Der fünfte Band meiner Adelina-Reihe – Verschwörung im Zeughaus – dreht sich, wie der Titel schon verrät, um eine Verschwörung … und um Tilmann Greverode, den Hauptmann der Kölner Stadtsoldaten.

Oops, jetzt hätte ich beinahe gespoilert! Um euch, die ihr das Buch oder gar die gesamte Reihe noch nicht kennt, nicht den Spaß zu verderben, werde ich versuchen, möglichst wenig Inhaltliches zu verraten.

Tilmann Greverode also. Hauptmann der Stadtsoldaten. Das schrieb ich bereits. Der Punkt ist, dass Tilmann bis Band 4 eine eher untergeordnete, wenn auch nicht unwichtige Rolle gespielt hat. Dann hat er sich mir erst offenbart und verraten, was und wer er wirklich ist. Darüber habe ich bereits berichtet.

Die wenigen Eckpunkte zu seiner bis dahin bekannten Biografie habe ich nur vergleichsweise oberflächlich recherchiert, also nur das, was wirklich notwendig war. Nun geriet er aber für den 5. Roman so sehr in den Fokus, dass ich dem Verlag im Exposé viel mehr Fakten liefern musste. Auch das Plotten konnte nur sinnvoll vor sich gehen, wenn ich mir mehr Hintergrundinformationen zu den Kölner Hauptmännern aneignete. Das Exposé musste aber so lange im Voraus bereits in den Verlag, dass mir keine Zeit blieb, intensiv zu recherchieren. Also füllte ich die noch vorhandenen Lücken mit meinen Ideen und Vermutungen. Zum Beispiel über die Voraussetzungen, um überhaupt Hauptmann werden zu können, über den Status der Hauptmänner, ihr Ansehen, ihre Rechte und Pflichten, ihren Sold und ihre Vermögens- und auch Wohnverhältnisse.

Als ich dann Monate später endlich zum Recherchieren kam, war ich außerordentlich verblüfft, denn was ich in den einschlägigen Quellen und wissenschaftlichen Arbeiten las, deckte sich 1:1 mit dem, was ich mir erdacht hatte.

Dieses Phänomen ist mir nicht zum ersten Mal begegnet und ich treffe es auch heute noch immer wieder an. Ich habe eine gewisse Vorstellung von etwas und bei der Recherche stellt sich heraus, dass es sich exakt so verhält bzw. verhalten hat. Ohne, dass ich zuvor darüber gelesen oder davon gehört hätte. Zwar kann ich natürlich eine gewisse Erfahrung zugrunde legen, gerade was das späte Mittelalter angeht, denn immerhin recherchiere ich dazu schon seit Jahren. Dennoch erstaunt es mich, dass ich viele Dinge offenbar weiß, ohne zu wissen, dass ich sie wusste.

Kann ich also nur gut raten bzw. kombinieren oder gibt es doch so etwas wie ein kollektives Gedächtnis, auf das wir zurückgreifen können. Die einen mehr, die anderen weniger? Der esoterische Ansatz wäre zu überlegen, ob ich denn vielleicht in jener Zeit schon einmal gelebt habe. Kann sein, keine Ahnung. Irgendwoher muss dieses Wissen oder zumindest die gute Intuition ja kommen.

Wie auch immer es sich verhält, dass die Fakten sich mit meinen Ideen deckten, hat mich sehr erleichtert, denn andernfalls wäre es mir schwergefallen, die Geschichte so zu erzählen, wie sie sich jetzt darstellt. Hätten die Hauptmänner der Kölner Stadtsoldaten zum Beispiel nicht so gut verdient und wären sie nicht so hoch angesehen gewesen, hätte ich mich nicht getraut zu behaupten, einer von ihnen könnte sich jemals erlaubt haben, um die Hand einer adeligen Jungfer anzuhalten. Ob sie diesen Antrag nun ablehnte oder nicht, sei mal dahingestellt. Allein die Tatsache des Antrags an sich und das Wohlwollen seitens des Vaters der Jungfer wären unmöglich gewesen, wenn die wirtschaftliche und soziale Situation des Tilmann Greverode anders gewesen wäre.

Auch sein Handeln in Bezug auf die Verschwörung sollte im historischen Kontext nachvollziehbar sein. Selbstverständlich kann man als Autorin auch eine wilde Abenteuergeschichte komplett aus dem Ärmel schütteln. Ich finde es aber extrem wichtig, meine historischen Romane in einem möglichst korrekten historischen Kontext spielen zu lassen. Wenn eine historische Begebenheit, Fakten oder ein Ereignis nicht so sind, wie ich es gerne hätte oder benötige, werden sie nicht einfach passend gemacht. Einige Kollegen tun so etwas, und hinsichtlich der künstlerischen Freiheit ist auch nichts dagegen einzuwenden. Vor allem dann nicht, wenn im Nachwort darauf hingewiesen wird, dass etwa ein historisches Ereignis für den Verlauf des Romans verändert oder verlegt wurde.

Ich möchte das jedoch nicht. Wenn meine Geschichte nicht zum historischen Kontext passt (das gilt auch für einzelne Details), dann wird nicht der Kontext verändert, sondern die Geschichte passend gemacht. Das führt im schlimmsten Fall dazu, dass bestimmte Handlungsstränge gar nicht genutzt werden können, weil sie historisch nicht möglich gewesen wären. Meistens muss ich jedoch eher die vorhandenen Ideen so lange in meinem Kopf wälzen, bis sie sich der Historie irgendwie angepasst haben.

Falls sich also jemand fragt, weshalb ich dieses und kein anderes Jahr, eine bestimmte Stadt, ein Thema für einen Roman gewählt habe, dann könnt ihr das jetzt vielleicht ein bisschen besser nachvollziehen. Es muss immer alles zusammenpassen. Da ich aber nicht so vermessen sein möchte, den Lauf der Geschichte zu verändern, muss meine Story sich diesem Lauf mit allen seinen Konsequenzen anpassen.

In der Regel wähle ich instinktiv die richtige Epoche, das richtige Jahr, den passenden Tag für meine Romane. Auch hier kann man sich fragen, ob das einfach nur ein glückliches Händchen ist oder wiederum der Zugriff auf das kollektive Bewusstsein.

Wenn ihr eine Antwort (oder auch nur eine Vermutung) dazu habt, scheut euch nicht, sie mir mitzuteilen! :-)

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Verschwörung im Zeughaus

Verschwörung im Zeughaus
Historischer Roman
Petra Schier

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