Während ich noch dabei bin, alle Anmerkungen meiner Lektorin in das Manuskript einzuarbeiten, dürft ihr noch einen letzten Sneak Peek lesen. Er ist noch nicht vollständig, sondern erst teilweise lektoriert, also seid gnädig, falls irgendwo noch Unebenheiten auftauchen sollten. Viel Spaß!

Aus dem 7. Kapitel

Durch das Zielfernrohr hatte Luke einen guten Blick auf Wainwright und Michael, die einander unweit des Containers gegenüberstanden. Michael eröffnete das Gespräch, doch kaum hatte er ein paar Worte gesprochen, als Wainwright eine Pistole zog und auf ihn richtete. Den Lippenbewegungen und der Körpersprache nach schnauzte er Michael wütend an.
»Oh, oh.« Sogleich nahm Luke Wainwright ins Visier, bereit, jeden Moment den Abzug zu drücken.
Michael hob beide Hände, wich jedoch nicht zurück. Ruhig redete er auf sein Gegenüber ein, der daraufhin auf ihn zuging, sodass er nun doch gezwungen war, rückwärts weiter über den Hof zu gehen. Beide Männer verschwanden halb hinter dem Container.
»Och nö, Mike, nicht doch!« Luke fluchte unterdrückt. Er wählte Brianna an. »Hast du die beiden im Blick?«
»Alles okay. Bloß hinter die Paletten dürfen sie nicht gehen. Die kann ich von hier aus auch nicht … Scheiße!«
Luke hatte es bereits selbst gesehen. Wainwright hatte Michael tatsächlich mit der vorgehaltenen Waffe bis hinter die Paletten dirigiert. Absicht oder Zufall? Jetzt konnte Luke jedenfalls nur noch die obere Hälfte der beiden Köpfe sehen. Er richtete sein Gewehr auf Wainwrights Schläfe aus. »Bri, such dir eine neue Position. Von hier aus kann ich nicht erkennen, was da unten vorgeht. Und Wainwright kann ich bestenfalls mit einem Kopfschuss ausschalten.« Er lauschte und hörte es am anderen Ende der Leitung Rascheln und Knistern. »Bri?«
»Alles klar, ich bin jetzt etwas näher dran.«
Irritiert runzelte Luke die Stirn und löste kurz seinen Blick von dem Palettenhaufen. Entgeistert stieß er die Luft aus. »Brianna, was tust du denn da? Komm aus dem verdammten Baum raus!«
»Von hier aus habe ich freie Schussbahn hinter die Paletten.«
»Du sitzt da oben wir auf dem Präsentierteller. Wenn sie dich sehen, knallen sie dich sofort ab.«
»Sie sehen mich aber nicht.«
»O Mann!« Verärgert konzentrierte er sich wieder auf die Szenerie unten vor der Lagerhalle.

