Schreibtagebuch FotoJa, ja, ja, ich weiß. Tagebücher sind dazu da, möglichst täglich gefüllt zu werden. Oder zumindest annähernd. Ihr habt jetzt aber schon wieder sooo lange gewartet, ganz 15 Tage!

Tut mir leid, es ging nicht anders. Die Zeit läuft mir davon, weil kommende Woche die DELIA-Liebesromantage stattfinden und ich als Vorsitzende der Jury des DELIA-Literaturpreises und dadurch Vorstandsmitglied sehr viel vorbereiten muss. Neben dem Schreiben und allem, was sonst noch so anfällt. Dabei würde ich am liebsten gerade nur schreiben. Dauernd. Aber das geht nicht und so muss eben mein Blog ein wenig dürsten.

Wo stehe ich denn überhaupt gerade, so schreibtechnisch?

Diese Woche knacke ich die 200-Seiten-Marke. Das ist schon mal gut, vor allem, wenn man bedenkt, wann ich fertig sein muss (Ende April). Inhaltlich lief auch alles sehr schön, bis … Ja, bis ich auf einen Umstand gestoßen bin, zu dem ich zweierlei Sichtweisen recherchiert habe. Die eine passte perfekt zu dem, was ich in der Geschichte verwenden wollte, die andere hingegen würde genau dies unglaubwürdig machen. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass ich ja künstlerische Freiheit besitze und dass die meisten Leser eh nicht merken würden, dass da ein historisches Detail nicht ganz stimmig ist. Aber das möchte ich nicht. Denn glaubt mir: Es gibt genau diesen einen Leser, vorzugsweise Historiker, der das bemerkt und mir unbedingt beweisen muss, dass er recht hat. Das kann in einer negativen Rezension münden, na ja, kommt vor. Aber es kann auch in erbosten Mailterror, Anrufe oder einen Shitstorm gipfeln. Auch schon vorgekommen. Darauf lege ich keinen gesteigerten Wert.

Also muss ich allen Klugsch*** zuvorkommen und mir was Neues überlegen.

Hab ich getan. Dadurch bin ich zwar ein wenig im meinem Pensum zurückgefallen, aber jetzt habe ich eine Lösung für das Problem gefunden, gegen die niemand was haben kann. Oder fast niemand? Ich höre schon die Fragen in den Leserunden: “Warum hat er denn nicht doch, heimlich … Irgendwen bestochen, das wäre schon gutgegangen.” Aber die Figur, um die es geht, das das eben nicht getan. Aus diversen Gründen. Und sie (bzw. er, denn es handelt sich ja um einen Mann) ist halt auch nur ein Mensch. Er hätte anders handeln können, tat er aber nicht. Und jetzt ist die Geschichte so, wie sie ist. Menschen sind mit Fehlern behaftet, Romanfiguren auch, sonst wären sie ja langweilig. Wobei … ein Fehler ist es vielleicht nicht einmal im engeren Sinne. Nur eine unterlassene Handlung, die ihn bei Entdeckung in Teufels Küche bringen könnte, und das gleich in mehrfacher Ausführung des übertragenen Sinnes.

Kryptisch, kryptisch, ich weiß. Ich möchte halt nicht spoilern, euch aber dennoch das Dilemma aufzeigen, in das ich geraten bin. Ich musste die Vorgeschichte meiner Romanfigur abändern, weil sich bei fortlaufender Recherche herausstellte, dass die Vergangenheit, die ich mir ausgedacht hatte, für jene Figur womöglich gar nicht so haarig hätte werden können, wie ich mir das ursprünglich gedacht hatte. Also habe ich ein bisschen an der Gefahrenstellschraube gedreht und damit auch die Fallhöhe deutlich angehoben. Jetzt ist sie fast  so hoch, dass nicht mal Adelina und ihre Familie das mittragen können.

Fast. Denn wie Griet es an einer Stelle mal so ungefähr ausdrückt: “Für einen Schurken mehr ist ibei der Familie Burka immer noch Platz.” Oder vielmehr für ein dunkles Geheimnis. Derer gibt es in dieser Familie ja mehr als genug. Adelina hat eines, Neklas auch (oder vielmehr gleich ein ganzes Sammelsurium), Tilmann hatte eines, das sich dann ja zum Glück gelüftet hat. Griet sowieso, denn ihre Vergangenheit … Ihr wisst schon. Und falls doch nicht, schnappt euch die Bücher und lest nach. ;-)

Wenn Adelina und ihre Lieben jetzt also noch ein weiteres Geheimnis hüten müssen, fällt das möglicherweise gar nicht mehr so ins Gewicht. Sie haben ja Übung darin. Gewissermaßen. Außerdem wäre Adelinas Familie nicht Adelinas Familie, wenn alle nur brav, still und wohlerzogen daher kämen. Von so etwas wollt ihr auch bestimmt nichts lesen, oder?

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