
Es wird wieder mal Zeit für einen Textschnipsel aus meinem neuen Lichterhaven-Roman Pfötchen, Strand und Liebesglück für euch. Diesmal frisch und ein bisschen nass direkt aus dem Watt. ;-)
Aus dem 5. Kapitel
»Das ist jetzt echt nicht dein Ernst, oder?« Ungläubig blickte Tristan auf Cooper hinab. Sein Sturkopf war an seinem unbeteiligten Blick abzulesen, mit dem er gleichzeitig vollkommene Unschuld und eiserne Entschlossenheit ausdrückte. »Nun komm schon weiter.« Obgleich er bereits wusste, dass es sinnlos sein würde, ruckelte er noch einmal sanft an der Leine. »Ich will nicht nass werden.«
Dann trag mich. Ich kann jetzt nicht mehr laufen. Bin, wie gesagt, gaaanz erschöpft.
Chloe schmunzelte. »Macht er das öfter?«
»Immer, wenn er keine Lust mehr hat zu laufen«, brummelte Tristan. Dass sein Dackel ausgerechnet jetzt seine sturen zehn bis zwanzig Minuten hatte, passte ihm irgendwie gar nicht.
»Und was jetzt?« Aufmerksam musterte seine Nachbarin ihn.
»Na, was wohl?« Kurzerhand hob Tristan Cooper auf den Arm und wurde prompt mit feuchten Hundeküssen an Kinn und Hals dafür belohnt.
Wiff, danke, Tristan. So gefällt mir das!
»Ja, ja, schon gut, du kleines Untier.« Auch wenn er versuchte, grimmig zu klingen, konnte Tristan dem schlammig nassen Fellbündel doch nicht wirklich böse sein.
»Du bist ja echt ein Früchtchen.« Erheitert streichelte Chloe Cooper über den Kopf, zog ihre Hand jedoch rasch wieder zurück. »Entschuldigung.«
Da in diesem Moment die ersten Regentropfen vom Himmel fielen und sich rasch zu einem ausgewachsenen Schauer vermehrten, wurde er einer Antwort enthoben. Stattdessen rannten sie beide gleichzeitig los.
Oh, wau, wie toll! Was machen wir denn jetzt? Ein Wettrennen? Ich fliege! Find ich super. Cooper bellte begeistert.
»Verfluchter Mist.« Tristan wurde kurz vor der Ufermauer langsamer, weil der Regen nachgelassen hatte und die Sonne kurz zwischen den Wolken hervorblitzte. Er atmete schwer, denn das Laufen auf dem Watt war sogar für ihn anstrengend, obwohl er sich für durchtrainiert hielt.
Chloe Hansen erreichte ihn erst ein paar Sekunden später und völlig außer Atem, doch zu seiner Verblüffung lachte sie. »Na, wunderbar, ich breche gleich zusammen.« Kurz beugte sie sich vor und stützte ihre Hände auf den Oberschenkeln ab. »Warum jogge ich eigentlich dreimal die Woche?« Sie richtete sich wieder auf und strich sich mit beiden Händen die triefend nassen Locken aus dem Gesicht. »Sie scheinen ja gut in Form zu sein.« Ihr Atem ging immer noch in heftigen Stößen.
»Ich trainiere regelmäßig.«
Sie lachte. »Ich auch, wie gesagt, aber mir fehlt irgendwie das Fitness-Gen.«
»Vielleicht ist Joggen einfach nicht das Richtige für Sie.« Auf ihren erstaunten Blick hin hob er die Schultern. »Man muss erst mal den richtigen Sport für sich finden, dann klappt es meist auch mit der Fitness. Obwohl man eigentlich hauptsächlich Spaß an der Bewegung haben sollte. Wenn man sich zwingen muss, bringt es meist nicht viel, eher im Gegenteil.« Er stockte. »Was? Sie schauen so komisch.«
»Ach, gar nichts.« Sie lächelte wieder. »Ich hätte nur nicht gedacht, dass Sie tatsächlich mehr als zehn Wörter am Stück sprechen können.«
»Ha, ha.« Er verdrehte die Augen. Aus irgendeinem Grund schlug ihm ihr Lächeln auf den Magen, und das passte ihm gar nicht. »Nach Ihnen.« Er deutete auf die Stufen, die zum Uferweg hinaufführten.
»Danke.« Oben angekommen, blickte sie nach Westen. »Wo sind denn meine Schuhe? Ah, da hinten.« Schon setzte sie sich in Bewegung.
Tristan hatte Cooper abgesetzt und wusch seine Füße rasch an dem Wasserhahn, der neben der Treppe angebracht war. Seine Schuhe und Socken waren vom Regen durchweicht, sodass er beschloss, barfuß nach Hause zu gehen. Da Cooper sich weiterhin weigerte, auch nur einen Schritt zu tun, musste er sowohl ihn als auch Schuhe und Socken tragen. Welchen Anblick er bieten musste, konnte er sich recht gut vorstellen, als er seine Nachbarin erreichte, die ihre Sneakers ebenfalls in Händen hielt und auf ihn wartete.
Sobald er zu ihr aufgeschlossen hatte, setzte sie sich ebenfalls wieder in Bewegung. Tristan schwieg, weil er nicht wusste, was er sagen sollte. Er war normalerweise nicht auf den Mund gefallen, doch in Chloe Hansens Gegenwart sah er sich lieber vor. Sie war eindeutig zu hübsch und zu sehr sein Typ – und sie schien auch noch nett zu sein. Er wollte auf keinen Fall interessiert wirken und damit womöglich Gegeninteresse wecken. Mit so etwas hatte er abgeschlossen.
