Der gesamte Mai hat sich dieses Jahr offenbar vorgenommen, ein April zu werden, zumindest wettermäßig. Da dachte ich, ich kann auch ruhig schon mal ein bisschen Novemberwetter in den Blog packen und euch den ersten (inzwischen lektorierten) Textschnipsel aus meinem diesjährigen Weihnachtsbuch kredenzen. Immerhin dauert es nur noch – O mein Gott! – vier Monate, bis es in die Buchhandlungen kommt und ihr es komplett lesen könnt.

Meine Lektorin schrieb in ihrer Mail, die sie mir bei der Rückgabe des lektorierten Manuskripts mitgeschickt hat, Folgendes:

Naila ist ja besonders goldig. Ihre Selbstverliebtheit ist zu putzig. :-)

Deshalb habe ich mir auch gleich mal die allererste Szene mit ihr herausgesucht. Also mit Naila, nicht mit der Lektorin. ;-) Darin stellt sich euch die zuckersüße Pudeldame, die auf dem Buchcover übrigens perfekt getroffen ist, auf die bestmögliche Weise vor. Viel Vergnügen!

Aus dem 2. Kapitel

Nein, also … nein! So geht das aber wirklich nicht. Ihr könnt mich nicht dauernd woanders hinbringen. Erst bin ich bei meinem Frauchen, dann ist sie plötzlich weg, als ich mich gerade eben an sie gewöhnt hatte. Das war gar nicht so einfach, weil sie doch ein wenig seltsam und ruppig war. Aber man ist ja als Pudel durchaus anpassungsfähig. Dann kommt so ein alter Mann, der war wirklich nett. Der hat mich einfach mitgenommen und in seine Wohnung gebracht. Da habe ich mich überhaupt nicht ausgekannt, aber na gut, dachte ich, was soll’s, er ist wirklich freundlich und hat mir so gut wie jeden Wunsch von den Augen abgelesen. So was von zuvorkommend! Doch dann war er plötzlich krank und kurz darauf weg. Und was nun? Die beiden Menschen, die mich danach aufgenommen haben, waren zwar auch ganz freundlich, aber sie haben andauernd geschimpft, weil ich angeblich ganz verwöhnt und verzogen sei. Also wirklich! Verwöhnt doch nicht. Nur etwas anspruchsvoll. Und verzogen? Das ist eine Beleidigung, jawohl. Ich bin ein äußerst liebenswürdiges Wesen. Das hat Georg, mein altes Herrchen, auch immer gesagt und mich dabei am Hals gekrault, und hinter den Ohren. Aber er ist ja nicht mehr da. Ich weiß nicht, wo er hingegangen ist. Die beiden Menschen, bei denen ich jetzt ein paar Wochen war, haben gesagt, er sei gestorben und ich würde ihn nicht mehr wiedersehen und sie müssten ein neues Zuhause für mich finden. Schon wieder! Ich bin es so satt, dauernd herumgereicht zu werden und mir dann auch noch anhören zu müssen, ich sei schwierig und zickig und bäh!

Bäh übrigens auch zu der Fahrt im Auto. Die war zwar nicht allzu lang, weil meine Übergangsmenschen, wie ich sie jetzt mal nennen möchte, hier ganz in der Nähe eine nette Wohnung besitzen, aber mir wird trotzdem immer total übel im Auto. Fürch-ter-lich! Wenn die Fahrt länger gedauert hätte, wäre mir mein Frühstück wieder hochgekommen, und das wäre äußerst peinlich und unangenehm gewesen.

Wo sind wir jetzt bloß wieder? In dieser Gegend bin ich, glaube ich, noch nie gewesen. Hier gibt es viel breitere Straßen als in dem kleinen Stadtkern, wo wir hergekommen sind. Und die Häuser sehen anders aus, irgendwie größer, und sie stehen weiter auseinander, und drumherum sind Gärten. Tja, also, das ist ja mal grundsätzlich recht vorzüglich. Ich mag Gärten. Glaube ich zumindest, denn ich war noch nie in einem. Nur in Parks, aber diese Gärten sehen so ähnlich aus, und ringsum sind große weite Flächen und Wiesen und Bäume. Viele, viele Bäume sehe ich in der Ferne. Ein bisschen unheimlich, aber vielleicht könnte man sich damit anfreunden. Allerdings nicht bei diesem Wetter. Es regnet. Hallo? Wuff? Ihr wollt doch wohl nicht, dass ich jetzt aus diesem trockenen, einigermaßen warmen Auto aussteige, um in das fiese, nasse Regenwetter hinauszugehen, oder? Und stürmisch ist es auch noch. Nein, Nein, das geht überhaupt nicht. Ich protestiere aufs Allerschärfste und bin mit der Gesamtsituation grundsätzlich unzufrieden. Knurr!

