Vor ziemlich genau einem Monat gab es den ersten Textschnipsel zu meinem neuen Liebesroman Körbchen mit Meerblick. Es wird also allmählich Zeit für den nächsten. Beim letzten Mal habt ihr Melanie kennengelernt, die weibliche Protagonistin. Dieses Mal mache ich euch mit Dr. Alexander Messner bekannt, dem Anwalt und Notar aus Lichterhaven, der Melanie die Nachricht über ihr Erbe übermittelt hat. Aber nicht nur ihn dürft ihr treffen, sondern seine Familie gleich mit. Zumindest einen Teil davon. Ich bin gespannt, ob ihr sie mögen werdet. Und ihr dürft noch mehr gespannt darauf sein, wie Melanie auf die Messners reagieren wird … ;-)

Wie immer bitte ich Tippfehler und stilistische Unebenheiten zu entschuldigen. Der Text ist nach wie vor unlektoriert. Wer Fehler, Wortdoppelungen oder sonstige Auffälligkeiten entdeckt, darf sie gerne behalten.

Viel Spaß mit dem Ausschnitt aus dem 2. Kapitel!

»Sie kommt also hierher?« Anke Messner schnitt eine große Schüssel voll Erdbeeren klein, aus denen sie Marmelade kochen wollte. Ihr Mann Arno saß mit seinen Eltern am großen Küchentisch und spielte Karten.
Alexander Messner saß ebenfalls dabei, beteiligte sich jedoch nicht am Spiel, sondern hatte sich bequem auf seinem Stuhl zurückgelehnt und die langen Beine ausgestreckt. Einen Arm hatte er auf die Rückenlehne der Eckbank hinter seiner Großmutter gelegt. Immer wieder schielte er in ihre Karten und amüsierte sich heimlich über die Dreistigkeit, mit der sie schummelte. »Sie will am späten Nachmittag hier sein. Offenbar hat sie sich kurzfristig zwei oder drei Tage Urlaub genommen. Genaueres weiß ich auch nicht. Sie hat mit Elvira telefoniert.«
»Deine Sekretärin ist Gold wert, weißt du das? Ohne sie wärst du aufgeschmissen.« Norbert Messner sah kurz von seinen Karten auf, um ihm einen langen, bedeutungsvollen Blick zuzuwerfen. »Sie hat schon bei deinem Vater gelernt, als er die Kanzlei noch geführt hat.«
»Ich weiß, Opa. Sie ist eine sehr gute Anwalts- und Notargehilfin.« Alexander kannte das Lied bereits, das sich ankündigte, und unterdrückte ein Schmunzeln.
»Zu meiner Zeit hätt‘ ich sonst was für so eine gute Sekretärin gegeben, Junge. Das kannst du mir glauben.«
»Du hattest mich, war ich etwa nicht gut?« Der Kopf seiner Großmutter ruckte hoch und sie sah ihren Ehemann empört an.
»Das ist doch was anderes. Ich meine vor dir. Da hatte ich nur solche unfähigen Tippsen. Hübsch anzusehen aber hohl im Kopf wie ein leeres Bierfass. Deshalb hab ich mir dich ja auch gleich geschnappt, als ich gemerkt hab, dass du was Besonderes bist.«
Evelyne Messners Blick wurde sogleich wieder weich. »Du bist ein Charmeur. Schon immer gewesen.«
»Und du schummelst schon wieder, Mutti.« Arno klopfte protestierend mit dem Zeigefinger auf die Tischplatte. »Wie kann es sein, dass du jetzt ein Karo Sieben legst?«
»Ich schummele nie. Ich spiele nur ein bisschen kreativer als ihr alle.«
»Kreativ nennst du das? Mutti, du hast das Wort Schummeln erfunden!«
Evelyne lächelte sichtlich geschmeichelt.
»Wie auch immer.« Ohne sich vom Spiel ablenken zu lassen, redete Norbert weiter. »Zu meiner Zeit hat man sich als kluger Mann so ein Goldstück geangelt.«
»Opa, ich hab dir doch schon mehrmals gesagt, dass ich mir Elvira nicht angeln könnte, selbst wenn ich es wollte. Sie ist lesbisch und lebt seit fünf Jahren mit ihrer festen Freundin zusammen.«
