Allmählich kommt der Erscheinungstermin von Der Hexenschöffe am Horizont in Sicht. Nur noch wenige Wochen sind es, bis ihr das Buch sowie eBook und auch das Hörbuch überall im Buchhandel erwerben könnt. Und das bedeutet, ich darf euch heute den vorletzten Textschnipsel aus dem Roman präsentieren. Diesmal lernt ihr Anna, die Verlobte von Hermann Löhers Sohn Bartel, ein wenig näher kennen. Und auch Margarete Kocheim, von der ihr bereits in einem früheren Textschnipsel lesen durftet, kommt hier noch einmal zum Zuge.

Hier der neue Textschnipsel:

Kurz entschlossen stellte Anna ihren Korb auf den Stufen vor dem Hauseingang ihres Onkels ab und strebte dem Hof der Kocheims zu. Die Überraschung, als sie Annas ansichtig wurde, war Margarete deutlich anzusehen.

»Nanu, die Anna Kemmerling! Was verschafft mir denn die Ehre deines Besuchs?«

Anna bedachte sie mit einem verächtlichen Blick. »Nimm das Wort Ehre in meiner Gegenwart nicht in den Mund, Margarete. Ich bin nur hergekommen, um dich zu warnen.«

»Zu warnen? Ei wei, wovor denn wohl?« Margarete tat, als könne sie kein Wässerchen trüben. Damit brachte sie Anna noch mehr gegen sich auf.

»Halt dich gefälligst von Bartel fern. Du weißt ganz genau, dass er mich als Mailehen ersteigert hat.«

Margarete lächelte selbstgefällig. »Ach, weißt du, Anna, es ist ja nicht so, als hätte ich ihn gezwungen, mit mir zu reden. Das hat er ganz von selbst getan.«

»Ja, weil er zu höflich ist, um dich auf den Platz zu verweisen, der dir gebührt!«, fuhr Anna sie wütend an.

Nun lachte Margarete. »Höflich? Das ist gut. Er war also nur höflich, als er mir seine Zunge in den Hals gesteckt hat? Und noch höflicher, als er mich überall begrapscht hat und mir beinahe an die Wäsche gegangen wäre? Also, ich würde das anders nennen. Rollig ist er geworden, und nicht zu knapp! Ich sagte ja, du kannst dich über so einen feurigen Liebhaber nur freuen. Wenn ich’s zugelassen hätte, dann müsste er mir jetzt sogar die Ehe versprechen, um meine …«

»Schweig!« Anna holte aus und schlug Margarete mit aller Kraft ins Gesicht. »Hörst du dir eigentlich selbst zu, du falsche Schlange? Wie kann man nur so verdorben sein?«

Verblüfft fasste Margarete sich an die Wange und starrte Anna einen Moment lang nur an, dann stieß sie ein gehässiges Lachen aus, das allerdings weniger fest klang, als sie offenbar beabsichtigt hatte. »Mich nennst du verdorben, du verhuschtes Mäuschen? Ich weiß wenigstens, was ein Mann will und braucht. Wäre Bartel mein Mailehen, würde ihm nicht mal im Traum einfallen, ein anderes Mädchen auch nur von der Ferne anzusehen. Was sagt es also über euch beide aus, dass er sich so leicht von meiner bloßen Anwesenheit hat hinreißen lassen? Was sagt es über dich aus, du kleine Trine Tugendsam? Du bist ja nicht mal in der Lage, das Interesse deines Schatzes länger als ein paar Stunden an dich zu binden. Kaum bist du aus seinem Blickfeld, vergreift er sich an einer anderen.« Hochmütig reckte sie das Kinn.

Anna stieß angewidert die Luft aus. »Von deiner ›bloßen Anwesenheit‹, wie du es nennst, hat er sich ganz gewiss nicht hinreißen lassen. Du wirst schon ordentlich nachgeholfen haben. Wie genau, das will ich überhaupt nicht wissen, du liederliches Weib!«

»Schade, vielleicht würdest du dabei noch das Eine oder Andere lernen.«

»Schämst du dich denn überhaupt nicht?« Fassungslos blickte Anna ihr Gegenüber an. »Beim Reih anzeigen sollte ich dich. Der Flurschütz und seine Helfer würden dir schon eine gerechte Abreibung verpassen. Ein Bad im Mühlbach zum Beispiel, damit du dich ein bisschen abkühlst. Du scheinst ja hitziger zu sein als eine rossige Stute.«

»Und du bist kalt wie ein Fisch. Was glaubst du denn, mit wem Bartel mehr Vergnügen empfindet?«

»Hör sofort auf, so schamloses Zeug zu reden!«

Margarete lachte erneut. »Ich sage lediglich, wie es ist.«

»Gut, dann sag das auch aus, wenn du vors Reihgericht gestellt wirst.«

In Margaretes Augen blitze kurz etwas auf, das durchaus ein Anflug von Furcht sein konnte. »Das muss ich überhaupt nicht.«

»Ach nein?«

»Nein.« Margarete verschränkte die Arme vor der Brust. »Weil du mich nämlich nicht anzeigen wirst. Du hast keinerlei Beweise, und Bartel wird ganz bestimmt nichts gegen mich sagen, weil er sich damit selbst belasten würde. Damit würde er nicht nur sein Schultheißenamt aufs Spiel setzen, sondern gleichzeitig dich der Lächerlichkeit preisgeben. Das wird er doch wohl nicht tun, oder? Nun ja, falls doch, weißt du dann wenigstens, woran du bei ihm bist.«

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Buchvorschautext, Quelle: www.rowohlt.de

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Der Hexenschöffe
Historischer Roman
Petra Schier
Rowohlt-Taschenbuch, 502 Seiten
ISBN 978-3-499-26800-7
9.99 Euro
Erscheint am 1. Oktober 2014.

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