Die Tochter ihrer Mutter …

… das ist Katharina definitiv. Ihr habt es wahrscheinlich schon beim ersten und auch beim zweiten Textschnipsel gesehen, und der dritte Schnipsel untermauert diese Einschätzung sehr deutlich.

Während ich die letzten Kapitel des Romans im Eiltempo und mit vielen, vielen Überstunden verfasse, dürft ihr einen weiteren Blick in das natürlich noch nicht lektorierte Manuskript werfen. Wortdopplungen, Tippfehler und kleine sprachliche Unebenheiten dürft ihr, wenn sie euch begegnen, gerne behalten. ;-)

Bevor ich euch den Textschnipsel kredenze, würde ich gerne von euch wissen, was ihr euch von dem neuen Adelina-Band so alles erwartet, worauf ihr euch besonders freut und ob ihr womöglich die ersten sechs Bände noch mal lesen werdet, bevor Ränke im Zollhaus am 2. November 2026 erscheint. Schreibt mir eure Antworten gerne in die Kommentare, und selbstverständlich auch gerne, wie euch der folgende Schnipsel gefällt und was ihr darüber denkt.

Aus dem 4. Kapitel

»Gute Nacht, Vater.« Sie sah zu, wie er im Haus verschwand, dann warf sie einen Blick zum Himmel, und tatsächlich waren erste Schleierwolken über ihr zu sehen. Spontan erhob sie sich und ging hinüber zum Gemüsegarten. Von dort aus konnte sie zwischen Häusern und Gärten in der Ferne die ersten dickeren Wolken ausmachen, die im allmählich nachlassenden Tageslicht bedrohlicher wirkten, als sie waren.

Das laute Miauen einer Katze riss sie aus den Betrachtungen des sich zuziehenden Abendhimmels. Sie erkannte Lottes Stimme und wusste sofort, dass die Katze äußerst ungehalten war. Seufzend machte sie kehrt und ging in den Hof zurück. »Komm doch herein, Lotte. Ich weiß genau, dass du unter dem Tor hindurchpasst. Das habe ich schon oft genug gesehen.« Vor dem geschlossenen Hoftor blieb sie stehen. »Oder kletter hinüber.« Auch das hatte Lotte schon unzählige Male getan. Aber nicht heute. Ihre Majestät war zuweilen eigensinnig. Wenn Katharina nicht reagieren würde, brächte Lotte es fertig, die halbe Nacht miauend und maunzend draußen sitzen zu bleiben.

Da sie sich nicht dem Unwillen der Nachbarschaft aussetzen wollte, schob Katharina den schweren Riegel zurück und zog den linken Torflügel so weit auf, dass die Katze hindurchschlüpfen konnte. Lotte maunzte, schnurrte gnädig und strich an Katharinas Rock vorbei, bevor sie auf die Hintertür zustrebte. Dort setzte sie sich und warf Katharina einen auffordernden Blick zu.

Schmunzelnd folgte Katharina der Katze und öffnete ihr auch noch die Tür und schloss sie gleich wieder. Im selben Moment fuhr eine kräftige Windbö sie an und fegte im nächsten Moment die Rolle mit dem Garn von der Bank. Eilig sammelte Katharina sie wieder ein, legte sie mit den Nadeln zu der Wäsche in den Korb und stellte diesen dicht vor die Hintertür. Sie musste das Tor noch verriegeln und nahm das Dreieckstuch sicherheitshalber an sich, damit es vom Wind nicht ebenfalls zu Boden geweht werden konnte. Sie legte es sich um die Schultern und warf aus reiner Gewohnheit noch einmal einen Blick durch den Spalt, den der linke Torflügel offenstand, auf den Alter Markt, der in der zunehmenden Abenddämmerung verlassen dalag. Irgendwie wirkte im Zwielicht alles wie verwunschen und ließ sie für ein paar Atemzüge innehalten.