»Hast du das gehört, Frank? Sie hat mich angeknurrt. Das macht sie andauernd.« Kopfschüttelnd deutete Annemarie Hellberger durch die Fensterscheibe auf die junge hellbraune Kleinpudeldame, die ganz aufrecht in ihrer Transportbox auf der Rückbank des neuen grauen Mercedes GLC saß. »Sie ist so was von frech und unerzogen! Bist du dir wirklich sicher, dass du sie übernehmen willst? Du wirst jede Menge Arbeit mit ihr haben. Weiß der Himmel, was dein Großvater sich dabei gedacht hat, in seinem Alter noch einen jungen Hund bei sich aufzunehmen. Naila war ja fast noch ein Welpe. Ich meine, ich verstehe ja, dass er sie dieser unmöglichen Person weggenommen hat. Die hatte ja anscheinend einen Sprung in der Schüssel. Aber er hätte das Tier doch wohl ins Tierheim geben können.« Sie seufzte und schlug gegen den heftigen wind und den hauchfeinen Nieselregen den Kragen ihres Mantels hoch. »Natürlich hat er das nicht getan. Nicht Papa.« Plötzlich schniefte sie und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. »Er musste immer allen helfen. Aber mit siebenundachtzig nimmt man keinen Hund mehr zu sich. Das konnte ja nicht gut gehen, nicht mit seinem schwachen Herzen. Oje. Ich vermisse ihn.«

»Schon gut, Mama.« Frank Hellberger zog seine Mutter in seine Arme und wiegte sie für ein Weilchen tröstend hin und her. »Er fehlt uns allen.« Sein Großvater war erst vor drei Wochen ganz plötzlich verstorben und hatte in seinem Testament darum gebeten, dass Naila ein besonders liebevolle Zuhause erhalten sollte, möglichst innerhalb der Familie. Nach einer kurzen Beratung hatte Frank sich angeboten, die kleine Pudeldame zu sich zu nehmen, auch wenn er von Hunden nicht viel Ahnung hatte. Seine Eltern hatten immer Katzen gehalten, als er noch ein Kind gewesen war, doch seit sie kürzlich in ihre neue Eigentumswohnung nahe des Stadtkerns gezogen waren, hatten sie sich entschieden, keine neuen Haustiere mehr aufzunehmen. Stattdessen wollten sie in einem großen Wohnmobil die Welt unsicher machen, wie sie es vergnügt nannten, während Frank die gut laufende Anwaltskanzlei seines Vaters zu übernehmen gedachte. Er war lange fort gewesen, hatte in Großstädten und im Ausland gelebt. Erst vor wenigen Tagen war er in seinem Heimatstädtchen angekommen, und es fühlte sich alles noch ganz surreal an. Vor allen Dingen, wenn er sich, wie jetzt, zu seinem Elternhaus umdrehte, das seine Eltern ihm als Vorschuss auf sein Erbe kürzlich überschrieben hatten. Seine jüngere Schwester Greta hatte ebenfalls bereits einen Anteil erhalten, allerdings in Form von Geld, mit dem sie sich ihren Traum erfüllen wollte: eine eigene Buchhandlung.

»Ach, schon gut, schon gut. Ich kriege mich gleich wieder ein.« Immer noch leise schniefend löste Annemarie sich von Frank und wandte sich wieder der Pudeldame zu, die nach wie vor kerzengerade in der Box saß und sie mit einem äußerst skeptischen Blick musterte. »Nun komm schon, Naila, gehen wir mit Frank ins Haus. Dann kannst du dir gleich mal dein neues Zuhause ansehen.

Nein, auf gar keinen Fall. Es regnet! Merkt ihr das überhaupt nicht? Regen geht gar nicht. Auch nicht, wenn er in feinem Nebel sprüht wie jetzt gerade. Und es stürmt wie irre. Da bringen mich keine zehn Pferde nach draußen. Das könnt ihr euch abschminken. Naila reckte das Näschen geziert zur Seite und legte sich demonstrativ hin.

»Sieh sie dir nur an.« Annemarie fasst sich an die Stirn. »Total stur und verzogen ist sie.«

»Meinst du wirklich?« Neugierig öffnete Frank die hintere Beifahrertür und trat näher an die Hundebox heran. Er hatte Naila bisher erst einmal kurz nach der Beerdigung gesehen, sich aber gleich in die kleine, freche Fellnase verguckt. »Ich glaube, sie ist nur verunsichert. Und wer will es ihr auch verdenken? Immerhin muss sie jetzt schon zum dritten Mal umziehen und sich an ein neues Herrchen und Zuhause gewöhnen.«

Ganz recht, der Herr. Wenigstens scheinst du Verstand zu besitzen. Können wir also jetzt bitte wieder umkehren und mir ein trockenes und warmes Plätzchen irgendwo an der Heizung suchen? Naila blickte Frank eingehend an und schnaubte dann kurz.

