Da sind wir doch tatsächlich schon wieder beim letzten Textschnipsel angekommen! Unglaublich, aber wahr: Nächste Woche, genauer gesagt am 20. Oktober 2016, erscheint mein neuer Weihnachtsroman Vier Pfoten retten Weihnachten.

Um euch die Wartezeit bis zum Erscheinen zu versüßen, habe ich einen ganz besonderen Textschnipsel herausgesucht. ;)

Viel Spaß!

Elena schwieg die ersten zwei Kilometer, hauptsächlich, weil sie nicht damit gerechnet hatte, Steffen überhaupt draußen zu treffen, und dann noch festzustellen, dass er ebenso gerne und regelmäßig joggte wie sie. Zusätzlich kämpfte sie mit seiner äußerst männlichen Präsenz, die merkwürdige Dinge mit ihrem Inneren anstellte. Groß, athletisch gebaut, gutaussehend – er war genau die Sorte Mann, von der sie eigentlich vorgehabt hatte, sich zukünftig fernzuhalten. Titus war ebenfalls groß gewesen und gutaussehend. Ihn als athletisch zu bezeichnen, hätte die Sache deutlich übertrieben, doch dafür hatte er einen beinahe unbezwingbaren Charme versprüht, dem sie leider allzu sehr verfallen war. So sehr, dass sie erst bemerkt hatte, was für ein mieses Stück Dreck hinter der polierten Fassade steckte, als es längst zu spät gewesen war.
So einen Fehler wollte sie niemals wieder begehen. Sich also jetzt ausgerechnet zu dem Mann hingezogen zu fühlen, für den sie die kommenden zwei Monate als Aushilfs-Nanny arbeitete, gehörte ganz sicher nicht zu den von ihr angestrebten Zielen.
Sie hatte seine Blicke natürlich bemerkt und war klug genug, sie richtig zu deuten. Auch er verspürte eine gewisse Anziehung und normalerweise hätte sie das geschmeichelt abgetan und fortan ignoriert. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass sie noch über Neujahr hinaus im selben Haus leben würden, war es vielleicht doch angebracht, die Fronten deutlich zu klären, um keinerlei Missverständnisse aufkommen zu lassen.
Also verbrachte sie die übrigen drei Kilometer damit, sich zurechtzulegen, was sie ihm sagen sollte, um ihn auf Abstand zu halten. Zunächst einmal begann sie jedoch mit ihren Stretching-Übungen, was ihr Zeit gab, sich zu sammeln.
Auch Steffen streckte und dehnte seine Muskeln in geübten Bewegungsabläufen, als sein Handy zu klingeln begann. Er zog es aus der Innentasche seiner Jacke und war einen Augenblick später bereits in ein Gespräch mit jemandem aus der Gärtnerei verwickelt. Weil damit die Gelegenheit dummerweise verstrichen war, begab Elena sich zurück ins Haus, um zu duschen.
Da Steffen bestimmt den gleichen Plan verfolgte und vermutlich bald schon irgendwo erwartet wurde, beschloss sie, das Bad der Kinder zu benutzen, um ihm nicht im Weg zu sein. Sie schnappte sich ihr Duschgel, Shampoo und ein Handtuch und stand wenig später unter dem angenehm heißen Wasserstrahl.
Sie nahm sich Zeit, wusch ihr Haar, drückte mit dem Handtuch das Wasser heraus und entwirrte es dann vorsichtig mit Sabrinas Bürste. Erst als sie sicher war, dass Steffen längst das Haus verlassen hatte, wickelte sie sich in das feuchte Handtuch und verließ das Badezimmer durch den Zugang zu Jans Zimmer.
Sie hatte fast die Tür zum Flur erreicht, als diese sich schwungvoll öffnete und Steffen, mit feuchtem Haar und nur mit hautengen, schwarzen Shorts bekleidet, hereingeplatzt kam.
Elena fuhr erschrocken zurück und landete mit ihrem Fuß auf etwas Hartem, das unter ihrem Fuß ins Rollen geriet. Eines von Jans Matchbox-Autos! Sie schrie erschrocken auf und wäre gestürzt, wenn Steffen sie nicht geistesgegenwärtig am Arm gepackt und zurückgezogen hätte. Durch den Ruck löste sich das Handtuch, fiel zu Boden und sie prallte mit Schwung gegen ihn.
»O Gott!« Sie hielt sich an seinen Schultern fest, um nicht erneut ins Straucheln zu geraten. Dabei stieg ihr sein männlicher Geruch, vermischt mit einem herben Duschgel in die Nase und benebelte für einen Moment ihre Sinne. Ihr Herzschlag beschleunigte sich.
»Alles in Ordnung mit Ihnen?« Er hielt sie noch immer fest, sodass ihr nunmehr nackter Körper gegen den seinen gepresst wurde und sie nicht nur die Wärme spüren konnte, die von ihm abstrahlte, sondern auch die weichen Härchen an seiner Brust, die sich in einer feinen Spur bis hinab zu seinem Bauchnabel zogen und schließlich in den Shorts verschwanden.
