Vergangene Woche gab es leider keinen Textschnipsel, was damit zusammenhängt, dass ich ab Freitag nicht zu Hause war, sondern auf dem Jahrestreffen des Autorenforums Montségur in Oberursel. So was muss schließlich auch mal sein. :)

Da ihr in den vorherigen Textschnipseln nun schon die Stardesignierin Elena, den Gartenarchitekt und Gärtnerei-Inhaber Steffen, seine Kinder Sabrina und Jan sowie die (viel zu dünne) Esther kennengelernt habt, fehlt nun eigentlich nur noch eine Person. Die für den Roman namengebende. Die mit den vier Pfoten. Lulu.

Wer bereits Vier Pfoten und das Weihnachtsglück gelesen hat, erinnert sich bestimmt noch an ihre naseweisen Kommentare. Wenn ihr das Buch noch nicht kennt, solltet ihr es vielleicht rasch noch lesen, denn es ist gerade genügend Zeit bis zum Erscheinungstermin von Vier Pfoten retten Weihnachten am 20. Oktober. ;) Einen Vorgeschmack könnt ihr euch aber gleich hier und jetzt holen.

Viel Vergnügen mit dem Textschnipsel Nr. 4

Steffen lenkte seinen Kombi in die breite, gepflasterte Zufahrt zum Anwesen von Carsten und Sophie Braumann. Anwesen war tatsächlich das richtige Wort, denn der moderne Neubau im mediterranen Stil wirkte riesig. Überall sah man noch Spuren der Bautätigkeit und auch der Garten und der Bereich vor dem Haus waren bis auf die rings um das Grundstück gepflanzten immergrünen Hecken noch nicht fertig angelegt. In Steffen erwachte prompt das Bedürfnis, hier etwas Schönes, Einzigartiges zu planen. Vermutlich hatte das Paar aber längst einen Gartenarchitekten beauftragt. Wo so offensichtlich viel Geld im Spiel war, gab es bestimmt ganze Armeen von langfristig beauftragten Handwerkern.
»Boah, ist das groß!«, rief Sabrina und betrachtete das Haus mit weit aufgerissenen Augen. »Da wohnt dein Bruder?«
Elena lachte. »Ja, er und seine Frau und seine kleine Tochter. Und Lulu natürlich. Ich habe ihm gesagt, dass das Haus viel zu groß ist, aber er mag es gerne hell und luftig. Ich zwar auch, aber das hier wäre mir zu viel. Früher habe ich darüber anders gedacht, aber inzwischen …« Sie zuckte mit den Achseln. »Sophie hat anfangs auch geschimpft, denn das alles muss ja auch saubergehalten werden.«
»Dafür haben sie doch sicherlich Personal, oder?« Steffen stellte den Motor ab.
»Personal?« Elena schüttelte den Kopf. »Ich hätte mir eine Putzfrau genommen, aber Sophie wollte das nicht. Sie meinte, wenn Carsten schon so groß bauen will, muss er eben auch im Haushalt mit anpacken. Und das tut er.« Sie gluckste. »Allerdings war das Erste, was er angeschafft hat, so ein moderner Staubsaugerroboter. Ich glaube, inzwischen haben sie sogar mehrere. Ich geh mal und hole Lulu. Hört ihr sie bellen? Sie hat uns schon durch die Tür gesehen.« Rasch stieg sie aus und ging auf die zweiflüglige Eingangstür zu.
Steffen beobachtete, wie sie sich mit wiegenden Hüften – offenbar war ihr diese sexy Art zu gehen angeboren – vom Auto entfernte. Dabei fiel ihm auf, dass ihre Jeans auch auf der Rückseite Erdflecken aufwies. Trotzdem hatte sie mit keinem Wort erwähnt, sich umziehen zu wollen. Das überraschte ihn, denn am Morgen hatte sie noch wie aus dem Ei gepellt ausgesehen und damit so gar nicht in die eher derbe Umgebung der Gärtnerei gepasst. Zwar sah sie, das musste er zugeben, auch mit verschmutzten Kleidern immer noch zum Anbeißen aus, doch ein wenig mehr Eitelkeit hatte er erwartet. Esther wäre im Traum nicht darauf gekommen, in diesem Aufzug irgendwo hin zu gehen. Auch nicht in den Wald.
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Elena die Haustür aufschloss und sofort ein hellbraunes Fellgeschoss an ihr vorbei ins Freie sauste und unter einem Busch verschwand. Offenbar musste sich die kleine Cockerspanieldame dringend erleichtern. Gleich darauf rannte sie mit wedelnder Rute wieder auf Elena zu, die vor ihr in die Hocke ging und sie mit heller Stimme enthusiastisch begrüßte.
Langsam stieg er aus dem Auto aus, um sich den Hund näher anzusehen. Die Kinder folgten ihm.
»Lulu, du Süße, du Liebe!«, rief Elena gerade zum wiederholten Mal. »Was bist du für ein hübsches Schätzchen!«
Aber hallo, und wie ich das bin! Schön, dich zu sehen, Elena. Aber meine Güte, länger hättest du mich wirklich nicht mehr warten lassen dürfen. Das war dringend. Wonach riechst du denn heute? Das ist aber nicht dein übliches Parfüm, sondern riecht irgendwie nach … Erde! Schnüff.
Lulu leckte Elena über die Hände und schnüffelte an ihren Hosenbeinen. Dann schnaubte sie leise.
Wen hast du denn da mitgebracht? Besucher? Meine Güte, ist der Mann groß! Fast so groß wie mein Carsten. Und Kinder! Ich mag Kinder! Hallo, ihr, wer seid ihr denn?
