Was passiert, wenn sich ziemlich gegen Ende des Manuskripts herausstellt, dass die weihnachtsrettende Fellnase nicht etwa ein Fiasko in der Liebesgeschichte verhindern, sondern, ganz wie der Titel des Roman es besagt (Vier Pfoten retten Weihnachten), das Weihnachtsfest selbst vor einem chaotischen Totalausfall bewahren muss?

Cockerspanieldame Lulu aus "Vier Pfoten retten Weihnachten"

Cockerspanieldame Lulu muss diesmal improvisieren, um für Santa Claus und das Christkind die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

Und alles nur, weil weder der Weihnachtsmann noch das Christkind und nicht mal die Autorin den Brief der kleinen Sabrina mit der gebührenden Aufmerksamkeit gelesen haben. Hätten sie es getan, wäre ihnen nämlich ein winziges, aber wichtiges Detail nicht entgangen, nämlich, dass der Wunsch selbigen Mädchens sich aus zwei Komponenten zusammensetzt. Einer großen, die für Santa Claus und Christkind eigentlich schon abgehakt und mit Erleichterung ad acta gelegt wurde, und einer kleineren, die sich ganz unauffällig an die große angehängt hat.

Nun wäre das alles für Sabrina vielleicht gar nicht so schlimm, denn ihr großer Wunsch kann ja erfüllt werden und bestimmt hätte sie letztendlich großzügig darüber hinweggesehen, dass dieses winzige Detail nicht funktioniert hat.

Aber. Ja wieder mal ein Aber. Was sonst?

Für Weihnachtsmann und Christkind gilt: Ein Wunsch ist ein Wunsch ist ein Wunsch. Und muss erfüllt werden.

Um zur Eingangsfrage zurückzukehren: Was passiert also, wenn sich solch ein Szenario gegen Ende des Manuskripts erst herausstellt?

Richtig, die Autorin gerät ins Rotieren. Ins Neuplotten. Kriegt graue Haare. Hat nur noch 50 oder höchstens 60 Seiten und drei Tage, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

Aber wenigstens weiß sie jetzt, warum Lulu, die erwähnte Fellnase, überhaupt in der Geschichte drin ist, denn eigentlich ist ihre Rolle diesmal ganz dezent ausgefallen. Kommt ja auch mal vor, denn jede Geschichte ist anders.

Diese hier übrigens sowieso, von Anfang an. Sie scheint auf den ersten Blick so typisch zu sein, dass ich schon erste Kritiker über die Klischeekeule motzen höre. Dabei ist sie, wenn man sie bis zum Ende verfolgt, gar nicht voller Klischees, sondern überrascht mit Facetten, die man vielleicht so nicht erwartet hätte. Anders halt. Zumindest ein bisschen. Und ganz ruhig und unaufgeregt kommt sie daher. Damit dürfte sie etwas für diejenigen Leserinnen und Leser sein, die auch mal gut auf das große Gefühlsdrama verzichten können.

Dramatisch wird es zwar dann zum Schluss, na ja, sagen wir mal eher total chaotisch. Wie gesagt, da haben wichtige Instanzen was Überlesen und müssen am Ende improvisieren, aber die für Liebesromane oft so typischen “Angstmomente” bleiben aus. Fast. Also so ziemlich.

Dafür aber auch gleich wieder eine Warnung an all diejenigen, die erotische Szenen nicht mögen: Es ist wieder eine drin. Ich finde sie total schön, aber wer so was nicht mag, sollte sich halt überlegen, ob er sie überblättert (und damit was verpasst) oder gar ganz auf den Roman verzichtet (und damit noch mehr verpasst). Was wirklich schade wäre. Müsst ihr selbst wissen.

Wie ist dass den bei euch? Mögt ihr Liebesgeschichten, die ohne das große “Hollywooddrama” auskommen? Die geradlinig voranschreiten und in denen die eigentliche Spannung aus der Entwicklung der Figuren aufeinander zu besteht? Die nicht am Ende zwingend noch einen Bruch herbeiführen, der dann im letzten Moment gekittet oder verhindert werden kann? Die eine Liebe beschreiben, die langsam, aber kontinuierlich wächst und gar nicht auseinandergerissen werden kann, selbst wenn es jemand versucht? Oder braucht ihr das Drama, die Angst um das Paar, die Tränchen- und Herzklopfenmomente, in denen alles auf der Kippe steht?

Erzählt mir, was euch lieber ist, ob ihr beides mögt oder womöglich um Liebesromane grundsätzlich einen Bogen macht. Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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