Frank lachte. »Na, komme mal mit, Naila. Ich fürchte zwar, dass es drinnen noch ein bisschen ungemütlich sein wird, aber ich war schon so lange nicht mehr hier und würde gerne sehen, was die Handwerker mit dem Haus angestellt haben.«

Wie bitte? Du willst mich auch in das Unwetter scheuchen? Nö, also wirklich: Nö. Das ist ja wohl die Höhe. Knurr! Und wie!

»Jetzt knurrt sie dich auch noch an.« Annemarie seufzte. »Das kann ja heiter werden.«

Ich knurre nicht nur, ich wehre mich auch ganz entschieden gegen diese Willkür, mit der ich hier einfach in den Regen gezerrt werden soll. Vehement stemmte sich Naila gegen die Leine, an der Frank versuchte, sie aus der Box zu ziehen.

»Na, was ist denn los, Kleine? Hast du etwa Angst vor mir?«

Angst? Ich? Pah, im Gegenteil! Ich habe vor nichts und niemandem Angst! Grrr.

Frank lachte, als die kleine Hündin einen empörten Grummellaut von sich gab, und hob sie beherzt aus der Box auf seinen Arm. »Na, na, nun sei mal nicht so zickig, Kleine. Ich will doch hoffen, dass wir mal gute Freunde werden, du und ich.«

Wie bitte? Du und ich? Hey, was wird das denn? Naila fiepte erschrocken und zappelte ein wenig. Warum hebst du mich denn auf deinen Arm? Meine Güte, wie hoch das hier ist! Da wird einem ja schwindelig. Lass mich bloß nicht fallen. Hilfe, bist du groß und … du fühlst dich ganz hart an und du riechst irgendwie seltsam, da am Hals. Was ist denn das? Schnüff? Ich glaube, jetzt habe ich doch ein bisschen Angst vor dir.

»Siehst du, Mama, sie hat Angst. Bestimmt reagiert sie deshalb so widerspenstig.« Vorsichtig trug Frank Naila durch den winterlich kahlen Vorgarten auf die Haustür zu, nestelte den Schlüssel aus seiner Jackentasche und öffnete die Tür. Dann ließ er seiner Mutter den Vortritt.

»Also, ich weiß nicht. Vor deinem Vater und mir hatte sie bestimmt keine Angst. Ich glaube eher, sie ist von Natur aus eigensinnig und frech. Sagt man das nicht über Pudel?«

»Kann sein, aber man sagt ihnen auch eine hohe Intelligenz nach.« Grinsend setzte Frank Naila auf dem Boden im Flur ab und schloss die Haustür, bevor er sich umsah. »Liebe Zeit, hier ist ja kaum noch etwas wiederzuerkennen!«

Gut, zumindest sind wir aus dem Regen heraus. Aber was bitte ist das hier? Ein riesiges Haus mit lauter leeren Raumen? Hier gibt es ja nicht mal ein einziges Möbelstück! Keine Couch, kein Sessel, nicht mal ein Hundekissen. Gar nichts. Soll ich hier etwa wohnen? Nee, auf gar keinen Fall. Und ich dachte, es könnte nicht noch schlimmer werden.

»Wir haben alles komplett renovieren lassen.« Annemarie sah sich anerkennend um. »Die Wand zwischen Esszimmer und Küche ist durchbrochen worden, und der Durchgang zum Wohnzimmer wurde ebenfalls verbreitert, wie du gleich sehen wirst. Alles genau, wie du es dir gewünscht hast.«

»Und wie ich es wohl bezahlen werden muss.« Frank lachte und ging zielstrebig zur Küche.

»Das auch.« Seine Mutter lachte.

Naila folgte ihm leise grummelnd. Das hier hast du dir gewünscht? Na, danke. So spartanisch möchte ich aber nicht leben. Und das hier soll die Küche sein? Wo ist denn der Kühlschrank?

Liebe, Glück und Weihnachtsplätzchen

Nach langer Zeit im Ausland kehrt Frank in seinen Heimatort zurück, um die Kanzlei seiner Eltern zu übernehmen und sich um die junge Pudeldame Naila zu kümmern. Am meisten freut er sich allerdings auf Ricarda, seine beste Freundin aus Kindheitstagen, das Mädchen, in das er unsterblich verliebt war. Jahrelang hat er versucht, seine Gefühle für sie zu vergessen, doch als er ihr jetzt gegenübersteht, wird ihm klar, dass sie noch immer so stark sind wie damals. Aber Frank weiß auch, dass es nicht leicht sein wird, Ricarda zu überzeugen, dass Liebe nicht das Ende ihrer Freundschaft bedeuten muss.

Cover Plätzchen gesucht, Liebe gefunden

Plätzchen gesucht, Liebe gefunden

Petra Schier

HarperCollins, Taschenbuch
12,5 x 18,7 cm, ca. 400 Seiten
Erscheint am am 21.09.2021
ISBN 978-3749901-53-1
11,00 € / eBook  8,99 €

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