Immer wieder werde ich gefragt, wann denn nun endlich die lange angekündigte Eifel-Liebesromanreihe bei Weltbild erscheinen wird. Es freut mich riesig, dass so viele von euch schon so gespannt darauf warten. Momentan arbeite ich wie wild an der Fertigstellung des Manuskripts, das nämlich kommende Woche im Lektorat sein muss.

Das hört sich gut an, nicht wahr? Denn dann kann es ja nicht mehr allzu lange dauern, bis das Buch erscheint. Tut es auch nicht. Im Frühjahr 2023 ist es endlich so weit. Yay!

Da ich neben dem Schreiben auch fleißig überarbeite, dachte ich mir, das jetzt der beste Zeitpunkt wäre, euch einen ersten Textschnipsel aus dem Roman zu präsentieren. Unlektoriert zwar noch, aber das kennt ihr ja: Wer Fehler oder stilistische Unebenheiten findet, darf sie behalten. ;-)

Herausgesucht habe ich euch eine Szene vom Morgen nach der Ankunft meiner Protagonistin Larissa in dem kleinen Eifelstädtchen Rodderbach. Dort wird sie drei Monate mit der Recherche zu ihrem neuen historischen Roman verbringen und will sich außerdem darüber klarwerden, wie ihr Leben nach ihrer unschönen Scheidung vor einem dreiviertel Jahr weitergehen soll.

Ich wünsche euch viel Vergnügen bei diesem ersten Einblick in meinen neuen Liebesroman!