Sie schluckte und spürte dem erregenden Schauder nach, den der Hautkontakt in ihr auslöste. »Ich … glaube schon.« Als sie den Kopf hob, sah sie, dass sich seine braunen Augen verdunkelt hatten. Für einen irrsinnigen Moment verhakten sich ihre Blicke ineinander und die Luft zwischen ihnen lud sich gefährlich auf.
Ehe ihr noch schwindliger werden konnte, löste sich Elena vorsichtig von ihm und trat einen Schritt zurück. »Das … ist «, sie atmete tief durch, »keine gute Idee.«
Er trat ebenfalls einen Schritt zurück. »Da haben Sie recht.«
Sie bückte sich, hob das Handtuch auf und schlang es wieder um ihren Körper. Sie war nicht sonderlich prüde, doch in Anbetracht der Hitze, die sich soeben zwischen ihnen aufgebaut hatte, war es wohl ratsam, sich nicht weiter wie auf dem Präsentierteller in seiner Reichweite aufzuhalten. Auch deshalb nicht, weil die engen Shorts, die er trug, seine Reaktion auf sie alles andere als verbargen. »Was tun Sie denn hier? Ich dachte, Sie wären längst zur Gärtnerei gefahren oder einem Kunden oder so. Und ich hatte extra das Bad der Kinder benutzt, um nicht …«
»Ich wäre tatsächlich schon längst weg gewesen«, fiel er ihr ins Wort und räusperte sich unterdrückt, weil seine Stimme rau und belegt klang. »Jan hat mich eben angerufen, weil er sein Mathe-Arbeitsheft vergessen hat. Seine Schule liegt auf dem Weg zur Gärtnerei. Ich wollte es ihm rasch vorbei bringen.«
»Ach so.« Sie sah sich um und entdeckte das Arbeitsheft auf dem Schreibtisch. Rasch ging sie hin und nahm es in die Hand. »Das müsste es sein, oder?« Sie hielt es Steffen hin.
Er nahm es ihr aus der Hand und nickte. »Sieht so aus. Also … dann mache ich mich gleich auf den Weg. Sie kommen hier zurecht?«
»Ich? Ja, klar.« Sie strich sich ihr feuchtes Haar hinters Ohr. »Ich werde meine Assistentin Valerie anrufen und fragen, was es Neues gibt, und vielleicht über ein paar neue Entwürfe nachdenken. Ich hatte heute Nacht im Traum eine Idee für ein neues Kleid.«
»Im Traum?« Amüsiertes Interesse blitzte in seinen Augen auf.
»Kommt häufiger vor.« Sie lächelte leicht. »Normalerweise stehe ich dann mitten in der Nacht auf und mache rasch ein paar Skizzen.«
»Sie haben gar keinen Tisch oder ein Zeichenbrett hier.«
»Ja, deshalb bin ich heute Nacht ausnahmsweise liegengeblieben. Ich könnte nachher kurz in meine Wohnung fahren. Dort habe ich mein Home Office eingerichtet, wenn auch nur provisorisch, weil ich noch nicht lange dort wohne.«
»Sie können das Zeichenbrett unten in meinem Büro benutzen, wenn Sie wollen.«
Überrascht hob sie den Kopf und war froh, dass der viel zu intensive Augenblick zwischen ihnen offenbar vorübergezogen war. »Danke, das ist nett.«
Er lächelte nun ebenfalls. »Wenn Sie schon zwei Monate Ihres Lebens opfern, um meine Kinder zu hüten, soll es nicht an einem Platz zum Zeichnen mangeln. Sie haben schließlich eine Firma, die Sie nicht im Stich lassen dürfen.« Er wandte sich zur Tür. »Ich geh mich dann mal anziehen. Wir sehen uns heute Abend.«
»Okay.« Sie schmunzelte. »Steffen?«
Er drehte sich in der Tür noch einmal um. »Ja?«
»Sie brauchen den Vergleich mit Patrick Swayze nicht in Geringsten zu scheuen.«
»Ach nein?« Seine Augenbrauen wanderten ein wenig in die Höhe.
Sie lächelte noch immer, nun mit einem schelmischen Blitzen in den Augen. »Von meiner Warte aus gesehen können Sie ihm durchaus das Wasser reichen.«
»Danke für die Blumen.« Er grinste. »Und was Sie angeht …«
Elenas Lächeln schwand und wich einem misstrauischen Ausdruck. »Ja?«
»Ich muss Jan korrigieren. Sie mit Barbie zu vergleichen, wird Ihnen in keiner Weise gerecht.«
»Nicht?« Ihr Herzschlag holperte ein wenig.
Ein mutwilliger Ausdruck zeigte sich auf seinem Gesicht. »Nein. Barbie hat nicht halb so viel Sexappeal wie Sie. Mit und ohne Kleidung.« Im nächsten Moment war er verschwunden.
Elena setzte sich auf den Rand des Schreibtischs und strich erneut an ihren Haaren herum. Wenn sie nicht achtgab, würde sie in arge Schwierigkeiten geraten. Dieser Mann war Gift für ihre strengen Vorsätze. Am besten machte sie zukünftig einen weiten Bogen um ihn – soweit das möglich war.
»Ach, und Elena?« Sie schrak aus ihren Gedanken hoch, als Steffen seinen Kopf erneut zur Tür hereinstreckte. »Lassen Sie uns Freunde sein. Alles andere ist mir zu gefährlich.«
Erleichtert nickte sie. »Mir auch.«
»Gut. Bis heute Abend dann.« Erneut verschwand er und Elena wartete so lange, bis er sich angekleidet und das Haus verlassen hatte, bevor sie in ihr Zimmer zurückkehrte.

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