Lulu ließ von Elena ab und steuerte mit einem freundlichen Bellen auf Jan und Sabrina zu, die sich kichernd beschnüffeln ließen.
»Passt auf, damit ihr sie nicht erschreckt und sie euch beißt«, warnte Steffen automatisch.
Beißen? Kinder? Also wirklich, mein Herr. Das würde ich niemals tun. Ich bin schließlich sehr gut erzogen. Elena hat mich auf die beste Hundeschule des Landes geschickt. Ich weiß mich zu benehmen und beißen gehört nicht in mein Repertoire. Na ja, außer, wenn ich einen Einbrecher verjagen müsste. Oder einen bösen Angreifer. Aber doch keine Kinder! Unglaublich, was die Menschen immer von uns Hunden denken!
»Hat sie mich gerade angeknurrt?« Mit leichtem Entsetzen starrte Steffen auf die Hündin, die vor ihm stand und ihn mit einem seltsam skeptischen Blick betrachtete.
Ja, habe ich.
Elena lachte schallend. »Ja, hat sie. Oder nein, das war kein böses Knurren, sondern eher ein etwas ungehaltenes Brummeln. Sie mag es nicht, wenn man dummes Zeug über sie sagt.«
So ist es.
»Dummes Zeug?« Empört hob Steffen den Kopf. »Wann habe ich das von mir gegeben?«
»Nehmen Sie es ihr nicht übel, sie ist ein bisschen empfindlich.« Elena kicherte noch immer und beugte sich erneut zu Lulu hinab, um sie hinter den Ohren zu kraulen. »Mein süßes Schätzchen würde nämlich niemals jemanden beißen. Schon gar nicht Kinder. Nicht wahr, Liebelein? So was machen wir nicht. Das ist wirklich absolut dummes Zeug. Da muss man ja knurren.«
Allerdings. Danke fürs Übersetzen. Dieser Herr spricht offenbar die Hundesprache nicht besonders gut. Wer ist er denn überhaupt? Sehen wir ihn zukünftig öfter? Dann muss ich ihm wohl ein paar Nachhilfestunden geben.
»Die ist ja total knuffig.« Inzwischen war Sabrina in die Hocke gegangen und streichelte Lulu sanft über das lockige Fell. »Und total weich.«
Ich werde ja auch regelmäßig gebürstet.
»Voll süß«, stimmte auch Jan zu. »Gehen wir jetzt in den Wald?«
In den Wald? Etwa spazieren? Na, so eine Überraschung. Da komme ich gerne mit. Es ist zwar ein bisschen kühl, aber dafür regnet es wenigstens nicht mehr. Dann mal los, wo ist meine Leine?
Mit einem vergnügten Wuff Wuff sauste Lulu ins Haus und hüpfte vor der Tür des Garderobenschranks auf und ab.
»Was hat sie denn?« Verwundert sah Steffen ihr nach.
Elena erhob sich. »Sie will, dass ich ihr Geschirr und ihre Leine hole. Beides ist in dem Schrank. Steigen Sie mit den Kindern ruhig schon wieder ins Auto, wir kommen gleich.« Schon war sie der Hündin ins Haus gefolgt.
Steffen schüttelte amüsiert den Kopf. Dass Lulu einmal Elena gehört hatte, war unübersehbar. Beide hatten ein ähnlich temperamentvolles Wesen – und beide strahlten eine unbeschwerte Fröhlichkeit aus, die ansteckend wirkte.
»Ihr könnt Lulu zwischen euch sitzen lassen«, erklärte Elena kurz darauf den Kindern, die sich wieder auf die Rückbank gesetzt hatten. »Aber sie muss angeschnallt werden, genau wie ihr.« Sie zeigte ihnen, wie der spezielle Hundegurt befestigt wurde, dann stieg sie ebenfalls wieder ins Auto und lächelte Steffen zu. »Es kann losgehen.« Sie hatte eine hoch gefüllte Stofftasche mitgebracht, die sie zwischen ihren Beinen im Fußraum abgestellte.
»Was ist das denn?«, fragte er überrascht.
Sie zupfte an Trageriemen der Tasche herum. »Nur ein paar von Lulus Sachen, die sie ständig braucht.«
Er hüstelte. »Der Hund hat Sachen?«
Hallo? Selbstverständlich habe ich Sachen. Mein Püppi zum Beispiel. Und Kraki. Ich hoffe, Elena hat an Kraki gedacht. Ohne die beiden kann ich nirgendwo hin zu Besuch fahren. Das ist ausgeschlossen. Und meine Kekse. Die, die wir immer von der Tierärztin Fiona bekommen und die Sophie jetzt auch immer im Haustierfachgeschäft kauft. Die sind unglaublich lecker. Und überhaupt, warum sollte eine Hündin denn keine Sachen haben? Hündin, verstanden? Ich bin eine Sie! Immer diese Ignoranten!
»Knurrt sie etwa schon wieder?« Stirnrunzelnd warf er einen Blick über die Schulter, doch Lulu hatte einen vollkommenen Unschuldsblick aufgesetzt.
»Möglich.« Elena lachte wieder. »Anscheinend sind Sie ihr noch nicht ganz geheuer.« Wieder zupfte sie an der Tasche herum. »Das ist nur ein bisschen Spielzeug und die Hundekekse, die sie so gerne mag.«
»Ganz schön verwöhnt, oder?« Kopfschüttelnd startete er den Motor und lenkte den Wagen auf die Straße zurück.
Nicht verwöhnt, das klingt so despektierlich. Ich bin lediglich ein wenig anspruchsvoll.
»Ach was.« Elena zuckte vergnügt die Achseln. »Sie ist schon recht, so wie sie ist.«
Das will ich meinen!

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