Am vergangenen Donnerstag habe ich auf meiner Mila Roth-Autorenseite bei Facebook gefragt, welche Seite ich als ersten Sneak Peek aus dem ersten Band – Kaltgestellt – meiner neuen Action-Thriller-Serie Codename E.L.I.A.S. veröffentlichen soll. Die Seite 1 erhielt mit Abstand die meisten Stimmen. Also bekommt ihr genau das, die erste Seite aus dem Manuskript. Okay, in Wahrheit sind es die ersten beiden Seiten, denn andernfalls hätte ich keinen schönen Cliffhanger für die Szene gehabt. Selbstverständlich ist der Text wie immer in so einem frühen Stadium noch unlektoriert. Etwaige Wortwiederholungen, stilistische Unebenheiten oder Tippfehler, die ihr findet, dürft ihr behalten. ;-)

Es wurde Zeit. Michael Cavenaugh blickte zum wiederholten Mal auf seine Armbanduhr, dann an der beigefarbenen Fassade des dreistöckigen Bürogebäudes in der South Vermont Avenue empor. Gerrisson, sein Kontaktmann, schien sich zu verspäten, also würde er die Räume von Hallway Incorporated wohl alleine durchsuchen müssen. Allerdings fehlte ihm der Sicherheitscode, der nach Betreten der Büroräume verhindern würde, dass nach zwei Minuten Alarm wegen unbefugten Betretens ausgelöst wurde. Also musste Michael entweder hoffen, dass Gerrisson noch rechtzeitig eintraf, oder sich auf eine Blitzdurchsuchung einrichten, wenn er verhindern wollte, dass ihn entweder die Polizei oder der Sicherheitsdienst schnappte.

Beiläufig blickte er sich um und ging auf den Eingang des Gebäudes zu. Langley wartete auf Ergebnisse, da konnte er nicht auf einen unzuverlässigen Kontaktmann Rücksicht nehmen, der sowieso nur seinen Kofferträger zu spielen hatte. Michael strich die teure graue Anzugjacke von Armani glatt und richtete seine Krawatte, bevor er eintrat. Falls ihm jemand begegnete, war seine Tarnung als Investor bei Hallway gesichert. Daran hatte er mehrere Wochen gearbeitet, ebenso wie an seinem französischen Akzent. Jacques Richard war ein stinkreicher Geschäftsmann, der den Terroristen dieser Welt alles lieferte, was ihnen das Leben erleichterte, von Maschinengewehren über Sprengstoffe bis hin zu satellitengesteuerten Raketensystemen. In dieser Eigenschaft hatte Michael sich mit Carl Hallway bekanntgemacht und eine Geschäftsbeziehung angebahnt, durch die es ihm nun möglich war, die terroristenfreundlichen Aktivitäten des Hallway-Imperiums zu unterwandern und bestenfalls zu eliminieren.

Da es bereits kurz nach siebzehn Uhr war, lag der Empfangstresen verlassen da. Vermutlich war die Empfangsdame gerade auf dem Weg nach Downtown Los Angeles, um irgendwo ein schnelles Sushi zu sich zu nehmen und dann die überfälligen Weihnachtseinkäufe zu erledigen.

Die beiden Sicherheitsbediensteten hockten vermutlich irgendwo vor dem Fernseher und sahen sich irgendein Spiel an.

Mit federnden Schritten stieg Michael die Stufen der geschwungenen Treppe in den ersten Stock hinauf und strebte der zweiten Tür auf der rechten Seite des Korridors zu. Prüfend sah er sich um. Im Gebäude war es ruhig. Zu ruhig? Er bezweifelte, dass um diese Zeit tatsächlich schon alle hier beheimateten Firmen ihren Mitarbeitern Feierabend gewährt hatten. Doch nirgendwo war das Klappern von Tastaturen oder das Surren von Druckern oder Kopierern zu vernehmen. Auch keine Stimmen oder irgendein Hinweis darauf, dass hier jemand arbeitete.

Bei dieser Erkenntnis schrillten in Michaels Kopf sämtliche Alarmglocken und er ging in Habtachtstellung, eine Hand an der 38er, die er in einem Holster unter dem Jackett versteckt trug. Mit der anderen Hand zog er die gefälschte Keycard hervor, mit der sich die Eingangstür zu den Räumen von Hallway Incorporated öffnen ließ. Er lauschte noch einmal, dann zog er die Karte über den Scanner. Es piepste, die Tür sprang auf.

Der kleine, mit modernen Möbeln aus Chrom, schwarzem Holz und Leder eingerichtete Empfangsraum lag verlassen da. So weit, so gut. Zielstrebig wandte Michael sich nach rechts. Hinter einer Milchglastür lag Hallways Büro, das es sowohl zu durchsuchen als auch zu verwanzen galt. Hinter ihm piepste die Alarmanlage. Von nun an hatte er hundertzwanzig Sekunden Zeit, bevor das Sicherheitssystem ihn verraten würde.
Die Abhörgeräte waren schnell an strategisch günstigen Stellen angebracht, das Vorhängeschloss am Aktenschrank ebenso rasch mit einem einfachen Dietrich geöffnet. Innerlich schüttelte Michael den Kopf über das sinnlose Vertrauen, dass die Leute in solche Schlösser setzten. Gezielt blätterte er sich durch die Akten in der oberen Lade, als ein leises Schleifen ihn innehalten ließ. Er richtete sich auf, griff nach seiner Waffe und entsicherte sie so leise es ging. Angestrengt horchend näherte er sich der Tür, die nach nebenan zu einem weiteren Büroraum führte. Er konnte nicht mit Sicherheit verorten, woher genau das Geräusch gekommen war.

Vorsichtig drückte er die Klinke, stieß die Tür sanft auf und wartete einen Atemzug lang, dann betrat er den anderen Raum.

Seine Augen weiteten sich eine Spur, als er Gerrisson am Boden liegen sah und unter ihm eine dunkelrote Blutlache. Gleichzeitig vernahm er erneut das Schleifen, dann eine dunkle Stimme: »Eine falsche Bewegung, und Sie leisten Ihrem Kollegen im Jenseits Gesellschaft, Monsieur Richard, oder wie auch immer Sie heißen mögen.«

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Über Fragen, Kommentare, Anregungen usw. würde ich mich wie immer sehr freuen.

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Kaltgestellt (Band 1)
Mila Roth
Taschenbuch, ca. 250 Seiten
ISBN: folgt, ca. 7,99 Euro
eBook (Kindle, EPUB)
ISBN EPUB: folgt, ca. 3.99 Euro

Erscheint voraussichtlich im Winter 2014/15.

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