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Plädoyer für den Blumenvorhang

 

Gastbeitrag der Autorin Charly von Feyerabend zum Thema:

Let’s talk about Sex. Nicht.

 

„… und hier lassen wir einen geblümten Vorhang über das weitere Geschehen herunter, damit die folgenden lautstarken Aktionen der alleinigen Fantasie des Lesers überlassen sind.“

So oder ähnlich könnte die Anmerkung in einem meiner Romane lauten, gerade dann, wenn sich ein Paar dazu entschlossen hat, so richtig zur Sache zu kommen. Warum ich Details ausspare? Warum ich den schwer schnaufenden Liebhaber nicht aufstöhnen lasse wie einen läufigen Stier oder der Gespielin die geschwollenen Schamlippen erspare? Ich sag nur Penis, Zauberstab, Liebesquirl oder Scheide, Schatzkästchen oder Liebeshöhle – die deutsche Sprache ist bei der Umschreibung der Fortpflanzungsmerkmale sehr bescheiden und so richtig passen, das tut der schweisstreibende Bettensport dann doch nicht in meine lustigen Romane – bei mir findet die Spannung außerhalb des Schlafzimmers statt. Da gibt es genug Dramatik. Es ist spannender zu lesen, ob sie sich bekommen und wie und dann wann und die ersten Küsse und Zärtlichkeiten finde ich aussagekräftig genug. Außerdem fände ich es befremdlich, wenn meine sympathische neugierige Hauptfigur, die gerade im siebten Monat schwanger ist, plötzlich zur heißen Leder-Domina werden würde. Und „normaler“ Sex, der zu ihrem Typus passen würde, ist das so spannend? Bringt das die Handlung vorwärts? Muss man überall und immer Sex reinpacken?

Natürlich hat das auch etwas mit den eigenen Lesevorlieben zu tun. Ich selbst lese keine Erotik und wenn das Matrazengehüpfe einen Großteil der Handlung ausmacht, dann wird es mir schnell langweilig. Klar gibt es auch beim Sex Machtkämpfe, damit meine ich keine Fesselspiele, sondern solche Dinge, wer gerade bestimmt, wer auf den anderen wie eingeht – aber es muss ja zum Gesamtpaket des Buches passen.

Es ist genauso wie mit einem zu kurzen Rock bei einer Frau oder einem nackten Männeroberkörper, der behaart ist wie Nachbars Katze – manchmal ist weniger mehr und die Fantasie des Lesers will auch eine Freilauffläche haben, wo sie sich selbst einbringen kann.

Wenn richtige knallige Sexszenen, dann in Romane, in die sie gut reinpassen und dem Leser einen prickelnden Mehrwert verschaffen. Mal schauen, was noch so alles auf meiner Feder fließen wird – aber meine aktuellen Werke, die bevorzugen Witz und Blümchenvorhang.

Charly von Feyerabend, aufgewachsen im sonnenverwöhnten Baden, widmete sich nach einer Hotelfachausbildung den Studien: zunächst Freizeitpädagogik mit Kulturarbeit, dann Literaturwissenschaft, Medienpädagogik und Texttechnologie. Es folgten Jobs in verschiedenen Verlagen als Praktikantin, Trainee, Bildredakteurin und Redakteurin, u.a. für Bussi Bär, Frauenzeitschriften wie Minni und im Pendragon Buchverlag. Desweiteren besitzt sie Berufserfahrung im Bereich PR und Marketing. 2007 zog es sie für sechs Jahre nach Oslo, wo sie als Kindergärtnerin jobbte und erste Buch- und Spieleverträge abschloss. Nach fünf Jahren Berlin, in denen sie mit dem Goethe-Institut Oslo an einem Projekt mit deutschsprachigen Schulklassen und als Schreibdozentin an einer Berliner Schreibschule arbeitete, zog sie mit Mann und drei Kindern nach Schweden zu Pippi Langstrumpf. Sie ist Mitglied bei DELIA und den Mörderischen Schwestern und saß in der Jury für den DELIA Jugendliteraturpreis 2018. 2019 ist sie zum Literaturfestival in Oslo eingeladen.

Homepage der Autorin: www.vonfeyerabend.de

Facebook: www.facebook.com/charlyvonfeyerabend

Fremdwerbung

Bücher von Charly von Feyerabend

Tieffliegende Liebe Müritz, Mord und Mückenstich Ich glaub, mich knutscht ein Troll

 

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