Aus dem 2. Kapitel

Langsam ging sie den Weg zurück, auf dem sie gekommen war, und blieb für einen Moment sinnierend vor dem Eingang der Bäckerei Adams stehen. Der Duft, der aus der geöffneten Eingangstür drang, ließ ihren Magen knurren.
Sie schrak zusammen, als hinter ihr eine Fahrradklingel ertönte und gleich darauf die Stimme eines Mannes.
»Tuut, tuuut! Achtung, du stehst auf meinem Parkplatz!«
Hastig sprang sie zur Seite, bevor ein großes Dreirad sie streifen konnte. Ein untersetzter Mann mit hellbraunem, leicht verstrubbeltem Haar, den sie auf Mitte oder Ende dreißig schätzte, sprang behände vom Sattel und lächelte sie ebenso freundlich wie neugierig an. »Guten Morgen. Du musst aufpassen, ich parke jeden Morgen da vor der Bäckerei. Fast hätte ich dich umgefahren.« Zu ihrer Überraschung streckte er ihr leutselig die rechte Hand hin. »Ich bin der Franz-Josef. Und du? Bist du auf Urlaub hier? Ich hab dich noch nie in Rodderbach gesehen.«
Höflich ergriff sie seine Hand und hätte beinahe über einen festen, aber extrem kurzen Handschlag gelacht. »Guten Morgen. Ich heiße Larissa und bin für drei Monate in Rodderbach, um für mein neues Buch zu recherchieren.«
»Oh, du bist eine Schriftstellerin?« Franz-Josef machte große Augen. »Dann bist du bestimmt die, die bei den Mahlers eingezogen ist, oder? In die Ferienwohnung? Die Jessie und der Thorben und der Holger haben davon erzählt, als wir letzte Woche den Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr hatten. Und die Erika hat gemeint, du wärst sogar ganz berühmt. Stimmt das?«
Larissa schmunzelte. »Na ja, berühmt vielleicht nicht, aber auch nicht ganz unbekannt.«
»Ich lese auch manchmal, aber nur Comics und die Zeitung. Bücher sind mir zu lang und zu anstrengend.« Franz-Josef schien es nicht eilig zu haben, denn er lehnte sich bequem gegen sein Dreirad und musterte sie aufmerksam. »Aber schon cool, wenn einer welche schreiben kann. Das ist bestimmt schwer, oder? Und jetzt schreibst du also ein Buch über Rodderbach? Was steht denn da drin?«
Larissa hob die Schultern. »Im Moment habe ich erst nur eine grobe Idee. Es soll ein historischer Roman werden, der zum Teil im alten Rodderbacher Kloster spielt. Im Mittelalter«, setzte sie hinzu, als er die Stirn runzelte.
»Das alte Kloster ist gar kein Kloster mehr«, antwortete er schließlich. »Das war ganz, ganz früher mal eine Herberge oder so und jetzt steht es leer, weil niemand weiß, wem es richtig gehört. Die Deckers sagen, es ist ihres, weil sie es vom alten Napoleon gekauft haben oder so. Das ist schon ziemlich lange her, aber es gibt keine Kaufurkunde. So was braucht man ja, sonst sagt der Staat, das gehört dir nicht. Blöd, oder? Dabei kümmern sie sich schon seit immer um den Grund und halten alles sauber und so. Und der Ben Decker, der will eigentlich ein Hotel oder so was draus machen. Aber das geht ja nicht, wenn er keine Kaufurkunde hat.« Franz-Josef rieb sich übers Kinn. Ihm war deutlich anzusehen, was er von solch einer Ungerechtigkeit hielt. »Ist wahrscheinlich alles im Krieg verschwunden, sagt Richard, das ist der Vater von Ben. Und jetzt können sie sehen, wo sie bleiben. Aber sie haben ja noch den Rodderbacher Hof hinten beim Kloster am Markt. Das ist eine Wirtschaft und da gibt es die besten Bratkartoffeln der Welt.« Grinsend rieb Franz-Josef sich über den Bauch. Musste mal probieren, wenn du so lange hier bist.«
»Das werde ich bestimmt tun«, versprach Larissa.
»Wenn du übers Mittelalter schreiben willst, hättest du mal vor drei Jahren hier sein müssen, da hatten wir nämlich unsere große Tausendjahrfeier. So lange gibt es Rodderbach nämlich schon, also mindestens. Da war vielleicht was los hier!« Seine hellblauen Augen leuchteten bei der Erinnerung an dieses Großereignis. »Da war Kirmes und ein großer Festumzug mit Wagen und historischen Kostümen und all so was. Und der Bürgermeister hat damals eine dicke Chronik rausgeben lassen, die steht bei uns im Regal. Martin hat sie, glaube ich, ganz gelesen. Er liest total gerne. Also Martin, das ist mein Bruder, der … Ach, da kommt er ja!« Heftig winkte Franz-Josef jemandem hinter Larissa zu. »Hey, Martin, bist du nicht arbeiten? Guck mal, ich hab Larissa getroffen. Sie ist Schriftstellerin und schreibt ein Buch über Rodderbach.«
Noch ehe Larissa sich zu dem Bruder umdrehen konnte, tauchte dieser bereits neben ihr auf und gab Franz-Josef ein kumpelhaftes High-five. »Guten Morgen, großer Bruder. Na, bist du auf dem Weg in die Bäckerei?«
»Klar, wie immer. Die Bäckerei Adams hat die besten Hörnchen und Schoko-Croissants«, vertraute er Larissa an. »Ich hole jeden Morgen welche für Mama und mich. Und am Wochenende auch für Martin, wenn er nicht arbeiten muss.«
»Übertreib es nicht mit den Schoko-Croissants«, ermahnte ihn Martin und klang ein bisschen wie ein besorgter Vater. »Du weißt, dass du mit deinem Zucker aufpassen musst.«
»Ich nehm jeden Tag meine Medikamente. Gestern hatte ich nur Brot, und die Frau Dr. Klöppel hat gesagt, dass ich jeden zweiten Tag ein Schoko-Croissant darf.« Erneut streckte Franz-Josef Larissa seine Rechte hin, und als sie sie ergriff, schüttelte er sie wie zuvor kräftig, aber überaus kurz. »Ich geh dann mal rein, bevor es nix mehr gibt. Tschö, Larissa!«
»Tschüss.« Larissa sah ihm lächelnd nach.
»Entschuldigung, äh … Larissa?« Martin wandte sich ihr mit einem verlegenen Lächeln zu. »Ich hoffe, mein Bruder hat Sie nicht aufgehalten. Er kann sehr anhänglich und redselig sein, wenn er jemanden sympathisch findet.«
