren?«, fragte Linda, während Bernhard und die Zwillinge bereits in ein Gespräch über Rennautos und das Ringtaxi verwickelt waren. »Ein bisschen Abwechslung würde dir bestimmt guttun.«
Janna, die gerade von einem aufregenden und nicht wenig gefährlichen Einsatz für das Institut zurückgekehrt war, lächelte leicht. »Ich muss hier ein bisschen nach dem Rechten sehen, Mama, aufräumen und so. Die Arbeit bleibt ja doch immer liegen, wenn ich unterwegs bin.«
»Aber zumindest kommst du mal aus dem Haus, wenn du für das Meinungsforschungsinstitut arbeitest.«
Janna nickte vage. Welcher Art ihre Tätigkeit für das Institut für Europäische Meinungsforschung war und dass es sich dabei um die Tarnung eines Geheimdienstes handelte, durfte sie ihrer Familie nicht verraten. Ihre Eltern wären wohl auch entsetzt und außer sich vor Sorge gewesen, wenn sie davon wüssten. »Es ist ja nicht so, dass ich nicht mitfahren möchte, Mama, aber ich habe wirklich noch einiges zu tun und muss mich auch noch um meine Kunden kümmern. Wenn ich zum Juli meinen Büroservice schließen will, damit ich die Festanstellung im Institut antreten kann, ist noch vieles zu organisieren.«
»Aber das musst du doch nicht alles schon dieses Wochenende erledigen. Gönn dir auch ein bisschen Zeit für dich.«
»Das mach ich schon, keine Sorge.« Janna nahm sich eine Waffel und reichte ihrem Vater die Schüssel mit dem Rührei. Für eine kurze Weile konzentrierten sich alle mehr auf das wunderbare Frühstück als auf das Tischgespräch, bis Bernhard auf die Uhr blickte und dann hinter sich griff, um die Lautstärke an den kleinen Küchenradio aufzudrehen, das hinter ihm im Regal stand.
»Bernhard!« Tadelnd sah Linda ihn an.
Er hob die Schultern. »Nur kurz die Neun-Uhr-Nachrichten und den Wetterbericht.«
»Du kennst ihn doch, Mama. Papa muss immer ganz genau wissen, was in der Welt vor sich geht.« Janna lächelte ihrem Vater zu und verdrehte die Augen, als der Nachrichtensprecher vom einem neuen Patentstreit zwischen Samsung und Apple sprach, den beide Firmen offenbar schnell beizulegen versuchten. »Scheint nicht viel los zu sein auf dem Planeten Erde, wenn das die wichtigste Meldung des Morgens ist.« Schmunzelnd biss sie in ihre Waffel und verdrehte genießerisch die Augen. »Hm, lecker!«
»Wie bereits gestern Abend bekannt wurde, ist am frühen Samstagnachmittag gegen vierzehn Uhr eine Gefangene aus der Justizvollzugsanstalt Aachen geflohen. Über die genauen Umstände ihrer Flucht wollten die Behörden bisher aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Nach Informationen des WDR liegt jedoch der Verdacht nahe, dass die Flüchtige Hilfe von außen erhalten haben muss. Die Polizei warnt die Bevölkerung in Nordrhein Westfalen und im angrenzenden Rheinland-Pfalz und im Saarland, keine weiblichen Personen in ihren Fahrzeugen mitzunehmen. Die flüchtige Straftäterin heißt Susanne Krause, ist etwa einssiebzig groß, schlank und hat dunkelbraunes, glattes, schulterlanges Haar …«
Janna verschluckte sich beinahe und hustete. Ein ungutes Gefühl in ihrer Magengrube paarte sich mit heftigem Herzklopfen. Ihr wurde kalt, sodass sie sich unbewusst über die Arme rieb.
»Über ihre Bekleidung zum Zeitpunkt der Flucht ist nichts Genaues bekannt. Auf der Internetseite des WDR finden Sie ein Foto der Straftäterin. Susanne Krause ist vermutlich bewaffnet und gilt als sehr gefährlich. Sollten Sie eine Person sehen, auf die ihre Beschreibung passt, lassen Sie äußerste Vorsicht walten und informieren Sie umgehend die nächste Polizeidienststelle. Inhaftiert wurde die vor Gewalttätigkeiten nicht zurückschreckende Krause im vergangenen November für diverse Morde und Mordversuche, nachdem die Sicherheitsbehörden in Zusammenarbeit mit der Landespolizei …«
»Janna, stimmt etwas nicht? Du bist so blass geworden.« Besorgt legte Linda ihrer Tochter eine Hand auf den Arm. »Geht es dir nicht gut?«
»Ja, Janna, du siehst aus wie ein Käse.« Neugierig musterte auch Till sie. »Wie ein Käse, der ein Gespenst gesehen hat.«
»Halt die Klappe.« Susanna stieß ihrem Bruder unsanft den Ellenbogen in die Seite. »Ist dir schlecht geworden, Janna? Du hast aber doch nur eine Waffel gegessen. Ich schon drei und mir ist nicht schlecht.«
