Das Montagsfoto kommt aus verständlichen Gründen heute erst am Dienstag. Gestern blieb mir keine Zeit und Energie dafür, doch heute ist etwas passiert (siehe unten), das mir eben diese Energie zurückgegeben hat. Deshalb habe ich mich jetzt doch kurz an den PC gesetzt und euch etwas geschrieben.

Normalität

Wie oft beschweren wir uns über die Normalität, die Routine, den (langweiligen) Alltag! Ja, auch ich tue das zuweilen.

Und dann, von einem Tag auf den anderen, ist diese Normalität für immer dahin. die Routine zerstört von einer Flut, die einem Tsunami glich. Und nicht nur die Routine ist zerstört, sondern mit ihr Leben verloren, Häuser, Brücken, Straßen, Geschäfte und Betriebe, Lebenswerke … Alles hinfortgespült.

Zurückgeblieben ist eine Spur der Verwüstung, des Entsetzens und der Trauer.

Aber auch etwas anderes ist geschehen.

Etwas unglaublich Schönes, Hoffnung Gebendes: Die Menschen halten zusammen, wie ich es niemals zuvor gesehen habe. Sie helfen einander, halten einander, kämpfen miteinander dafür, dass die Zerstörung beseitigt, Trauer und Entsetzen gelindert und Menschen nicht allein gelassen werden. Nicht nur Menschen von hier, die einander kennen, sondern Menschen aus ganz Deutschland, sogar aus dem Ausland, von überall her, ungeachtet von Sprache, Religion, Hautfarbe, politischer Einstellung oder was auch immer. Einfach Menschen, die für Menschen da sind.

Und die, die nicht herkommen können, um zu helfen, schicken Spenden, ob nun Kleidung, Lebensmittel, Spielzeug, Hygieneartikel oder schlicht und ergreifend Geld, das den Betroffenen helfen wird, sich auf den Trümmern dessen, was ihnen geblieben ist – und das ist oft nicht mehr als das eigene Leben – wieder etwas Neues aufzubauen. Nicht zu verzweifeln. Nicht den Mut zu verlieren.

An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an all diese Helfer:innen, die mir und vielen, vielen anderen den Glauben an die Menschlichkeit und das Gute im Menschen mit Macht zurückgegeben haben.

Wie oft beschweren wir uns über Normalität und Routine. Manchmal sogar mit Recht. Doch ich bin sicher, dass jeder einzelne Mensch, alle Betroffenen und auch die, die wie ich nur am Rande mitleiden und nur den erweiterten Folgen dieser Katastrophe ausgesetzt sind (fehlende Straßen und Brücken, kaputte Infrastruktur usw.) sich in diesem Moment genau diese Routine und Normalität von Herzen zurücksehnen.

Es wird noch lange dauern, bis wir sie zurückhaben, und sie wird niemals wieder so sein, wie sie früher einmal gewesen ist. Wir Menschen sind widerstands- und anpassungsfähig, schon von Natur aus. Aber dennoch tut es weh, sich anpassen, neu orientieren, lange aufgebautes und Gewohntes aufzugeben und durch etwas Neues zu ersetzen. Ohne die Hilfe unserer Mitmenschen ist dies nicht möglich.

Und dann das:

Meine Schwiegermutter klopft heute Nachmittag an unsere Terrassentür und reicht mir eine Tüte Brötchen vom Bäcker in Kempenich herein. [Und ja, hier schreibe ich sicherheitshalber Fremdwerbung dran, weil man das Logo der Firma “Die Lohners” erkennen kann.]

Und plötzlich ist er da, der winzige Funke, dieses kurze, aber wohltuende Gefühl von Normalität. Die Nachbarin war im EDEKA einkaufen und hat uns allen hier im Örtchen Brötchen mitgebracht. Einfach so. Danke, liebe Martina!

Normalität.

Nur ein kleines bisschen.

Brötchen von unserem gewohnten Bäcker.

Hoffnung.

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