»Nein, schon gut, wir haben uns sehr nett unterhalten.« Sie musterte ihn aufmerksam. Er war etwas größer und schlanker als sein Bruder mit breiten Schultern und schmalen Hüften. Sein Haar war eine Spur dunkler, seine Augen hinter der silbern gerahmten Brille mehr grau als blau und im rechten Ohrläppchen trug er einen winzigen dunkelblauen Ohrstecker. »Ich bin Larissa Weiß.«
»Martin Schmittbauer.« Er schüttelte ihre Hand mit angenehmem festem Druck. »Ich war eigentlich nur auf dem Weg zum Optiker, um meine neue Brille abzuholen. Die hier tut es nicht mehr lange. Hab mich neulich mal draufgesetzt, das ist nicht zu empfehlen.« Wie zum Beweis rüttelte er leicht an einem der Brillenbügel, sodass das ganze Gestell heftig wackelte. Er grinste und ähnelte plötzlich seinem Bruder deutlich mehr. »Sorry, vollkommen uninteressant, oder? Sie sind also Schriftstellerin? Dann sind Sie diejenige, die jetzt bei Mahlers in der Ferienwohnung wohnt?«
Larissa gluckste. »Das scheint sich ja bereits herumgesprochen zu haben.«
»Das ist in Rodderbach kein großes Kunststück. Immerhin wohnen Sie bei der Schwester der frischgebackenen Bürgermeisterin. Und die beiden wiederum sind beste Freundinnen von Heidi Decker, unserer neuen Presse- und Social Media-Frau.« Er lachte. »Seit die drei im Rathaus das Zepter übernommen haben, wird Rodderbach modern. Wir haben jetzt sogar eine Seite auf Facebook und eine auf Instagram und eine Handy-Chatgruppe für den ganzen Ort. Irre, oder? Das hat Heidi alles mit programmiert. Hätte ich nie gedacht, dass sie so was kann. Aber ich rede und rede, dabei haben Sie bestimmt Besseres zu tun, als mir zuzuhören.«
»Nein, also …« Larissa warf einen Blick in die Bäckerei, wo Franz-Josef nun heftig gestikulierend mit der Verkäuferin plauderte. »Ich habe nur einen ersten Morgenspaziergang durch den Ort gemacht. Weder Sie noch Ihr Bruder haben mich aufgehalten oder gestört.«
»Franz-Josef kann schon manchmal wie eine Klette sein.« Martin zuckte mit den Achseln. »Meistens, wie gesagt, wenn er jemanden wirklich nett findet. Zögern Sie bitte nicht, ihn in die Schranken zu weisen, falls er es mal übertreiben sollte. Er wird es Ihnen nicht übelnehmen. Er kennt nur einfach seine Grenzen nicht – oder die anderer Menschen.«
»Sie kümmern sich um ihn?« Larissa hüstelte. »Entschuldigen Sie bitte, da spricht die neugierige Autorin aus mir.«
»Schon gut.« Martin winkte ab. »Es ist ja kein Geheimnis. Ich habe schon immer auf ihn aufgepasst. Das hat sich einfach so ergeben nach dem Tod unseres Vaters. Unsere Mutter war auch lange krank und so … Jetzt geht es ihr soweit wieder gut, aber sie ist nicht belastbar. Einer muss ja alles zusammenhalten, so ist das in einer Familie.« Er lächelte leicht. »Er ist nun mal mein großer Bruder.« Diese schlichte Feststellung enthielt mehr Zuneigung, als Martin vielleicht selbst bewusst war, denn er wechselte übergangslos das Thema. »Sie schreiben also wieder einen historischen Roman? Ich habe schon zwei von Ihnen gelesen. Die sind wirklich gut. Drüben im Rathaus können Sie sich eine unserer Ortschroniken holen. Hochinteressant. Der frühere Bürgermeister hat zur Erstellung mit dem Heimatverein und zwei Historikern zusammengearbeitet.« Er hüstelte. »Eines der wenigen Projekte, für die wir ihm dankbar sein können. Ansonsten … Nun ja, es gibt gute Gründe dafür, dass jetzt Hanne Mahler das Bürgermeisteramt innehat. Wenn Sie wirklich drei Monate hier verbringen wollen, werden Sie bestimmt eine Menge von allem mitbekommen, was hier so hinter den Kulissen abläuft.«
Larissa runzelte die Stirn. »So schlimm?«
»Ach nein.« Beschwichtigend hob Martin die Hände. »Nicht schlimm, nur manchmal kurios. Auf Hanne liegen viele Hoffnungen, dass Sie wieder eine gerade Linie in unsere Stadtpolitik bringt. In den letzten Jahren gab es einfach zu viel Kuddelmuddel, wie man so schön sagt. Oft hört man so etwas ja eher aus den großen Städten, aber wir hier in der schönen Eifel können das auch ziemlich gut.« Nun lachte er doch wieder. »Wie gesagt, Sie werden es noch selbst erleben. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall eine schöne Zeit bei uns in Rodderbach. Und auf Ihr neues Buch bin ich schon sehr gespannt.«
Larissa erwiderte sein Lächeln. »Erst einmal muss ich recherchieren. Noch habe ich nicht ein Wort geschrieben. Aber was ich bisher vom Ort gesehen habe, gefällt mir sehr gut. Inklusive der Bewohner«, setzte sie mutig hinzu. Sie war sonst nicht so geradeheraus, aber Martin und auch Franz-Josef waren ihr beide sehr sympathisch, und sie hatte sich ja vorgenommen, ein neues, freieres Leben zu beginnen.
Martin lachte auf. »Ich hoffe, das messen Sie nicht nur an den Schmittbauer-Brüdern. Immerhin sind wir schon ein bisschen … eigen.« Er zwinkerte ihr zu. »Allerdings trifft das auch auf einige andere Rodderbacher zu, insofern warten Sie vielleicht mit Ihrem Urteil noch eine Weile ab und leben sich erst einmal ein.«
Larissa kicherte. »Wollen Sie mir Rodderbach nun ans Herz legen oder madig machen?«
»Ersteres natürlich.« Er grinste jungenhaft. »Aber ich nehme an, Sie haben noch nie in einem Eifelkaff gelebt. Machen Sie sich einfach auf ein buntes Völkchen gefasst. Alles in allem sind wir aber ganz gut genießbar.« Er hob die Hand zum Abschied. »Ich muss jetzt wirklich los, sonst setzen sie in meinem Betrieb noch eine Suchmeldung ab, wenn ich nicht bald wieder im Büro bin. Man sieht sich.« Er zwinkerte noch einmal. »Das meine ich wörtlich. Rodderbach ist so klein, da sieht man sich zwangsläufig. Also, bis dann!« Er wandte sich ab und ging mit ausholenden Schritten auf eines der beiden gleich nebeneinanderliegenden Optiker-Geschäfte zu.

aus: Willkommen in Rodderbach: Frühlingsmorgen (Arbeitstitel), erscheint im Frühjahr 2023 exklusiv bei Weltbild

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