Mein erster historischer Roman, Tod im Beginenhaus, Adelina Nr. 1 also, war gerade erst “geboren”, mit anderen Worten gerade mal frisch auf dem Markt, da erhielt ich von Rowohlt bereits die Anfrage, ob ich mir vorstellen könne, eine Fortsetzung zu schreiben. Warum? Nun, in der Regel tun Verlage so etwas, wenn der erste Teil besonders erfolgreich läuft. So auch in diesem Fall. Als Debüt hat sich das Buch ungewöhnlich gut verkauft, deshalb erhielt ich einen Anruf, ganz unverhofft, und wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könne, einen weiteren Teil zu schreiben.

Ich war baff. Wollte schon nein sagen. Weil … Ich hatte Tod im Beginenhaus als Einzelbuch konzipiert und war mir eigentlich sicher, dass die Geschichte von Adelina, Neklas und ihrer Familie zu Ende erzählt sei. Eigentlich.

Wenn man noch ganz am Anfang steht, schlägt man eine gebotene Gelegenheit wie diese nicht einfach so aus. Ich erbat mir Bedenkzeit, um in mich zu gehen und zu schauen, ob es überhaupt Potenzial für eine Fortsetzung in mir zu finden gab.

Ich überflog das Manuskript, rief mir die Figuren ins Gedächtnis, überlegte. Nein, es war doch alles schon gesagt, oder etwa nicht?

Oder etwa nicht. Ich fragte beim Verlag nach, ob denn eine Geschichte, die sich um die Familie der Protagonistin drehe, also um Adelinas Familie, vom Verlag gerne gesehen würde. Da gab es dann ja zum Beispiel kein typisches Love-Interest, das die Leser bei Stange halten könnte.

Der Verlag bejahte, das ginge schon, wenn denn die Familiengeschichte schön dynamisch und turbulent sein. Ich solle doch mal ein Exposé schreiben.

Also überlegte ich weiter und recherchierte die Kölner Geschichte, die sich im Anschluss an die, die ich in Band 1 für das Setting herangezogen hatte, ereignet hatte. Und ich fand. Stoff. Viel Stoff. Also tüftelte ich an einem Exposé, plottete und plottete. Aber ich war am Ende mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Nicht ganz. Etwas fehlte oder vielmehr, etwas saß mir “quer”.

Eines Abends, ich war mit meinem Mann gerade zufällig beim Amerikaner mit dem großen M essen, musste mein armer Schatz sich meine Probleme lang und breit anhören. Er liest selbst nicht gern, zumindest keine Romane, also Hut ab, dass er so geduldig meinen Ausführungen gefolgt ist. Und was sagte er am Ende? Sinngemäß: Klar, dass das nix wird. Die Geschichte gab es so schon zigmal (im Fernsehen). Das ist langweilig. Mach es lieber anders. Nimm als Täter … Ich sage jetzt nicht, wen er vorschlug. Das müsst ihr schon selbst herausfinden, indem ihr das Buch lest. ;-) Mein Mann hatte nämlich recht, und nachdem ich den Täter geändert hatte, löste sich der Knoten in meinem Kopf und alles war perfekt.

Abgesehen davon brauchte ich dann aber für eine runde Geschichte noch ein paar neue Gesichter, damit noch mehr Leben in die “Bude” kommen konnte. Ihr erinnert euch: dynamisch und turbulent … Schnell waren Griet und Mira hergezaubert, das Ekelpaket Bruder Thomasius, und auch die Magd Franziska und Knecht Ludowig erhielten ihre endgültigen Rollen. Später dann, in Band 3, kam dann noch Meister Jupp hinzu samt seiner Familie. Aber damit greife ich ein bisschen weit voraus.

Im ersten Moment seltsam war es, eine Geschichte, die eigentlich rund war, wieder aufzugreifen und weiterzuspinnen. Die Figuren mussten sich ja treu bleiben, dennoch aber eine Entwicklung durchmachen. Nicht nur Adelina und Medicus Neklas, sondern auch Adelinas kranker Vater, ihr zurückgebliebener Bruder. Ja selbst Fine, die Katze, der ich dazu in einer gewittrigen Nacht einen Hund namens Moses zur Seite stellte. Wie Moses zu Adelina kam, könnt ihr im gleichnamigen Beitrag hier im Blog lesen.

Der Verlag mochte die Geschichte ebenfalls genau so. Am 14. November 2005 (nur sechs Wochen nach dem Erscheinen von Tod im Beginenhaus) erhielt ich bereits den Vertrag für Mord im Dirnenhaus. Aus Gründen der Programmplanung ist das Buch dann zwar erst im Februar 2007 erschienen, aber damals erschien mit der Abstand noch nicht so lang, denn ich schrieb ja noch nicht lange professionell und brauchte für ein Buch wesentlich länger als heute.

Was ich denn geschrieben (oder dem Verlag angeboten) hätte, wenn es Mord im Dirnenhaus nicht gegeben hätte, wollt ihr wissen?

Ganz ehrlich: Keine Ahnung. Ich kann mich nicht erinnern, welche Ideen ich damals im Kopf hatte. Bestimmt waren es einige. Da aber die Fangemeinde der Adelina-Romane über die Jahre ausgesprochen groß geworden ist, war es wohl das einzig Richtige, damals nicht gleich abzulehnen, sondern erst mal nachzudenken und das Potenzial der Figuren auszuloten. Herausgekommen sind dabei nicht zwei, nicht drei, nein, auch nicht vier Romane rund um Mord und Totschlag und Adelinas dynamische und turbulente Familie, sondern fünf. Und ein sechster (der letzte) wird im Herbst 2016 das Licht der Welt (oder vielmehr des Buchhandels) erblicken.

Wer Adelina und die ihren noch nicht kennt, sollte das unbedingt nachholen. Wer sie bereits liebgewonnen hat, darf gerne die Bücher noch mal hervorkramen und erneut lesen. Ich habe mir sagen lassen, dass ganz viele Leser das tun. Ich demnächst auch, wenn ich mich für Band 6 vorbereite.

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1396: Köln steht Kopf – ein ehrenwerter Kölner Bürger nach dem anderen wird tot im Dirnenhaus aufgefunden. Der mit dem Fall betraute Ratsherr erinnert sich daran, dass Adelina schon einmal einen Mordfall aufgeklärt hat und bitte sie um Hilfe.
Adelina hat gerade die Apotheke ihres Vaters übernommen und eigentlich anderes zu tun, als auf Mörderjagd zu gehen. Sie lässt sich jedoch erweichen – und wird plötzlich selbst zur Hauptverdächtigen …

Buchklappentext, Quelle: www.rowohlt.de

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Mord im Dirnenhaus
Historischer Roman
Petra Schier

Rowohlt-Taschenbuch, erschienen 01.02.2007
352 Seiten, ISBN 978-3-499-243-29-5
8.99 Euro

Informationen, Leseprobe, Shop-Links uvm. findet ihr auf meiner HOMEPAGE.

 

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