***

»Wer hat mir die Cops auf den Hals gehetzt, Mann?« Vibrierend vor Zorn fuchtelte Wainwright mit seiner Waffe vor Michaels Nase herum. »Meine Männer mussten sie unauffällig ausschalten, damit ich ungesehen herkommen konnte.«
Wunderbar, auch das noch. Michael unterdrückte seine Verärgerung. »Mr. Wainwright, ich versichere Ihnen, dass ich damit nichts zu tun habe. Welchen Grund sollte ich haben, Sie bei der Polizei anzuzeigen?«
»Was weiß ich denn? Sie könnten ein verdammter Informant sein.«
»Ein Informant im Armani-Anzug?« Michael lächelte nachsichtig, behielt aber den Lauf der 45er wachsam im Auge. »Glauben Sie mir, nichts liegt mir ferner, als mich mit den Cops oder dem FBI abzugeben. Mir geht es nur um eins: Geschäfte. Geschäfte sind Geld und davon beabsichtige ich, in Kürze eine ziemliche Menge zu besitzen. Oder vielmehr meinem bereits bestehenden Vermögen hinzuzufügen. Wenn die Polizei Sie verfolgt, muss etwas anderes dahinterstecken. Möglicherweise ein Mitarbeiter, der als V-Mann arbeitet.«
»Im Leben nicht. Meine Leute sind zu einhundert Prozent loyal.«
»Ein Konkurrent, der Sie ausschalten will?«
Das brachte Wainwright kurz zum Zögern, doch dann schüttelte er den Kopf. »Ich hatte verdammt noch mal alles im Griff, bis Sie aufgetaucht sind. Damit Sie es wissen, unser Deal ist hinfällig. Sie verschwinden aus der Stadt und nehmen Ihre Probleme mit.«
Michael sah seine Felle bereits davonschwimmen. »Hören Sie, wir können über alles reden …«
»Nein, Sie halten die Schnauze und kehren in das Loch zurück, aus dem Sie hervorgekrochen sind, Mitchell. Und sollte ich herausfinden, dass Sie doch die Behörden auf mich gehetzt haben, werde ich Sie höchstpersönlich in Ihre Einzelteile zerlegen. Und glauben Sie mir, ich weiß, wie man das so schmerzhaft gestaltet, dass Sie sich wünschen werden, niemals geboren worden zu sein.«
Ein Freund der Melodramatik, dachte Michael und hätte am liebsten verächtlich geschnaubt. Gleichzeitig überlegte er fieberhaft, wie er aus der Falle, in der er hinter den Paletten saß, wieder herauskommen konnte. »Mr. Wainwright.« Er setzte sein bestes Verkäuferlächeln auf. »Wenn Sie mich töten wollten, hätten Sie es längst getan.«
»Ach ja?« Wainwright trat einen Schritt näher. »Wer sagt Ihnen denn, dass ich es nicht noch tun werde?«
»Sie sind ein vernünftiger Mann und wissen den Wert eines guten Geschäfts zu schätzen. Was halten Sie davon, wenn ich Ihren wirtschaftlichen Vorteil aus unserer Zusammenarbeit verdoppele und meine Leute beauftrage herauszufinden, wer hinter Ihren Problemen mit den örtlichen Polizeibehörden steckt?«
Nun hielt Wainwright ganz deutlich sichtbar inne. Ehe er antworten konnte, öffnete sich jedoch die Tür des Mercedes. Ein schlanker blonder Mann stieg aus und rannte gebückt auf sie zu. »Boss! Bill meldet gerade eine ungewöhnliche Spiegelung vom Dach des Recyclingcenters. Könnte ein Scharfschütze sein. Verschwinden wir hier.«
Sofort richtete Wainwright die Pistole wieder auf Michael, diesmal direkt auf seinen Kopf. Auch der Blonde zückte seine Waffe und entsicherte sie.
Instinktiv wich Michael zurück. Bevor er jedoch ein Wort sagen konnte, vernahm er einen harten, leicht dumpfen Laut. Wainwright wurde durch ein Geschoss von den Füßen gerissen. Nur eine Sekunde später wurde auch der Blonde getroffen – in den Kopf. Blut und Hirnmasse spritzten auf Michael. Der Mann brach neben seinem Boss zusammen, dessen Brust ein gut faustgroßes Loch verunzierte, aus dem das Blut in Strömen floss.
Michael warf sich hinter den Palettenhaufen und zog seine Waffe. Keinen Moment zu früh, denn Wainwrights Bodyguards und der Chauffeur eröffneten bereits das Feuer auf ihn. Er hörte etwas klirren, vermutlich die Scheiben am Mercedes. Schüsse knallten aus mehreren Richtungen. Vorsichtig rutschte er bis zum Rand der Paletten und lugte um die Ecke. Sogleich schlug um ihn herum ein Kugelhagel ein. Holz splitterte, einige Projektile schlugen in die Fassade des Lagerhauses ein.
Fluchend zog Michael sich in seine Deckung zurück. Er saß in der Falle. Vorsichtig beugte er sich ein wenig vor und feuerte auf gut Glück um die Ecke des Palettenhaufens. Die Schüsse wurden sofort erwidert. Sein Blick wanderte nach rechts und er wurde auf eine ungewöhnliche Bewegung aufmerksam. In einem Baum? Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie Brianna sich aus dem Geäst schwang und wie der Blitz bis zur Ecke des Lagerhauses sprintete. Sie trug das Scharfschützengewehr bei sich, feuerte jedoch mit der freien Hand ihre 38er auf Wainwrights Männer ab. Er kannte keine andere Frau, die das fertigbrachte.

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Nach wie vor ohne Identität, Job und Geld ist der ehemalige C.I.A.-Agent Michael Cavenaugh in seiner Heimatstadt Los Angeles gestrandet. Bis auf die mysteriöse Botschaft von E.L.I.A.S. auf einer Visitenkarte gibt es keinerlei Spuren oder Anhaltspunkte, die erklären, wer Michaels Leben zerstören will.
Um sich über Wasser zu halten, erklärt er sich bereit, der jungen Tricia Bloomberg zu helfen, die, ohne es zu wollen, in das Netz des Mafiosos Milan Hovkowicz verstrickt worden ist und sich nun keinen Ausweg mehr weiß. Michael und seine beiden noch verbliebenen Freunde Luke Tanner und Brianna Wagner versuchen gemeinsam, Hovkowicz‘ Machenschaften aufzudecken, müssen aber bald erkennen, dass sie sich damit in höchste Lebensgefahr begeben. Denn Milan Hovkowicz ist nicht die Spitze des Eisbergs.
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