Sie wollte sich schon wieder zurückziehen, um das Tor zu versiegeln, als sie das leise Knirschen von Stiefelsohlen vernahm und die Gestalt eines Mannes aus Richtung der Judengasse über den Marktplatz kommen sah. Erschrocken wich sie zurück. Ihr Herz hatte einen wilden Satz gemacht und pochte jetzt viel zu schnell gegen ihre Rippen. Vorsichtig linste sie erneut durch den Spalt. Sie hatte sich nicht getäuscht. Der Mann, der sich vermutlich auf dem Heimweg befand, war Bastian.

Irritiert runzelte sie die Stirn. Wenn er sich auf dem Heimweg befände, hätte er eigentlich in Richtung Sandkaul gehen müssen. Das wäre der kürzeste Weg zum Hahnentor gewesen, den die Weverlings so gut wie immer nutzten, um zum Zollhaus der Familie Rotstock zu gelangen. Stattdessen bog er in die Budengasse ein. Und was war das für ein riesiger Korb, den er mit sich führte? Darin würde er doch wohl kaum irgendwelche Gewürze oder andere Waren transportieren. Zumindest nicht ganz allein, ohne Wachknecht und bei einbrechender Dunkelheit.

Katharina zögerte. Ihre Neugier war geweckt, und die war, Gott helfe ihr, ihr größtes Laster. Sie sorgte regelmäßig dafür, dass Katharina sich in die Artistenfakultät einschlich, dass sie alle Bücher und gelehrten Schriften, die sich im Besitz ihrer Eltern befanden, von Anfang bis Ende gelesen hatte, dass sie gerne mit den Ingredienzien für Arzneien experimentierte und eine Weile auch Griet und ihrem Vater bei deren alchemistischen Experimenten zugesehen und geholfen hatte. Und im Augenblick verführte sie diese vermaledeite Neugier dazu, eine ganz böse Dummheit zu begehen. Sie schlüpfte durch das Tor nach draußen, zog den Flügel hinter sich zu und hoffte, der auffrischende Wind würde es nicht wieder aufdrücken. Sie wollte nur kurz nachsehen, wohin Bastian um diese unchristliche Zeit noch wollte. Sie wäre in wenigen Augenblicken wieder zurück und würde zu Bett gehen.

Ganz kurz nur, dachte sie bei sich und huschte im Schatten der Häuserfassaden hinter Bastian her. Es war viel zu gefährlich für eine junge Frau, sich spät abends alleine in der Stadt herumzutreiben. Glücklicherweise waren so spät keine Menschen mehr unterwegs. Auch die Stadtwache war weder zu sehen noch zu hören.

Die weichen Sohlen ihrer Schuhe verursachten so gut wie keinerlei Geräusche, sodass sie Bastian unbemerkt über die breite Straße bis zur Hämergasse folgen konnte. An dieser Kreuzung blieb sie zögernd stehen. Wenn sie jetzt weiterging, geriet sie in eine weniger gut beleumdete Gegend. Im Viertel rund um den Berlich lebten viele kleine Handwerker, Tagelöhner, aber auch lichtscheues Gesindel, Hehler und zwielichtige Gestalten. In Hinterhöfen und zwischen den teilweise eng beieinanderstehenden Häusern nächtigten Bettler.

Katharinas Herz pochte wieder stärker. Obwohl sie in Köln zuhause war, kroch eine diffuse Furcht ihr Rückgrat hinauf. Sie sollte jetzt wieder nach Hause zurückkehren. Sofort.

Verflixte Neugier! Eilig ging sie weiter, damit sie Bastian nicht aus den Augen verlor, der nun tatsächlich auf den Berlich abbog. Ihr Herz klopfte womöglich noch schneller. Sie begann zu ahnen, wohin er wollte und schalt sich ein dummes Huhn, dass sie nicht gleich darauf gekommen war.

Ränke im Zollhaus

Petra Schier

Historischer Roman
Band 7 der Romanreihe Apothekerin Adelina
ca. 450 Seiten
Erscheint am 02.11.2026
ISBN 978-3-96711-986-2
18,00 € / eBook 6,99 €

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