Ein ganzer Monat ist schon wieder vergangen, in dem ich zugegebenermaßen relativ schweigsam war, zumindest hier im Blog. Das lag aber daran, dass Der Hexenschöffe endlich fertig werden musste. Glücklicherweise ist mir das inzwischen geglückt. Danach war ich dann eine ganze Woche in Büsum bei den DeLiA-Liebesromantagen, und als ich zurück war, wartete bereits das lektorierte Manuskript auf mich, das ich derzeit noch immer durchsehe. Viele gute Gründe also, etwas stiller zu sein und nicht so oft zu bloggen. Dennoch möchte ich euch natürlich weiterhin mit dem Making-of versorgen, diesmal wieder mit einem schönen Textschnipsel. Er hat jetzt sogar den ersten Lektoratsdurchgang hinter sich, ist also schon wesentlich geschliffener als der Ursprungstext.

Demnächst werde ich euch auch einen kleinen Einblick ins Lektorat gewähren, mit einem Vorher-Nachher-Effekt und vielleicht auch einem Screenshot, der zeigt, wie ein lektoriertes Manuskript aussehen kann.

Doch nun erst mal ein weiterer kleiner Auschnitt aus meinem Manuskript für euch:

Verunsichert blickte Bartel noch einmal in Richtung des Kocheimschen Hauses. Seine Augen weiteten sich vor Schreck, als er Margarete aus der Tür treten und zielstrebig auf ihn zusteuern sah. Über dem Arm trug sie etwas, dass sich bei näherem Hinsehen als sein Mantel herausstellte.

Bartel schluckte hart und spürte, wie ihm das Gefühl aus den Gliedern wich.

»Bartel? Stimmt etwas nicht?« Neugierig drückte Anna noch einmal seinen Arm und folgte dann seinem Blick. »Huch, was will die denn von uns?«

Margarete lächelte liebenswürdig erst in Annas, dann in Bartels Richtung.

»Guten Tag, ihr beiden«, grüßte sie vollkommen harmlos. »Bartel, gut, dass ich dich hier antreffe. Dann muss ich nicht den ganzen Weg bis zu euch laufen.« Sie hielt ihm seinen Mantel hin. »Hier, den hast du neulich Nacht bei mir vergessen.«

»Was?« Mehr verblüfft als verärgert starrte Anna Margarete an und blickte dann fragend zu Bartel auf. »Neulich Nacht?«

»Ja, äh …« In Bartels Kopf herrschte plötzlich gähnende Leere. Er hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. Mechanisch nahm er den Mantel an sich.

»Ach, hat er dir gar nicht erzählt, dass er mich Sonntagnacht nach Hause gebracht hat?« Noch immer klang Margaretes Stimme so beiläufig, dass Bartel sie am liebsten erwürgt hätte. »Weißt du, wir haben uns nach der Mailehenversteigerung bei ihm getroffen – nun ja, genauer gesagt vor seinem Haus.« Das strahlende Lächeln, mit dem Margarete Anna bedachte, ließ Bartel die Haare zu Berge stehen.

»So, habt ihr das.« Fragend musterte Anna ihn. »Das scheint dir ja vollkommen entfallen zu sein.«

»Äh, nein. Ich habe nur noch nicht … Ich wollte doch gerade …« Bartel schwieg wieder, denn sein unbeholfenes Gestammel machte alles nur noch schlimmer.

»Also, ich muss schon sagen, dafür, dass du der Schultheiß des Reihs bist, kennst du eure eigenen Gesetze reichlich schlecht.« Anna entriss ihm den Weidenkorb.

»Ach, sei doch nicht so.« Margarete tätschelte beiläufig Annas Arm. »Natürlich darf er eigentlich nur mit seinem Mailehen sprechen. Aber ich war an jenem Abend sehr … niedergeschlagen und Bartel hat mich ein wenig aufgeheitert.«

»Tatsächlich.«

»O ja. Er ist sehr einfühlsam.«

»Ist er das.«

»Er hat mir sehr eindrucksvoll Trost gespendet. Du kannst dich wirklich glücklich schätzen, einen so heißblütigen Verehrer den deinen nennen zu dürfen.«
»Heißblütig?« Annas Stimme kippte leicht.

Bartel hustete. »Margarete!«

»Ach, das weißt du bestimmt längst selbst, nicht wahr, Anna? Aber nun entschuldigt mich, meine Mutter wartet daheim auf mich. Ich muss zurück zu meinen Pflichten.« Hoch erhobenen Hauptes drehte Margarete sich um und entfernte sich mit wiegenden Hüften.

In verlegener Nervosität fuhr Bartel sich durchs Haar. »Anna, es ist nicht so …«

»Halt den Mund, Bartel.« Anna hatte die Augen zusammengekniffen und blickte Margarete sichtlich erzürnt nach. »Wir sprechen uns später.« Sie wechselte den großen Korb auf den anderen Arm und stieg die Stufen zum Haus hinauf. Kurz, bevor sie im Inneren des Hauses verschwand, meinte Bartel sie noch die Worte »feile Dirne« murmeln zu hören, doch er konnte sich auch irren. Seine Anna nahm solche Wörter normalerweise nicht in den Mund.

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Über Kommentare, Fragen, erste Eindrücke zu diesem Textschnipsel würde ich mich wie immer sehr freuen.

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Petra Schiers großer Schicksalsroman: Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit

Ganz Deutschland ist vom Hexenwahn ergriffen. Hermann Löher, Kaufmann und jüngster Schöffe am Rheinbacher Gericht, hat Angst um Frau und Kinder. Er glaubt nicht an Hexerei und die Schuld derer, die bereits den Flammen zum Opfer fielen. Eine gefährliche Einstellung in diesen Zeiten. Als die Verhaftungswelle auch auf Freunde übergreift, schweigt Löher nicht länger. Und schon bald beginnt für ihn und seine Frau ein Kampf gegen Mächte, die weit schlimmer sind als das, was man den Hexen vorwirft …

Buchvorschautext, Quelle: www.rowohlt.de

SU_978-3-499-26800-7_E9Der Hexenschöffe
Historischer Roman
Petra Schier
Rowohlt-Taschenbuch, ca. 450 Seiten
ISBN 978-3-499-26800-7
9.99 Euro
Erscheint im Oktober 2014

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