Gewaltsam riss Janna sich zusammen und bemühte sich um eine normale Miene. »Nein, schon gut. Mir ist nur gerade etwas eingefallen. Eine … Ich habe etwas Wichtiges vergessen. Eine Abrechnung, die einer meiner Kundinnen ganz dringend braucht …« Sie erhob sich hastig. »Für die … äh, für die Steuer. Ich laufe rasch rüber und schicke sie ihr per E-Mail. Bin gleich wieder da.«
»Ach herrje, hat das nicht Zeit bis nach dem Frühstück?«, rief Linda ihr hinterher, doch Janna achtete nicht darauf. Kaum war sie aus dem Haus, als sie auch schon ihr Handy aus der Hosentasche zog und mit fliegenden Fingern eine Nummer wählte. Es dauerte nur Sekunden, bis sich Markus Neumann am anderen Ende meldete. »Hallo Janna.«
Im Laufschritt überquerte sie das unebene Kopfsteinpflaster im Hof und betrat ihre eigene geräumige Küche durch die Seitentür. »Hallo Markus. Hast du schon gehört? Susanne Krause …«
»Ist aus dem Gefängnis ausgebrochen. Ja, ich weiß. Ich hatte mich schon gefragt, wann du anrufen würdest.«
Janna schnappte empört nach Luft. »Du wusstest es schon länger und hast mir kein Wort davon gesagt? Warum hast du mir nicht geich Bescheid gegeben?«
»Ich weiß es seit gestern Abend. Hab es selbst aus den Nachrichten erfahren. Seitdem hänge ich in Dauersitzungen fest. Ich hätte mich schon noch bei dir gemeldet. Walter will, dass du herkommst. Hast du heute Mittag um zwölf Zeit?«
Janna fuhr sich durch ihre schulterlangen, kupferroten Locken und sah sich nervös in der Küche um. Ihr Herz pochte noch immer unnatürlich schnell und fast erwartete sie, Susanne Krause plötzlich vor sich stehen zu sehen. »Klar komme ich ins Institut. Ich … Mir fällt schon etwas ein. Meine Eltern fahren heute mit den Kindern zum Nürburgring und ich wollte eigentlich …« Sie schluckte. »Was machen wir denn jetzt? Ich meine, sie wollte mich umbringen, Markus! Und jetzt läuft sie irgendwo da draußen herum …« Wieder sah sie sich fahrig in ihrer Küche um und ging dann durch den breiten Durchgang mit der offenen Schiebetür hinüber ins Wohn-Esszimmer. »Bin ich jetzt in Gefahr? Oder meine Familie?«
»Das ist nicht auszuschließen. Aber mach dir keine Sorgen, Dirk und Alfred überwachen euer Grundstück schon seit gestern Abend und werden sich mit einem zweiten Team rund um die Uhr abwechseln, bis wir Susanne Krause wieder einkassiert haben.«
Janna stieß erleichtert und besorgt zugleich die Luft aus. »Dirk Kellermann und Alfred Hasselbaum?« Sie kannte die beiden Agenten von früheren Fällen, in die sie mit Markus verwickelt worden war. Wider besseres Wissen trat sie an eines der großen Wohnzimmerfenster und suchte die Umgebung mit den Augen ab. Selbstverständlich war von einem Überwachungsfahrzeug keine Spur zu erkennen. »Danke.«
»Du sagst, deine Eltern wollen heute mit den Zwillingen wegfahren?«
»Ja, zum Nürburgring. Ringtaxi fahren und alles besichtigen. Sie haben das schon länger geplant.«
Janna hörte, wie Markus leise etwas zum jemandem sagte, dann antwortete er: »Wir kümmern uns darum, dass sie auch dort überwacht werden. Tut mir leid, aber ich muss wieder in die Sitzung. Zwölf Uhr im Institut? Und check deine Passwörter. Der Zugangscode wurde heute früh wieder geändert.«
»Okay …« Janna blickte irritiert auf ihr Smartphone, denn Markus hatte schon wieder aufgelegt. Etwas zittrig atmete sie tief durch. »Okay.«

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Kaum sind der Geheimagent Markus Neumann und seine zivile Partnerin Janna Berg von ihrem letzten Einsatz zurück, als sie erfahren, dass die gefährliche Auftragsmörderin Susanne Krause aus dem Gefängnis geflohen ist. Da Janna Monate zuvor nur mit knapper Not einem hinterhältigen Anschlag Krauses entkommen konnte, fürchtet sie nun erneut um ihr Leben und das ihrer Familie. Obwohl sie erst einmal nur Markus dabei hätte helfen sollen, sein neues Büro einzurichten, gerät sie nun erneut in einen heiklen und brisanten Fall. Denn Krause scheint nicht allein auf Rache aus zu sein, sondern führt noch etwas anderes im Schilde.

Während Janna mit den anderen Kollegen der Abteilung die Stellung hält, wird Markus auf einen Undercover-Einsatz geschickt und muss sich auf ein gefährliches Spiel einlassen, das nicht nur ihn Kopf und Kragen kosten könnte.

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