Da sie ebenfalls nichts weiter sagte, breitete sich ein angenehmes Schweigen zwischen ihnen aus. Erst als sie vor ihren Häusern angekommen waren, wandte sie sich ihm wieder zu. »Ich habe Sie gegoogelt.«
»Was?« Halb verblüfft, halb entsetzt, starrte er sie an. Sie grinste. »Genau genommen nicht Sie, sondern Ihre Möbel – und ich wäre interessiert.«
»An meinen Möbeln?« Ganz kurz hatte sein Verstand ausgesetzt, und sprang nur langsam wieder an.
»Ja.« Sie nickte. »Ihre Möbel sind traumhaft, und da dachte ich, ich frage mal …«
»Dazu sind meine Geschäftszeiten da.« Er wusste selbst, wie unhöflich er klang. Irgendetwas hatte diese Frau an sich, dass ihn die Stacheln aufstellen ließ.
»Ja, selbstverständlich.« Sie klang so angegriffen, wie es nach seiner schroffen Reaktion ihr gutes Recht war.
»Kommen Sie doch einfach mal vorbei … morgen oder so oder wann es Ihnen passt.« Er versuchte sich an einem Lächeln, doch an ihren hochgezogenen Brauen konnte er erkennen, dass es vermutlich schon zu spät war. Sie hielt ihn für einen ungehobelten Klotz. Er war ja auch einer. Zumindest gegenüber attraktiven Frauen.
»Ja, vielleicht mache ich das.« Sie war bereits auf dem Weg zu ihrer Haustür.
»Montag bis Freitag acht Uhr dreißig bis sechzehn Uhr.«
Er fühlte sich wie der Idiot, der er war. »Hatten Sie ein bestimmtes Möbelstück im Sinn?«
Sie schloss erst die Haustür auf, bevor sie sich noch einmal zu ihm umdrehte. »Mal sehen.« Diesmal war ihr Lächeln deutlich unterkühlt. »Ich will nichts von Ihnen. Privat meine ich.«
Sein Kopf wurde ganz heiß. »Klar, natürlich.«
»Nur für den Fall, dass Sie das dachten.«
»Nein, also … dachte ich nicht.« War er rot geworden? Hoffentlich nicht. Das war ihm seit seiner Teenagerzeit nicht mehr passiert.
»Gut.« Sie nickte knapp. »Tschüss, Cooper.« Nur einen Augenblick später schloss sich die Tür hinter Ihr vernehmlich.
»Vollidiot!« Am liebsten hätte er sich selbst gegen das Schienbein getreten.
Was ist denn los, Tristan? Cooper, der in seinen Armen gedöst hatte, rekelte sich ein wenig. Du siehst so wütend aus. Magst du es auch nicht, so nass zu sein? Du könntest mich jetzt mal abtrocknen und vielleicht auch föhnen. Das ist immer so angenehm.
»Erst mal runter mit dir.« Tristan setzte den Dackel ab, dann ging er zu seiner eigenen Haustür und schloss sie auf. »Na, komm, du kleiner Schlammspringer, ich glaube, ich muss dich erst mal baden und dann trockenlegen.«
Baden? Wau ja, super Idee, da mache ich gerne mit. Fröhlich bellend sauste Cooper ins Haus, ehe Tristan ihn aufhalten konnte, und hinterließ eine feine Spur aus Pfotenabdrücken und bräunlichen Wassertröpfchen.
Seufzend schob Tristan die Tür ins Schloss. »Vollidiot«, wiederholte er bei sich, nahm dann aber wieder einmal Coopers Verfolgung auf, um die Dackel-Reinigungsaktion in die Tat umzusetzen.
Ein Neuanfang in Lichterhaven – mit Herz und Hund
Für Chloe bricht eine Welt zusammen, als ihr Verlobter ihr gesteht, dass er sie zwar heiraten möchte, aber nicht liebt. Als wäre das nicht genug, verliert sie ein Jahr später auch noch ihren Job. Um ihr Herz zu heilen und einen Neustart zu wagen, zieht sie zu ihrer Zwillingsschwester Isalie nach Lichterhaven und beginnt auf dem Erlebnishof ihrer Familie zu arbeiten. Langsam kehrt wieder Ruhe in ihr Leben ein – bis sie auf den mürrischen Nachbarn Tristan trifft. Trotz anfänglicher Abneigung entdecken beide, dass sie mehr verbindet, als sie erwartet hatten. Kann die Liebe, unterstützt von einem kleinen Dackel namens Cooper, alte Wunden heilen und neues Glück schenken?
Romantische Wohlfühlatmosphäre am Meer und authentische Charaktere
Pfötchen, Strand und Liebesglück
Petra Schier
HarperCollins, 367 Seiten
Erscheint am 23.06.2026
ISBN 978-3-36501-302-1
13,- € / eBook 10,99 €
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Petra Schier, Jahrgang 1978, lebt mit Mann und Hund in einer kleinen Gemeinde in der Eifel. Sie studierte Geschichte und Literatur und arbeitet seit 2003 als freie Autorin. Ihre historischen Romane erscheinen im Rowohlt Taschenbuch Verlag, ihre Weihnachtsromane bei Rütten & Loening sowie MIRA Taschenbuch.
Unter dem Pseudonym Mila Roth veröffentlicht die Autorin verlagsunabhängig verschiedene erfolgreiche Buchserien.
Petra Schier ist Mitglied in folgenden Autorenvereinigungen: DELIA, Syndikat, Autorenforum Montségur









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