Ja, ja, ich weiß, es ist erst September. Aber die Supermärkte haben auch schon wieder Lebkuchen und nennen sie ganz frech “Herbstgebäck”, obwohl es sich ganz eindeutig um WEIHNACHTSgebäck handelt. Also kann ich euch auch schon einen ersten Textschnipsel aus meinem neuen Weihnachtsroman servieren. Er ist auch eher herbstlich (von der Deko her) als weihnachtlich und zaubert euch hoffentlich ein Schmunzeln auf die Lippen.

Bitte sehr:

»Wirst du Esther heiraten?«
»Esther?« Verblüfft wandte er den Blick von ihr ab. Esther Meinhardt war eine alte Bekannte aus Studienzeiten, die zu seiner Clique am Campus gehört hatte. Sie waren nie ein Paar gewesen, denn schon seit seiner Ausbildung in der einzigen großen Gärtnerei und Baumschule der Stadt war er mit der Tochter des Inhabers verbandelt gewesen. Katrina und er, das hatte sich einfach ergeben. Er war siebzehn gewesen, als er sie kennengelernt hatte, und sie nur wenige Monate jünger. Aus der jugendlichen Verliebtheit war eine langjährige feste Beziehung geworden, die auch während seines Studiums noch Bestand hatte. Kurz nach seinem fünfundzwanzigsten Geburtstag hatten sie dann geheiratet und kaum ein Jahr später war Sabrina auf die Welt gekommen. Nach vier weiteren Jahren hatte Jan das Familienglück dann komplett gemacht. Steffen schluckte bei der Erinnerung, nicht sicher, was er von den Emotionen halten sollte, die in ihm hochspülten. Kurz nach Jans drittem Geburtstag war Katrina bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Manchmal fragte er sich, wo sie wohl heute stehen würden, wenn sie nicht gestorben wäre. Doch solche Gedanken gehörten jetzt nicht hierher. Er versuchte, sich wieder auf Sabrinas Frage zu konzentrieren. Würde er Esther heiraten? Vor etwa anderthalb Jahren war sie wieder in seinem Leben aufgetaucht. Anfangs nur hier und da, aber seit einem guten Jahr gingen sie mehr oder weniger regelmäßig miteinander aus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie waren Freunde, auch wenn er sich denken konnte, dass Esther gerne mehr für ihn gewesen wäre. Und warum auch nicht? Sie war schön, klug, selbstständig, verlässlich. Auch seine Eltern drängten ihn dazu, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Dennoch zögerte er den nächsten Schritt immer wieder hinaus und tat, als bemerke er ihre Andeutungen hinsichtlich ihrer Beziehung nicht. Von außen betrachtet wäre es logisch und sinnvoll, mit ihr die Zukunft zu gestalten. Sie war bereit, sich um die Kinder zu kümmern, liebte ihn. Ja, ganz bestimmt tat sie das. Dennoch hatte er irgendwo tief im Inneren stets das Gefühl, mit ihr den gleichen Fehler zu machen wie damals mit Katrina. Er räusperte sich energisch, um die düstere Stimmung abzuschütteln, die ihn unvermittelt anflog.
»Ich glaube nicht, dass ich darüber in nächster Zeit nachdenken werde. Warum fragst du?«
»Weil ihr schon so lange zusammen seid.« Sabrina strich mit dem Zeigefinger der linken Hand über das bunte Herbstfensterbild, das sie in der Schule gebastelt hatte. Es war ein wenig schief geraten; ein Baum mit rot, gelb und braun gefärbtem Blattwerk, der sich gefährlich nach links neigte, weil Sabrina mit Schere und Klebstoff weniger gut umgehen konnte als mit Buchstaben und Zahlen. »Habt ihr eigentlich auch Sex?«
»Was?« Entsetzt starrte Steffen sie an.
Sabrina hob zum ersten Mal den Kopf. »In der Schule sagen sie, dass alle Erwachsenen dauernd Sex haben. Und dass du und Esther das bestimmt auch macht, weil sie doch so schön ist und du … na ja.«
»Was ist mit mir?« Plötzlich fühlte Steffen sich ausgesprochen unwohl bei dem Gedanken, dass eine Horde Zwölfjähriger über sein Liebesleben diskutierte.
»Die Mädchen in meiner Klasse finden dich cool. Und gutaussehend.«
»Tatsächlich.« Das Kompliment erleichterte ihn kein bisschen.
»Ja, und deshalb fragen sie eben, ob du und Esther auch miteinander ins Bett geht.«
»Nein, tun wir nicht.« Er rieb sich verlegen über den Nacken. Es erstaunte ihn immer wieder, wie direkt seine Tochter sein konnte.
»Warum nicht?«
»Weil …« Himmel, was sollte er bloß darauf antworten? »Also zunächst einmal sind wir nicht miteinander verheiratet.«
»Papa.« Sabrina verdrehte die Augen. »Man muss doch nicht verheiratet sein, um Sex zu haben.«
Steffen brach der Schweiß aus. »Nein, also ja. Du hast natürlich recht. Aber Esther und ich … wir sind nicht so zusammen. Ähm … Wir sind nur gute Freunde.«
»Okay.« Sabrina blickte wieder nach draußen und es schien, als sei das Thema damit abgehakt.
Verwirrt aber nun doch auch erleichtert atmete Steffen auf. »Willst du auch Pizza? Wir bestellen nachher welche.«
»Klar. Doppelt Käse und Schinken. Und Paprika.«
»Ist notiert.« Er erhob sich und ging zur Tür.
»Ist bestimmt gut, dass ihr keinen Sex habt.«
Er hielt inne, und drehte sich noch einmal zu seiner Tochter um. »Warum?«
»Weil sie so dünn ist. Nicht, dass sie dabei in der Mitte durchbricht.«

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