»Lesbisch, ach was. So ein neumodischer Schnickschnack.«
»Das ist überhaupt nichts Neumodisches.« Evelyne legte ihre letzte Karte ab und strahlte. »Gewonnen!«
»Du bist unmöglich, Mutti.« Kopfschüttelnd, jedoch mit einem nachsichtigen Lächeln, sammelte Arno die Karten ein und mischte sie neu.
»Sprich nicht so mit deiner Mutter!« Norbert hob in einer gespielten Drohung den Zeigefinger.
»Was wollte ich gerade sagen?« Als ihr Sohn die Karten neu zu verteilen begann, schenkte Evelyne sich ein Glas Wasser ein. »Ach ja. Norbert, du erinnerst dich doch an die alte Gerberin Sophie, die drüben am anderen Ortsende mit ihrem Vater gewirtschaftet hat? Die war auch lesbisch. Damals hat man nur nicht darüber gesprochen, aber es wussten doch alle, dass sie und ihre Magd … na du weißt schon. Die beiden waren unzertrennlich bis ins hohe Alter. Sind sogar nur ein paar Wochen nacheinander gestorben. Und auf ihren Wunsch wurden sie nebeneinander beerdigt. Die beiden Steine stehen heute noch am Friedhofsrand, obwohl die Gräber längst weggemacht wurden. Waren ja keine Verwandten mehr da, die sich hätten drum kümmern können.«
»Ja, ja, schon gut. Aber ist es vielleicht einzusehen, dass so ein nettes Frauchen nix mit Männern zu tun haben will?« Norbert schüttelte verständnislos den Kopf. »Die alte Sophie, ja, da kann man es noch verstehen. Die war nicht mal besonders schön. Aber die Elvira …«
»Es ist nun mal so, wie es ist, Opa.« Alexander grinste. »Außerdem ist sie sowieso nicht mein Typ. Mal ganz abgesehen davon, dass ich sie schon seit dem Sandkasten kenne.«
»Na, das ist doch wohl nichts Schlimmes. Schau mich und deine Großmutter an.«
»Nein, schlimm ist das natürlich nicht, aber für mich fehlt da doch ein bisschen der Zauber des Neuen.«
»Der nutzt sich auch bald ab.«
»Norbert, nun lass den Jungen doch mal in Ruhe.« Anke füllte die kleingeschnittenen Erdbeeren in einen großen Kochtopf um und warf ihrem Schwiegervater einen mahnenden Blick zu. »Er hat doch nun wirklich oft genug erklärt, dass aus ihm und Elvira nichts werden kann. Ich mag ihre Freundin übrigens sehr gern. Tina ist eine ganz liebe und hilfsbereite Person. Gönn ihnen doch ihr Glück.«
»Hab ich etwa gesagt, dass ich es ihnen nicht gönne?« Stirnrunzelnd musterte Norbert die Karten, die sein Sohn an ihn ausgeteilt hatte. »Sag mal, hast du überhaupt richtig gemischt? Das ist ja grauenhaft. Mit dem Blatt kann man doch überhaupt nix anfangen. Höchstens sich den Allerwertesten abwischen.«
»Norbert, ich bitte dich!« Evelyne funkelte ihn strafend an.
Anke nahm den Faden von vorher wieder auf. »Melanie Brenner kommt also heute Nachmittag an. Das arme Mädchen, dann wird sie aber ziemlich erschöpft sein nach der langen Zugfahrt.«
»Ich glaube, sie kommt mit dem Auto.«
»O je, noch schlimmer!« Evelyne sortierte ihre Karten nach Farben. »Woher kommt sie noch mal? Aus Köln? Wir waren vor ein paar Jahren mal dort in einem Konzert. Erinnerst du dich noch, Norbert? Die Fahrt hat sich ewig hingezogen. Und überall diese Baustellen auf der Autobahn. Schrecklich! Du solltest sie hierher einladen, Alexander, damit sie sich bei einem guten Kaffee oder Tee und einem Stück Hefekuchen erholen kann.«
»Na, wir wollen sie doch nicht gleich mit einer Überdosis der Messner-Familie erschrecken.« Alexander lachte. »Sie ist eine Klientin wie jede andere auch. Also werde ich sie ganz normal in meiner Kanzlei empfangen.«
