Nur noch wenige Tage, bevor mein neuer historischer Roman Die Bastardtochter als Taschenbuch und eBook in die Buchhandlungen kommt. Einen letzten Textschnipsel habe ich als kleines Schmankerl noch für euch und ich hoffe, er macht euch ein bisschen Appetit auf das Buch.

Bitte sehr, viel Vergnügen:

»Was fällt dir ein, Weib, dich derart ungebührlich zu benehmen?« Wutschäumend packte Guntram Enneleyn und schüttelte sie. »Du hast einem Mann keine Ratschläge zu erteilen. Mir nicht und schon gar nicht einem dahergelaufenen Kaufmann samt seinem rotznäsigen Bengel! Davon, dass du dich allein mit ihm in seinem Haus herumgetrieben hast, will ich gar nicht anfangen.«
Enneleyn stöhnte unter seinem harten Griff. »Herr Guntram, Ihr tut mir weh.«
»O ja, das tue ich, und nichts Besseres hast du verdient. Wie kannst du es wagen, mir zu verschweigen, was du mit dem Kaufmann in seinem Haus getrieben hast?«
»Getrieben?« Enneleyn wand sich. »Ich … wir haben nichts Unrechtes getan, um Himmels willen. Er hat mir das Haus gezeigt und mich nach meiner Meinung zu einigen der geplanten Veränderungen gebeten. Hätte ich denn schweigen sollen? Das ist ebenso unhöflich.«
»Du hättest dich gar nicht erst darauf einlassen sollen, du … du Dirne! Zum Glück scheint Bongert viel zu verweichlicht und zu sehr darauf bedacht, mir in den Hintern zu kriechen, als dass er es wagen würde, sich dir unschicklich zu nähern. Kein Wunder bei seiner niederen Herkunft.«
»Wie bitte?« Enneleyn stöhnte erneut vor Schmerz.
Guntram stieß sie unsanft von sich und lachte gehässig. »Ja, glaubst du denn, dass mir lange verborgen bleiben würde, woher dieses Gewürm stammt? In einer ärmlichen Bauernkate ist er zur Welt gekommen. Seine Mutter war ein gemeines Bauernweib, sein Vater lediglich mit dem Vorzug gesegnet, frei geboren zu sein. Ein Wunder, dass er und seine Schwester es geschafft haben, sich in Kaufmanns- und Patrizierkreise einzuschleichen. Unerhört, will ich meinen. Abschaum, der gute Blutlinien verpestet.«
»Aber … so etwas dürft Ihr nicht sagen, Herr Guntram!«
»Warum denn nicht? Ist es etwa nicht wahr? Und so liederlich, wie du dich beträgst, muss ich feststellen, dass du kaum einen Deut besser bist. Sei froh, dass väterlicherseits adeliges Blut durch deine Adern fließt. Das wertet deine Geburt auf, das Blut der Mutter ist immer kraftloser und unwichtiger als das des Vaters. Andernfalls hätte ich auch nicht in Erwägung gezogen, dich zu zur Frau zu nehmen. Schlimm genug, dass ich meine Pläne nur durch eine Ehe mit einer Bastardin erfolgreich verwirklichen kann. Dankbar müsstest du mir sein, dass ich deiner bedauernswerten Existenz einen Sinn gegeben habe, indem ich dich zum Weib nahm. Stattdessen widersetzt du dich mir und lügst mich an. Das hat ab sofort ein Ende, Enneleyn, hast du verstanden?«
Enneleyn schluckte und zog den Kopf ein. Sie war sprachlos. Etwas an Guntrams hämischen Worten stach ihr ganz besonders ins Fleisch. »Was meint Ihr damit, dass Ihr nur durch eine Ehe mir Eure Pläne verwirklichen könnt? Was sind das für Pläne?« Als seine Hand ihr Gesicht traf, schrie sie auf. Sie hatte den Schlag nicht kommen gesehen, so schnell war er ausgeführt worden.
»Meine Angelegenheiten gehen dich einen feuchten Kehricht an, Enneleyn. Wag es nie wieder, mich danach zu fragen. Wenn du nicht allmählich lernst, wo dein Platz ist, wirst du es bitter bereuen. Die Frau sei dem Manne Untertan, das steht schon in der Heiligen Schrift. Also scher dich hinauf in die Schlafkammer und erwarte mich dort demütigst. Sorgen wir dafür, dass du mir so bald wie möglich einen Sohn austrägst. Dann tust du wenigstens in dieser Hinsicht deine Pflicht.«
Darauf antwortete Enneleyn tunlichst nicht. Sie raffte ihre Röcke und verließ eilig die Stube. Heiße Tränen brannten in ihren Augen.

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Koblenz, 1362. Die schöne Enneleyn lebt mit einem Makel: Sie ist unehelich geboren. Zwar hat Graf von Manten sie als Tochter anerkannt, die gesellschaftliche Akzeptanz bleibt ihr jedoch verwehrt. Als Ritter Guntram von Eggern um ihre Hand anhält, zögert sie deshalb nicht lange. Schon bald stellt sich heraus: sie hat einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Nach außen ganz liebevoller Gatte, verbirgt Guntram geschickt seine dunklen Seiten. Nur Ennelyn weiß um seine Brutalität und Machtgier. Nur sie weiß um seinen großen Plan … Nach «Eifelgräfin» und «Gewürzhändlerin» nun Teil drei der beliebten Reihe.

Buchvorschautext und Cover, Quelle: www.rowohlt.de

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Die Bastardtochter
Historischer Roman
Petra Schier

Rowohlt-Taschenbuch + eBook
542 Seiten
ISBN 978-3-499268-01-4
9.99 Euro

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