»Aber wir kannten sie schon, als sie noch ein Kind war. Vielleicht freut sie sich über ein bisschen Familienanschluss.«
»Wenn sie den hätte haben wollen, wäre sie in den letzten zwanzig Jahren mal bei Sybilla aufgetaucht.« Norbert stieß einen zischenden Laut aus, als seine Frau ihre erste Karte ablegte. »Du willst mich wohl vergackeiern?«
»Entschuldigt mich, ich muss mich jetzt auf den Weg zur Kanzlei machen. Ich habe noch einiges vorzubereiten.«
»Grüß das Mädchen ganz herzlich von uns, Alex.« Seine Mutter ließ von den Erdbeeren ab und gab ihm einen raschen Kuss auf die Wange.
»Mama, das Mädchen ist fast dreißig und damit lange erwachsen, und vielleicht erinnert sie sich gar nicht mehr an uns.«
»Sicher tut sie das. Sie war als Kind immer gerne hier. Außer, wenn du sie und Christina beim Spielen geärgert hast, zusammen mit deinem unsäglichem Freund Lars.« Anke lachte bei der Erinnerung. »Wenn ich es recht bedenke, ist es vielleicht gar nicht so gut, dass ausgerechnet du als Nachlassverwalter eingesetzt worden bist. Wenn sie dir die Streiche von damals noch übel nimmt, ist sie vielleicht schneller wieder zurück in Köln, als wir gucken können.«
Auch Alexander lachte. »Wenn sie sich heute noch deswegen aufregt, wäre sie aber kein großer Verlust für uns, meinst du nicht?«
»Kann schon sein. Grüß sie trotzdem von uns und lade sie ein, uns zu besuchen, bevor sie wieder zurückfährt. Ich sterbe vor Neugier, was aus dem kleinen blonden Mädchen geworden ist.«
»Wir werden sehen.« Alexander schnappte sich sein graues Jackett, das er über die Stuhllehne geworfen hatte, und zog es über.
»Also zu meiner Zeit hat man nicht bloß halbe Anzüge in der Kanzlei getragen«, moserte sein Großvater. »Jeans und Jackett, ein Wunder, dass dir die Klienten nicht reihenweise davonlaufen.«
»Vadder, lass den Alex mal machen.« Arno legte bedächtig eine Karte ab, woraufhin seine Mutter einen fauchenden Laut ausstieß.
»Jetzt schummelst du aber!«
»Tu ich nicht. Du hast bloß nicht aufgepasst.«
»Trotzdem sollte der Junge sich ordentlich kleiden«, beharrte sein Vater.
»Das tut er doch. Die Zeiten haben sich halt geändert.«
»Das tun sie ständig. Aber als Anwalt sollte man immer darauf bedacht sein …«
Alexander lächelte seiner Mutter noch einmal zu und ergriff die Flucht.

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Über Fragen, Kommentare, Anregungen usw. würde ich mich wie immer sehr freuen.

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Körbchen mit Meerblick web


Körbchen mit Meerblick
Petra Schier

MIRA Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-956495-76-2
9,99 €

Auch als eBook erhältlich.
Erscheint im Juli 2016

Eis, Sandburgen, Wattwanderungen – Melanie verbindet nur die schönsten Erinnerungen mit den Nordseeferien bei ihrer Tante. Trotzdem ist sie überrascht, dass diese ihr nach ihrem Tod ihren gesamten Besitz vermacht. Dazu gehören nicht nur das Haus und die Kunsthandlung, sondern auch der quirlige Welpe Schoki. Nun muss Melanie sich entscheiden: Will sie wirklich ihr vertrautes Leben zurücklassen, um für immer in diesem Küstennest leben? Einen Sommer will sie sich Zeit nehmen, diese Entscheidung zu treffen. Doch dabei haben der gut aussehende Nachlassverwalter Alex und das vierbeinige Temperamentsbündel auch ein Wörtchen mitzureden …

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